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Emily Vontz als Gen Z im Bundestag„Der größte Unterschied zu früher ist mein Besuch beim Bäcker“

Seit rund einem halben Jahr sitzt Emily Vontz für die SPD im Bundestag. Im Interview spricht sie über ihren Politikstil, ihre Erfahrungen als junge Abgeordnete und über die Wirtschaft im Saarland.Anabel Schröter 17.06.2023 - 13:41 Uhr

Die 22-Jährige gibt den jungen Generationen im Bundestag eine Stimme.

Foto: Fionn Grosse

WirtschaftsWoche: Emily, seit Januar sitzt du nun im Bundestag. In deinem Antrittsinterview hast du gesagt, dass du auffallen willst, weil du junge Politik machst und nicht, weil du jung bist. Was ist für dich junge Politik?
Emily Vontz: Junge Politik ist ein weiter Begriff. Für mich bedeutet es vor allem, junge Interessen, also Themen, die die Jugend beschäftigen, zu vertreten. Ich besuchte bereits mehrfach Schulklassen und ein Thema, das immer angesprochen wird, ist der Klimaschutz. Aber auch Tierwohl, Sport und schulische Bildung sind häufig Gesprächsthemen. Und die sind oft gar nicht so präsent im Bundestag. Deshalb verstehe ich unter junger Politik, auch die Perspektive von Menschen in der Schule, Ausbildung oder Uni zu vertreten.

Konntest du deine junge Perspektive bereits einbringen und hast du das Gefühl, damit Erfolge erzielt zu haben?
Ich stelle oft andere Fragen. Beispielsweise in Bezug auf China habe ich eher einen gesellschaftlichen Blick. Ich frage beim Austausch mit der parlamentarischen Gruppe eher danach, wie es den Frauen in China geht. Damit bringe ich eine andere Perspektive in die Diskussion ein als jemand, der bereits seit 30 Jahren im Parlament sitzt. Und solche Situationen erlebe ich eigentlich tagtäglich.

Wie ist die Resonanz der anderen Abgeordneten? Wirst du wegen solcher Fragen für naiv gehalten?
Naivität wurde mir noch nie unterstellt. Ganz zu Beginn stellte ich bei einem Treffen mit dem spanischen Außenminister eine Frage zum Thema Wahlrecht ab 16 bei der Europawahl. Damit fiel ich ein bisschen aus der Reihe, aber ich hatte das Gefühl, dass es positiv aufgenommen wurde. Und die SPD-Fraktion hat mich bei meiner Frage sowieso unterstützt.

Zur Person
Emily Vontz ist mit 22 Jahren die jüngste Bundestagsabgeordnete in der aktuellen Legislaturperiode. Sie gehört der Fraktion der SPD an. Im Januar 2023 rückte sie als Nachfolgerin für Heiko Maas nach und ist für den Wahlkreis Saarlouis und Merzig-Wadern im Bundestag.

Du bist für Heiko Maas nachgerückt. Wie war der Übergang für dich?
Es ist schon etwas anderes. Heiko Maas war acht Jahre Bundesminister. Ich bin aktuell noch Studentin. Wir haben also durchaus unterschiedliche Blickwinkel. Aber wir kommen beide aus dem Saarland und vertreten die gleichen Werte. Uns sind das Saarland und die Zukunft der jungen Menschen dort wichtig. Und wir lieben beide Europa. Deshalb sind wir thematisch vielleicht gar nicht so weit auseinander.

Heiko Maas hat viele Dinge im Bundestag angeregt. Unter anderem die Mietpreisbremse, aber auch die Reform des Urheberrechts. War das für dich eine große Bürde, in die Fußstapfen zu treten?
Ich würde nicht sagen, dass ich in seine Fußstapfen trete. Ich bin froh, dass er mir die Chance und das Vertrauen gegeben hat. Vielen denken, er hätte mich zur nächsten Abgeordneten ausgewählt. Das stimmt aber nicht. Ich stand auf Listenplatz vier und wurde somit über die Landesliste gewählt. Ich bin aber eben erst nachträglich in den Bundestag gerückt, als der vierte Listenplatz frei wurde.

Hat er dich vorher auf die Zeit im Bundestag vorbereitet?
Ja, gerade was das Team angeht, hat er mir ein paar Tipps gegeben. Und dann noch ganz praktische Sachen für die Wohnungssuche oder das Pendeln.

