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Wo deutsche Unternehmen Kasse machen Der Amazon Prime Day startet wieder – ist aber kein Vergleich mehr zum „Singles' Day“

Für zwei Tage lockt Onlineriese Amazon am sogenannte „Prime Day“ mit Rabatten und angeblich unschlagbaren Angeboten. Quelle: dpa

Amazons Prime Day? Ein Witz. Black Friday und Cyber Monday? Kinkerlitzchen. Der chinesische Singles' Day stellt die amerikanischen Verkaufsevents in den Schatten.

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Heute geht es wieder los: Für zwei Tage lockt Onlineriese Amazon am sogenannte „Prime Day“ mit Rabatten und angeblich unschlagbaren Angeboten. Das Ziel von Amazon: Möglichst schnell Umsatz. Deswegen gibt es auch immer wieder Kritik an dem Tag. So hat die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten in sieben deutschen Versandzentren des US-Konzerns Amazon dazu aufgerufen, von Montag bis Mittwoch die Arbeit niederzulegen. „Amazon setzt Millionen für die Werbung ein und macht an den Aktionstagen Milliardenumsätze. Den Kundenansturm müssen die Beschäftigten in den Versandzentren bewältigen und bekommen für die zusätzlich verschärfte Arbeitsbelastung keinen Cent mehr“, sagte der Verdi-Verantwortliche für den Einzel- und Versandhandel, Orhan Akman.

Dabei ist der Prime Day nicht der größte Einzelverkaufstag dieser Art. Der chinesische Amazon-Rivale Alibaba hat bei seiner letzten Rabattschlacht, dem sogenannten „Singles' Day“ im November 2020, so viele Bestellungen eingeheimst wie noch nie zuvor.Kunden orderten damals Waren im Wert von 56 Milliarden Dollar, wie der Onlinehändler bekanntgab. Um Kunden anzulocken, hatte Alibaba die Preise für 16 Millionen Produkte heruntergesetzt.

Die Bestellungen des letzten Singles Day waren auch im Wert 16-Mal höher als bei Amazons zweitägigem weltweiten „Prime Day“. Alibaba begleitet den „Singles' Day“ regelmäßig mit Veranstaltungen wie Livestreaming-Angeboten der Verkäufer und Konzerten – zuletzt mit Katy Perry und Taylor Swift – allerdings nur online. Alibabas Konkurrenten wie JD.com und Pinduoduo nehmen ebenfalls an dem wichtigsten Internet-Verkaufstag des Jahres teil. Mittlerweile werben auch in Deutschland Händler an dem wegen der vier Einsen im Datum genannten „Singles' Day“ mit Preisnachlässen.

Im Aldi-Shop gab es am 11. November 2020 zur Feier des Tages Manuka-Honig und Knoppers-Riegel zum Schnäppchenpreis. Der Drogerieanbieter dm verkaufte einen Klick weiter „Balea Augenkonzentrat“ zum Sondertarif, darunter zierte das Bild einer deutschen Filiale den Webshop. Und nebenan, auf der Seite von Doppelherz, gab es reihenweise Vitaminkapseln und -tabletten - garniert mit chinesischen Schriftzeichen und Preisen in Yuan.

Schon seit mehreren Jahren ist etwa die Beiersdorf-Tochter Nivea bei Tmall und JD.com präsent. Der „Singles' Day ist das wichtigste chinesische „E-Commerce-Festival“ und damit für uns ein relevantes Ereignis“, so der Konzern. Über das Umsatzwachstum hinaus biete das Event „die große Chance, unsere Markenbekanntheit in der Region weiter auszubauen“.

Einer der großen Unterschiede zum Prime Day: „Rund um den Singles' Day sind Live-Shopping-Events mit so genannten KOL, also ‚Key Opinion Leader‘, die wichtigsten Verkaufstreiber“, erklärt Damian Maib. Er kennt die Besonderheiten des chinesischen Online-Marktes. Der Gründer von Genuine German berät von Shanghai aus deutsche Unternehmen, die ihre Produkte auf den gigantischen chinesischen Onlineplattformen verkaufen wollen. Allerdings seien die Kosten für die Netzpromis stark gestiegen. „Neben einer Basisvergütung verlangen die Stars unter den Livestreamern teils bis zu 20 Prozent Umsatzbeteiligung“, sagt Maib.



Dennoch kommen Firmen kaum an den chinesischen Influencern vorbei. So nahm auch Haushaltswarenhersteller WMF „mit ausgewählten Aktionen und Angeboten am letzten Singles‘ Day teil, begleitet von gezieltem Influencer-Marketing auf verschiedenen Plattformen“. Vor allem „Elektrokleingeräte und die in Asien besonders beliebten „Made in Germany“ Produkte, wie beispielsweise Kochgeschirre“ sollten bei WMF im vergangenen Jahr für Umsatz sorgen. Wettbewerber Fissler setzte auf Schnellkochtöpfe, um 'das' E-Commerce-Festival in China zu befeuern.

„Das Vertrauen in Produkte ‚made in Germany‘ ist hoch“, sagt auch Experte Maib. „Gesundheits- und Kosmetikartikel, aber auch Lebensmittel können davon profitieren.“ Auch Luxushersteller hoffen auf zusätzliches Geschäft. Der Modekonzern Hugo Boss wollte beispielsweise „mit speziellen online-fokussierten Aktionen“ beim Singles' Day punkten. Der chinesische Markt gilt schließlich als strategisches Geschäftsfeld und dürfte angesichts der Corona-Auswirkungen für viele Markenartikler in Zukunft noch wichtiger werden.



Selbst der FC Bayern nutzte das Spektakel für sich. „Aufgrund der hohen Besucherzahlen während Double 11 erzielen wir eine deutlich größere Reichweite für unsere Produkte als im sonstigen Tagesgeschäft“, hieß es 2020 aus München. Die Verkäufe sollten durch die Verlosung signierter Spielerprodukte, durch spezielle Rabatte sowie über 150 eigens für den Singles' Day registrierte Produkte angekurbelt werden.

Mehr zum Thema: Hunderttausende Händler nutzen Amazons Marktplatz, um ihre Produkte zu verkaufen. Noch bessere Geschäfte aber machen viele Service- und Beratungsunternehmen im Hintergrund. Ein Lagebericht aus der Kampfzone der Digitaldienstleister.

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