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Bargeld abschaffen? Woran es beim bargeldlosen Bezahlen hapert

Die Deutschen hängen an Münzen und Scheinen, doch überall auf der Welt wird an deren Abschaffung gearbeitet. Was technisch möglich ist, wie sich unser Verhalten ändern wird – und warum wir beim Zahlen mit Smartphone und Bitcoin noch an Grenzen stoßen.

PayPal-App in einem Supermarkt Quelle: dpa

Ob sie mich denn auf dem Foto erkennen könne, frage ich die Bedienung im Café des Berliner Buchladens Ocelot. Ich stehe an der Kasse und bezahle ein Croissant – mit meinem Smartphone. Mit der App des Zahldienstes PayPal, einem kleinen Computerprogramm, habe ich mich über das mobile Internet an der Kasse des Cafés angemeldet. Statt eines grauen Kassenklotzes mit Münzschublade nutzt die Bedienung ein Tablet, um mein Hörnchen abzukassieren. Darauf sieht sie mein Profilfoto, kann so überprüfen, ob die Person vor ihr mit der auf dem Tablet übereinstimmt. „Auf Ihr Foto achte ich gar nicht“, antwortet sie, „es ist ja momentan sowieso immer nur ein Kunde an der Kasse, der sich angesprochen fühlt.“

Ein Wisch über mein Smartphone, und schon habe ich die 1,50 Euro bezahlt, bekomme eine Bestätigung und die Rechnung auf mein Handy. Eine echte Pionierleistung: Bisher zahlen im Ocelot-Café gerade 20 Kunden monatlich über die App. Noch bevorzugen die Deutschen an der Kasse Bargeld. Doch die Zukunft des Bezahlens hat längst begonnen – mit digitalisiertem Geld.

Das nötige Werkzeug haben wir täglich in der Hand: das Smartphone. Wir wollen es nur noch nicht als Bargeldersatz nutzen – und zögern so den Start in die Zukunft hinaus. Genauso wie Urlaubsfotos, Musik oder Videos wird aber auch das Geld in eine Datenwolke abwandern.

Wo die Deutschen gerne mit dem Smartphone zahlen würden

Neben Tech-Giganten, die den Wandel vorantreiben, diskutieren auch Ökonomen wie Kenneth Rogoff die Abschaffung des Bargelds. Damit Menschen ihr Geld verkonsumieren, sollten Negativzinsen erhoben und das Bargeld abgeschafft werden. Sonst könnten Sparer dem Strafzins ausweichen, sagte Rogoff im Herbst: „Papiergeld ist das entscheidende Hindernis, die Zentralbank-Zinsen weiter zu senken.“

Damit verändert sich nicht nur die Art, wie wir bezahlen, auch das Geld selbst könnte eine neue Rolle bekommen. Was gibt es schon – und was bringt die Zukunft?

- In digitalen Geldbörsen, sogenannten Wallets, hinterlegen wir unsere Bankdaten auf dem Smartphone, zahlen damit kontaktlos an der Kasse.

- Über biometrische Daten wie unseren Daumenabdruck können wir Zahlungen autorisieren anstatt die PIN einzugeben oder zu unterschreiben.

- Banken verlieren die Hoheit über das Geld: Neben Apple, Google oder der Telekom könnten auch Netzwerke wie Twitter oder Facebook den Zahlungsverkehr an sich ziehen.

- Als Alternative zu staatlich regulierten Währungen haben sich im Internet Kryptowährungen wie der Bitcoin entwickelt.

Deren Technologie könnte auch Grundlage für eine Digitalisierung der staatlichen Währungen sein.


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„Ob Bitcoin oder Euro, wir werden unsere Bezahlidentität im Handy haben, auch die Bankkarte wird auf lange Sicht verschwinden“, sagt André Bajorat, der das Online-Zahlsystem Giropay mit aufgebaut hat und heute das Start-up Figo leitet. Das Smartphone könnte auch durch eine internetfähige Uhr oder andere Geräte ersetzt werden, die Form spielt keine Rolle. Klar ist: Auch kleine Zahlvorgänge werden künftig elektronisch ablaufen.

Unser Zahlverhalten – und die Daten, die wir dabei preisgeben – wird gespeichert und abrufbar sein. Gerade die Deutschen graust es vor der neuen Datenspur. Fast zwei Drittel der Internet-Nutzer trauen dem Datenschutz der Smartphone-Zahlungsanbieter nicht, so eine Studie der Marktforscher Fittkau & Maaß.

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