Du hast ein sehr junges Team. War das auch ein Tipp von Heiko Maas?
Nein. Ich habe bei meinem Team gar nicht auf das Alter geachtet. Meine neue Mitarbeiterin habe ich eingestellt, weil sie richtig gut ist und weil mich ihr Lebenslauf überzeugt hat. Und im Team reden wir auch nicht wirklich über das Alter.

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Also schaust du, ob es menschlich zusammenpasst?
Ja, ich schaue auf die Werte, die Einstellung und natürlich auch ein bisschen auf die politische Ausrichtung. Anders würde es auch gar nicht funktionieren. Die Arbeitsweise und die Integration ins Team sind genauso wichtige Aspekte.

Wie du bereits erwähnt hast, studierst du derzeit noch. Wie groß war dort die Umstellung für dich? Du pendelst dadurch viel zwischen Berlin und deiner Heimat.
Das Pendeln ist schon anstrengend. Aber es ist auch cool, da ich dadurch beide Perspektiven bekomme – einmal die aus meinem Wahlkreis im Saarland und einmal die aus Berlin. Aber die Tagesabläufe sind schon sehr verschieden und das ist schon ein heftiger Wechsel. Wenn ich in meiner Heimat bin, gehe ich zweimal die Woche für ein paar Stunden in die Uni und dann habe ich noch viele Termine nebenbei. Der größte Unterschied zu früher ist mein Besuch beim Bäcker: Mittlerweile spricht er mich fast jedes Mal auf ein politisches Thema an. Einmal war es etwas zu einem Mann, der Asyl suchte und beim letzten Mal ging es darum, warum es mit dem Wahlalter ab 16 im Saarland nicht funktioniert hat. Die Menschen sprechen mich jetzt als Abgeordnete an.

Wie oft siehst du neben Studium und Bundestagsalltag noch deine Freunde?
Gute Frage: Das ist gar nicht so einfach, weil ich im Saarland schon viele Termine habe und damit auch Verantwortung. Aber ein guter Terminplan und ein gutes Zeitmanagement sind alles.

Unterstützen dich denn deine Freunde?
Ich stoße auf sehr großes Verständnis. Viele wollen mich in Berlin besuchen und das finde ich echt cool. Aber ich muss auch sagen, dass viele die politische Welt gar nicht kennen. Und dann versuche ich, es ihnen zu erklären. Letztens hat mich eine Freundin gefragt, ob ein Ministerium das gleiche wie der Bundestag ist. Das hat mir gezeigt, dass ich mich nicht hier in meiner Arbeit verlieren darf. Deshalb ist es mein Ziel, Politik nahbarer zu machen.

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Bist du schockiert darüber, dass die politische Bildung gerade in der Jugend nicht so gut ist?
Es weckt auf. Ich habe dadurch gemerkt, dass ich meine politische Brille auch häufiger mal absetzen muss.

Du hast nun erwähnt, dass du beim Bäcker in der Heimat als Angeordnete angesehen wirst. Wie ist das für dich?
Es ist noch ziemlich ungewohnt. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es ganz normal sei. Jetzt gerade ist auch die Heizungsthematik sehr groß und viele machen sich deshalb Sorgen. Aber dafür habe ich ein offenes Ohr. Manche Gespräche sind dabei vielleicht auch etwas unangenehmer oder schwieriger als andere.

Fällt es dir denn schwer bei Themen wie dem Heizungsaustausch mitzureden, da dir vielleicht eigene Erfahrungen fehlen?
Natürlich habe ich noch keine 30 Jahre gearbeitet. Aber genau deshalb gehe ich solche Themen anders an. Ich spreche viel mit unterschiedlichen Leuten. Und das kann ein Vorteil sein. Ich frage dann erst einmal viel und höre zu. Ich habe mit meinen Eltern und den Freunden meiner Eltern darüber gesprochen. Auch beim Einkaufen kam das Thema auf. So habe ich die verschiedenen Einblicke gesammelt und mir daraus eine Meinung gebildet. Und auch wenn man kein eigenes Haus hat, ist man irgendwie doch davon betroffen. Die verschiedenen Perspektiven ergänzen sich dann gut.

