US-Zölle: „Donald, das ist eine sehr dumme Sache“: So wehren sich Kanada, Mexiko und China
Trump setzt Kanada mit Zöllen unter Druck.
Foto: dpaDie von US-Präsident Donald Trump angekündigten Zölle für Waren aus Mexiko und Kanada sind laut US-Medien um kurz nach Mitternacht (Ortszeit) in Kraft getreten. Dies berichteten unter anderem „New York Times“, „Wall Street Journal“ und der Sender CNN. Trump hatte zuvor in Washington gesagt, die Strafmaßnahmen auf Waren aus Kanada und Mexiko in Höhe von 25 Prozent würden von Dienstag an gelten. „Präsident Donald J. Trump fährt mit der Einführung von Zöllen gegen Kanada und Mexiko fort“, hieß es in einer vom Weißen Haus veröffentlichten Mitteilung von Montag.
Es droht nun ein nordamerikanischer Handelskrieg mit ungewissen Folgen für die Weltwirtschaft. Trumps Ankündigung ließ die Aktienmärkte einbrechen. Immerhin: US-Handelsminister Howard Lutnick rechnet mit einer schnellen Einigung mit Kanada und Mexiko. Er habe den ganzen Tag mit seinen Kollegen aus beiden Ländern telefoniert, sagte Lutnick im US-Fernsehen. Auch US-Präsident Donald Trump höre zu. „Ich glaube, dass er sich mit ihnen einigen wird“, so Lutnick. Man werde sich wahrscheinlich „in der Mitte“ treffen und das Ergebnis wohl schon am Mittwoch bekanntgeben, so der Minister.
Doch was bedeutet das für den Welthandel und welche Gegenmaßnahmen gibt es? Ein Überblick der wichtigsten Fragen und Antworten:
Warum erhebt Trump Zölle gegen Kanada und Mexiko?
Bereits zum 4. Februar 2025 wollte Trump alle Importe aus Kanada und Mexiko mit zusätzlichen Zöllen in Höhe von 25 Prozent belasten. Der US-Präsident wirft den Nachbarstaaten vor, an den gemeinsamen Grenzen nicht genug gegen den Drogenhandel und illegale Übertritte von Migranten zu unternehmen. Nur wenige Stunden vor dem Inkrafttreten der angedrohten Strafzölle ließ Trump sich auf Zugeständnisse der Nachbarn vor allem bei der Grenzsicherung ein. Dafür schob er die Handelsbeschränkungen für mindestens 30 Tage auf.
Nun treten die Zölle wieder in Kraft. Für Verhandlungen mit Kanada und Mexiko gebe es keinen Spielraum mehr, sagte Trump am Montag bei der Ankündigung einer Milliarden-Investition des Chipherstellers TSMC in den USA.
Bei seiner Rede vor dem Kongress bekräftigte der Präsident seine Absicht, ab dem 2. April zusätzliche Vergeltungszölle einzuführen. Als nächstes könnte es unter anderem auch die Europäische Union treffen, was die Börsen weiter belasten könnte. Doch auf die Marktreaktion ging Trump nicht ein. „Andere Länder haben jahrzehntelang Zölle gegen uns eingesetzt. Jetzt ist es an der Zeit, dass wir sie gegen diese Länder einsetzen“, begründete er stattdessen seine Haltung. Aber anders als etwa bei seinen rhetorischen Breitseiten gegen „Wokeness“ sprangen viele Republikaner diesmal nicht auf, um zu applaudieren – was offenbar zeigt, dass in diesem Punkt nicht alle in der Partei auf einer Linie mit dem Präsidenten sind. Trump bat um Geduld, es werde wohl eine kleine „Anpassungsperiode“ geben, bevor sich sein Vorgehen etwa für die Landwirte auszahle.
„Bei Zöllen geht es darum, Amerika wieder reich zu machen und Amerika wieder großartig zu machen“, sagte der Republikaner. „Und das geschieht, und es wird ziemlich schnell gehen. Es wird ein wenig Unruhe geben, aber das ist für uns in Ordnung“ – denn es werde keine große Unruhe sein.
Wie treffen die Zölle die Wirtschaft von Kanada und Mexiko?
Kein anderes Land exportiert mehr in die USA als Mexiko. Damit ist das Land der wichtigste Handelspartner. Mehr als 80 Prozent der mexikanischen Exporte gehen in die Vereinigten Staaten. Trumps Zollpolitik dürfte Ökonomen zufolge beiden Volkswirtschaften durch höhere Inflation und den Verlust von Millionen Arbeitsplätzen schaden.
Die USA sind auch für Kanada der wichtigste und größte Handelspartner. Rund eine Billion Dollar an Waren und Dienstleistungen werden zwischen den beiden nordamerikanischen Nachbarländern umgeschlagen. Kanadische Firmen verkaufen eine Reihe von landwirtschaftlichen Produkten sowie vor allem Öl, Gas und Mineralien in die Vereinigten Staaten. Zudem arbeiten beide Staaten eng in der Autoindustrie zusammen. Durch die Zölle werden kanadische Produkte auf dem US-Markt teurer. Damit dürfte die Nachfrage sinken. Das hat wiederum Auswirkungen auf die Produzenten in Kanada.