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In deiner Kolumne „Emily in Berlin“ hast du von einer Situation von deiner ersten Woche im Bundestag berichtet. Dort hast du geschrieben, dass du nicht hineingekommen bist, da dir das Sicherheitspersonal nicht geglaubt hat, dass du eine Abgeordnete bist. Weiß das Sicherheitspersonal mittlerweile, wer du bist?
Ich habe einen Lieblingseingang. Da erkenne ich die Leute und sie erkennen mich. Und wenn ich ins Plenum gehe, sitzen dort auch immer die Gleichen und manche erkennen mich mittlerweile auch. Wir sagen uns dann immer nett Hallo. Aber es gibt schon noch Situationen, in denen ich merke, dass ich eine junge Abgeordnete bin. Ich wurde zum Beispiel bei einer Podiumsdiskussion vergessen vorzustellen und alle anderen wurden mit Sie angesprochen – ich wurde aber direkt geduzt.

Wie ist es für dich, wenn alle immer gesiezt werden, du aber direkt mit du angesprochen wirst?
Ich liebe es zu duzen. Für mich ist es ein persönlicher netter Umgang. Aber wenn alle anderen gesiezt werden und ich dann geduzt, macht es mich schon nachdenklich. Vielleicht ist dann nicht genügend Wertschätzung oder Respekt da. Aber in den meisten Fällen duze ich einfach zurück. Dann hat sich das Ganze für mich erledigt.

In den sozialen Netzwerken wurde auch viel über dein Alter diskutiert – teilweise auch mit herablassenden Worten. Wie gehst du mit solchen Kommentaren um?
Tatsächlich probiere ich, nicht alle Kommentare zu lesen. Auf Instagram werden sie mir zwar angezeigt, aber ich sehe ja schon direkt an den ersten Worten, in welche Richtung sie gehen. Ganz oft erkennt man auch schon am Profil, was es für Kommentare sind. Die netten Kommentare kommen ganz oft von Personen, die ich kenne. Am krassesten fallen mir die negativen Kommentare auf, wenn mich mein Team oder Freunde darauf hinweisen, was gerade unter einem Post los ist.

Bevor du kamst, war Emilia Fester die jüngste Bundestagsabgeordnete – wie ist der Austausch zwischen euch?
Wir haben uns früh das erste Mal getroffen. Und auch erst vor kurzem saßen wir nochmal zusammen. Ich bin auch echt froh, dass ich auch mit jungen Menschen aus anderen Parteien reden kann. Emilia ist ebenfalls eine junge Frau und hat schon ähnliche Sachen erlebt. Aber sie ist bereits seit zweieinhalb Jahren hier und konnte Erfahrungen sammeln. Da hilft der Austausch schon.

Auch sie bekommt viele negative Kommentare über Social Media. Ist das bei euch Thema?
Explizit haben wir noch nicht darüber geredet. Aber wir haben vor kurzen zusammen etwas gepostet. Damit wollten wir zeigen, dass wir auch parteiübergreifend miteinander reden und uns einander unterstützten. Und unter dem Post gab es heftige Kommentare. Ich weiß nicht, ob die an mich oder sie gerichtet waren. Da wir einen ähnlichen Politikstil haben, ist es wahrscheinlich auch an uns beide gerichtet.

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Wie sieht es allgemein mit der Kommunikation zwischen euch jungen Abgeordneten aus?
Es gibt schon eine Kommunikation, man tauscht sich aus. Es ist also ein normales miteinander. Und es ist auch nicht so, dass man gegeneinander ist.

In deiner Kolumne hast du berichtet, dass eine Schülerin nach dem Treffen mit dir selbst politisch aktiv wurde. Wie oft hast du schon ein solches Feedback bekommen?
Tatsächlich öfter als man denkt und das stärkt mich auch in meinem Tun. Das letzte Mal im Saarland haben mir ein paar junge Frauen gesagt, wie cool sie meine Arbeit finden. Ich würde so viel auf Instagram machen. Dabei versuche ich nur, meinen Alltag zu zeigen – ohne etwas zu verschönern. So mache ich Politik und Demokratie für alle erlebbarer und greifbarer.

Du bist auch bereits mit 17 den Jusos beigetreten – ein Jahr später dann der SPD. Was waren deine Beweggründe?
Ich wollte nicht nur auf der Couch sitzen und meckern. In meinem Umfeld habe ich schon damals eine große Unzufriedenheit bemerkt. Aber die Leute machen häufig nichts dagegen. Als dann noch Trump in den USA Präsident wurde und die AFD in den Bundestag zog, habe ich den Drang verspürt, mich politisch zu engagieren. In der Schule habe ich an zwei Planspielen teilgenommen und auch die politische Bildung war sehr gut. Dann war für mich einfach klar, dass ich das in die Realität umsetzen möchte. Und dann bin ich in der Partei eingetreten.

Wieso hast du dich für die SPD entschieden?
Ich habe mir tatsächlich die Internetseiten und die Parteiprogramme angeschaut. Dadurch konnte ich sehen, wofür die Parteien stehen. Themen wie Chancengleichheit, Chancengerechtigkeit und Solidarität liegen mir am Herzen. Da hat die SPD sehr gut gepasst.

Was verstehst du unter guter Wirtschaftspolitik?
Ich komme aus dem Saarland, einer strukturschwachen Region. Und aktuell stecken wir in einem riesigen Strukturwandel, vor allem, was die Transformation der Wirtschaft betrifft. Es hängen viele Arbeitsplätze an der Automobil- und Stahlindustrie. Daher verstehe ich unter guter Wirtschaftspolitik das Umdenken zu einer grüneren, zukunftsfähigen Wirtschaft. Aktuell ist auch die Arbeitsmarktpolitik ein sehr großes Thema im Saarland: Es wird versucht, alte Arbeitsplätze zu transformieren und neue Arbeitsplätze zu gewinnen. Einige Unternehmen brechen im Saarland weg, aber es wollen sich auch neue ansiedeln – wie beispielsweise ein Mikrochiphersteller. Für das Saarland ist eine gute Wirtschaftspolitik also eine Art Gamechanger.

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Wie ist die Kommunikation zwischen der saarländischen Landesregierung und dir im Bundestag?
Im Saarland haben wir eine SPD-Alleinregierung und dadurch ist die Kommunikation einfacher. Ich kenne innerhalb der Regierung alle Minister und Ministerinnen, Staatssekretäre und Staatssekretärinnen und auch die Landtagsabgeordneten. Das macht für mich die Kommunikation sehr einfach. Außerdem haben wir im Saarland kurze Wege. Das ist auch ein Vorteil.

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Gibt es Ziele, die du politisch noch erreichen möchtest? Und wenn ja, welche sind es?
Es ist schwierig, sich für die kommenden zweieinhalb Jahre inhaltliche Ziele zu setzen. Für den Bauausschuss habe ich mir zum Ziel gesetzt, die feministische Stadtentwicklung im Bundestag zu etablieren – also Städte sozialer und humanitärer gestalten. Ein gutes Leben soll dadurch in der Stadt und auf dem Land möglich werden. Zudem habe ich mir das Ziel gesetzt, mit den Menschen im Wahlkreis in Kontakt zu sein. Deshalb haben mein Team und ich ein Konzept entwickelt. Das Projekt heißt: Lass mal über Politik reden. Wir gehen dann aktiv z.B. in Schulen, Altenheime oder Jugendzentren und tauschen uns mit den Menschen dort auf Augenhöhe aus.

Du hast jetzt schon mehrfach die Bedeutung der Demokratie erwähnt und ein Aspekt für dich in die Politik zu gehen war der Bundestagseinzug der AfD. Wie wichtig ist es, eine starke Stimme für die Demokratie zu sein?
Es ist sehr, sehr wichtig. Das zeigen uns auch die neusten Umfragen in einigen Bundesländern. Ich habe Angst davor, was passiert, wenn ein AfD-Politiker ein Bundesland regiert. Wenn man Gespräche führt, muss man immer versuchen, die Punkte aufzuzeigen, warum die AfD vielleicht nicht die richtige Wahl ist. Aber das ist teilweise auch echt schwierig.

Als du deine erste Frage im Bundestag gestellt hast, gab es viele Zwischenrufe von der AfD. Wie sind da sonst deine Erfahrungen?
Eigentlich reagieren oder lachen sie immer, sobald ich anfange zu sprechen. Ich habe es am Anfang gar nicht gemerkt, aber jetzt weiß ich es und merke es auch. Mittlerweile denke ich mir nur, dass ich sie ja auch uncool finde. Sie sollen einfach machen, was sie wollen. Ich versuche, es zu ignorieren. Als ich aber meine erste Rede gehalten habe und sie die ganze Zeit dazwischengerufen haben, war das schon sehr hart. Umso stolzer bin ich, dass ich mich nicht aus der Ruhe bringen lassen habe.