Wie reagieren Kanada und Mexiko auf die Zölle?
Kanadas Premier Justin Trudeau hatte bereits Gegenmaßnahmen angekündigt. Kanada wollte demnach seinerseits Zölle in Höhe von 25 Prozent auf US-Waren einführen, hatte er vorab mitteilen lassen. Dies gelte zunächst nur für Waren mit einem Gesamtwert von 30 Milliarden Dollar, hieß es in der Mitteilung. Nach 21 Tagen werde diese Zahl auf insgesamt 155 Milliarden Dollar erhöht.
Trudeau drohte zudem mit weiteren harten Maßnahmen. „Heute haben die Vereinigten Staaten einen Handelskrieg gegen Kanada begonnen, ihren engsten Partner und Verbündeten, ihren engsten Freund.“ Die Kanadier seien ein höfliches Volk, doch es werde einem Kampf nicht aus dem Weg gehen, wenn das Wohlergehen des Landes auf dem Spiel stehe. Dabei sprach Trudeau US-Präsident Trump persönlich an: „Nun, es ist nicht meine Gewohnheit, dem Wall Street Journal zuzustimmen, aber Donald: Sie weisen darauf hin – obwohl Du so ein kluger Kerl bist – dass dies eine sehr dumme Sache ist.“ Zu den US-Amerikanern sagte er, dass ihre eigene Regierung sich dazu entschieden habe, ihr tägliches Leben deutlich teurer zu machen. Zudem verwies Trudeau auf die Turbulenzen an den Börsen und Preissteigerungen, die dramatisch werden dürften.
Auch Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum hat als Reaktion auf die seit heute Nacht geltenden neuen US-Importzölle Gegenmaßnahmen angekündigt. Diese würden Zölle und andere Maßnahmen umfassen, die sie am Sonntag bei einer öffentlichen Veranstaltung bekanntgeben wolle, sagte sie bei ihrer morgendlichen Pressekonferenz im Nationalpalast.
Was ist mit China?
Die im Februar angeordneten US-Importzölle auf Waren aus China werden auf 20 Prozent verdoppelt, heißt es in den Berichten.
Als Reaktion auf neue US-Zölle hat China Gegenzölle auf Agrarprodukte und weitere Maßnahmen gegen US-Firmen angekündigt. Wie das Pekinger Handelsministerium mitteilte, werde China ab dem 10. März zusätzliche Zölle in Höhe von 15 Prozent auf Hühnerfleisch, Weizen, Mais und Baumwolle aus den USA erheben. Für andere landwirtschaftliche Produkte, darunter Sojabohnen, Schweinefleisch und Rindfleisch, werde ein Zusatzzoll von 10 Prozent gelten.
Auch kündigte Peking an, weitere US-Unternehmen auf eine Liste unzuverlässiger Entitäten zu setzen, womit ihnen Einschränkungen oder vollständige Verbote für Geschäftsaktivitäten in China drohen.
Was bedeuten die Zölle für den Welthandel?
Durch die gegenseitigen Zollmaßnahmen besteht die Gefahr eines nordamerikanischen Zollkriegs. Trump kündigte bereits an, weitere reziproke Zölle erheben zu wollen. Das bedeutet, dass die USA überall dort Zölle anheben, wo sie derzeit weniger verlangen als ihre Handelspartner. Trump hatte in der Vergangenheit betont, mit diesen Zöllen ein Handelsungleichgewicht korrigieren zu wollen und warf anderen Ländern vor, die Vereinigten Staaten unfair zu behandeln.
Wie sich das auf die Weltwirtschaft auswirken wird, ist noch ungewiss. Sollte es zu einer Zoll-Eskalation kommen, wird dies nach Ansicht von Ifo-Expertin Dorothee Hillrichs weltweit die Inflation antreiben und die Weltwirtschaft unter Druck setzen.
Für Unternehmen bedeute dies zudem hohe Planungsunsicherheit, was zum Verschieben von Investitionen führen könnte. Einige Unternehmen verlagerten allerdings auch – wie von Trump gewünscht – Produktionsstandorte in die USA, um so Zölle zu umgehen.
Welche Branche ist in Deutschland besonders betroffen?
Vor allem die deutsche Autoindustrie: Fast alle Hersteller und auch viele Zulieferer nutzen Mexiko als billigen Produktionsstandort – und bedienen von dort aus auch den US-Markt. Die Zölle gegen Kanada könnten zum Problem etwa für Volkswagen werden. Denn die Wolfsburger planen in Ontario eine Batteriezellfabrik, die die E-Auto-Werke des Konzerns in den USA beliefern soll.
Volkswagen prüft zudem Anpassungen im US-Geschäft. „Als Reaktion auf die neuen Zölle aktivieren wir einen umfassenden Notfallplan, um unsere Geschäfte, Lieferketten, Händler und Verbraucher zu schützen“, teilte Volkswagen of America in Reston im US-Bundesstaat Virginia mit.