Die Generationen auf dem Arbeitsmarkt
Die Baby-Boomer (1946 - 1964) sind die älteste Generation auf dem Arbeitsmarkt. Diese Jahrgänge verzeichneten die höchste Geburtenrate, daher rührt auch der Name.
Die Jahrgänge der Generation X (1965 - 1979) haben einiges miterlebt: Wirtschaftskrisen, Techniksprünge, Arbeitslosigkeit, Umweltkatastrophen. Sie gilt als eine, die vor allem Wert auf ein gutes Einkommen und einen sicheren Arbeitsplatz legt.
Die Generation Y, auch Millennials genannt, wurde zwischen 1980 und 1995 geboren. Sie sind die erste Jahrgangskohorte, die als Digital Natives gelten.
Sie treten seit einigen Jahren in den Arbeitsmarkt ein: die Generation Z, geboren von 1996 bis 2010. Sie sind von klein auf mit dem Internet aufgewachsen, digitale Medien haben ihr Leben von Beginn an geprägt.

Du hast einen sehr vollen Terminkalender. Wie sieht dann deine Morgenroutine aus?
Etwas anders als zu Beginn. Früher habe ich noch in meiner WG gefrühstückt, mittlerweile mache ich das im Büro. Also stehe ich auf, dusche mich und mach mich fertig. Dann geht es Richtung Bundestag und ich esse etwas im Büro oder es geht direkt zu den ersten Terminen.

Also denkst du nicht, dass du um vier Uhr aufstehen musst, um richtig produktiv zu sein, wie es manche Top-Manager machen?
Um vier Uhr kann ich gar nicht aufstehen. Ich merke schon, dass ich in den Sitzungswochen meistens weniger als sechs Stunden schlafe. Dann bin ich auch freitags echt fertig und ich brauche am letzten Abend immer etwas mehr Schlaf. Ich versuche also schon meine Energie einzuteilen. Ich könnte abends auf drei, vier Veranstaltungen gehen. Aber mittlerweile versuche ich mich auf Themen zu beschränken, die wichtig für mich sind. Darauf achtet dann auch mein Team.

Der Generation Z wird häufig vorgeworfen faul zu sein. Hast du deshalb von anderen Abgeordneten deshalb auch schon mal die Vorwürfe gehört?
Nein, bei mir findet sich gerade noch alles. In Berlin ist mein Kalender sehr voll, aber als Abgeordnete bin ich schon frei in meinen Entscheidungen. Ich merke schon, wie viel andere Abgeordnete hier in Berlin leisten. Ich versuche aber trotzdem eine gute Balance zu finden, um nicht krank zu werden oder unter zu großem Stress zu leiden. Das ist für mich wichtig, um eine gute Arbeit zu leisten.

Ist es für dich noch schwieriger eine Balance zu finden, weil du nebenbei noch studierst?
Das Studium macht mir großen Spaß und es passt teilweise auch echt gut zu den Diskussionen im Bundestag. Letztens ging es um die Jugendpartizipation und ich hatte in der Woche zuvor ein Seminar zu dem Thema. Ich kann manchmal auch Gelerntes direkt in die Praxis umsetzen. Das ist echt cool. Ich nutze also mein Uni-Wissen für die Arbeit und die Bahnfahrten, um für die Uni zu lernen.

Würdest du dich heute gegen das Studium entscheiden?
Nein, auf gar keinen Fall. Es ist für mich wichtig, einen Abschluss zu haben. Ich weiß nicht, was nach den zweieinhalb Jahren hier ist. Es war nicht fest geplant, in den Bundestag einzuziehen. Deshalb bin ich auch froh, wenn ich meinen Bachelorabschluss habe.

Wenn du dir drei Dinge wünschen kannst, was wäre das?
Wenn ich mir etwas Großes wünschen darf, würde ich mir guten Klimaschutz wünschen, der dem globalen Süden etwas bringt und unserer Verantwortung gerecht wird. Außerdem wünsche ich mir mehr Frieden auf der Welt, weil es auch ein sehr großes Thema in der Jugend ist. Und als Drittes wünsche ich mir zweieinhalb sehr erfolgreiche Jahre im Bundestag.

Was verstehst du unter gutem Klimaschutz?
Dazu gibt es viel zu sagen. Ich merke immer stärker, wie verschieden die Bedürfnisse sind. Am Ende müssen wir schauen, dass wir das Klima so schützen, dass wir nicht mit 80 so heiße Sommertage haben, dass wir daran sterben. Aber wir müssen für einen guten Klimaschutz alle Menschen mitnehmen und auch entlasten. Es ist ein sehr kompliziertes Thema. Und einen richtigen Weg zu finden, wird sehr schwierig.

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