Der Konzern ergreife Sofortmaßnahmen zur Sicherstellung der Versorgung in den USA, „während wir die notwendigen Anpassungen der Produktion und der Importe prüfen“. Ziel sei es, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten.
Continental-Vorstandschef Nikolai Setzer hält sich am Dienstag zu möglichen Konsequenzen der US-Zölle für die Werke des Autozulieferers in Mexiko und Kanada noch bedeckt. Continental werde zuerst die „Lieferströme so optimieren, dass sie für die Kunden werthaltig sind“, sagte Setzer am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz. Zudem werde man mit den Kunden sprechen, wie diese auf die neue Situation reagierten.
Conti betreibt mehr als 20 Werke allein in Mexiko. Die Lage sei unterschiedlich, sagte Setzer – teilweise holten die Kunden die Ware am Werk ab und brächten sie selbst über die Grenze in die USA und müssten dann Zoll dafür zahlen. Teilweise beliefere Conti Autohersteller in Mexiko, deren Fahrzeuge für den Export in die USA vorgesehen seien. Continental sei aber – vor allem im Reifengeschäft – auch in den USA selbst präsent. „Auch für uns sind die USA ein Wachstumsmarkt gewesen“, sagte Setzer. Die USA allein machten rund 20 Prozent des Konzernumsatzes aus, ganz Nordamerika – einschließlich Mexiko und Kanada – kämen auf 26 Prozent.
Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler will die von US-Präsident Donald Trump verhängten Zölle an seine Kunden weitergeben. Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld sagte am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters, mit diesem Schritt seien die Auswirkungen der zusätzlichen Abgaben einigermaßen zu verdauen. „Auch die Kunden werden nicht auf den Kosten sitzenbleiben wollen“, fügte er hinzu. „Damit werden die Zölle nichts anderes bedeuten als Inflation.“
Wie reagiert Deutschland?
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck kritisiert die USA ungewöhnlich deutlich für die neuen Sonderzölle. „Wir laufen sehenden Auges in einen umfassenden Zollkonflikt hinein. Nach den einseitigen und unbegründeten US-Zöllen gegen Kanada, Mexiko und China, ziehen nun Kanada und China nach“, sagte der Grünen-Politiker am Dienstag. „Das ist die Zollspirale, vor der ich seit den ersten Ankündigungen aus Washington gewarnt habe.“
Es gebe keine Gewinner in einem solchen Handelskrieg, ergänzte Habeck. „Das Ergebnis ist mehr Unruhe auf den Märkten, mehr Inflation, höhere Preise, weniger Investitionssicherheit.“ Deutschland unterstütze den Ansatz der EU-Kommission, gemeinsam mit der US-Regierung zu einer Verhandlungslösung zu kommen. Die EU dürfe sich dabei aber nicht herumschubsen lassen. „Wenn Präsident (Donald) Trump die angekündigten Zölle auf EU-Produkte erhebt, werden wir geschlossen und selbstbewusst reagieren.“
Was sagt die EU-Kommission zu den Zöllen?
Die Europäische Union „bedauert“ die Entscheidung der Vereinigten Staaten, Zölle auf Waren aus Mexiko und Kanada zu erheben. Dieser Schritt berge die Gefahr, den Welthandel zu stören, teilte ein Sprecher der EU-Kommission zudem mit. Er schaffe unnötige Unsicherheit.
Die Behörde betonte, dass Mexiko und Kanada wichtige Wirtschaftspartner der EU seien. Die Zölle bedrohten Lieferketten, Investitionsströme und die wirtschaftliche Stabilität über den Atlantik hinweg.
Wie reagieren die Märkte auf die Zölle?
Der Dax verbuchte am Dienstag seinen größten Tagesverlust seit drei Jahren. Die Zollstreitigkeiten der USA mit ihren wichtigen Handelspartnern China, Mexiko und Kanada sorgten für eine nervöse Stimmung und ausgeprägte Gewinnmitnahmen, wie Marktexperte Andreas Lipkow sagte. Der Dax sackte um 3,54 Prozent auf 22.326,81 Punkte ab.
Die jüngsten Nachrichten zur US-Handelspolitik haben die Stimmung an der Wall Street eingetrübt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss am Dienstag 1,5 Prozent tiefer auf 42.520 Punkten. Der technologielastige Nasdaq gab 0,3 Prozent auf 18.285 Zähler nach. Der breit gefasste S&P 500 büßte 1,2 Prozent auf 5778 Stellen ein.
Technologiewerte wie Meta und Amazon verloren bis zu 2,3 Prozent. Unter Druck gerieten auch die Autobauer General Motors und Ford, die auf große Lieferketten in ganz Nordamerika angewiesen sind. Die Titel verloren 4,5 und 2,8 Prozent. Wiederum 4,4 Prozent verlor Tesla. Der Elektroautopionier verkaufte im Februar 30.688 in China gefertigte Fahrzeuge – so wenige wie zuletzt im August 2022.
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