Umweltfreundlich investieren: Gutes tun mit sauberer Rendite
Jute statt Plastik: Nicht alle Geldanlagen mit dem Etikett Nachhaltigkeit sind so ökologisch und ethisch unbedenklich, wie Anleger auf den ersten Blick vermuten
Foto: imago / steinach, dpa, Montage, rtr
Großbanken wie die Deutsche Bank oder ihre amerikanischen Wettbewerber wie JPMorgan machen auch fünf Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise Schlagzeilen mit ihren unsauberen Geschäftsmethoden. Sie sehen sich mit hohen Bußgeldern, Schadenersatzprozessen und Anfeindungen wegen ihrer Spekulationen am Markt für Lebensmittelrohstoffe konfrontiert. Jetzt haut auch noch Papst Franziskus in die gleiche Kerbe: Der Kapitalismus sei in seiner Wurzel ungerecht, äußerte sich das Oberhaupt der katholischen Kirche in einem Lehrschreiben. Das mag vielen ökonomisch geschulten Menschen vielleicht zu weit gehen, dürfte aber durchaus die Stimmungslage in weiten Teilen der Bevölkerung treffen. Vor allem jener, die nach den Erfahrungen mit dem „Raubtierkapitalismus“ alternative Wege der Geldanlage suchen, die nachhaltigen und ethisch vertretbar sind. Nachhaltige Geldanlagen rücken seit Jahren zunehmend in den Fokus der Anleger und Sparer.
Wie ökologisch, sozial und transparent handeln Unternehmen? Dieser Frage ging ein Forschungsprojekt der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht nach. Entstanden ist daraus das Unternehmen "WeGreen". Ziel des Startups: Mit Transparenz und Dialog mehr Nachhaltigkeit bei Unternehmen und Konsumenten ermöglichen. Die Berliner bewerten Firmen auf ihre Nachhaltigkeit hin, dafür gibt es ein grünes, gelbes oder rotes Ampellicht. Das Fazit der Auswertung für die 30 deutschen Dax-Konzerne: Nur für zwei gibt "WeGreen" grünes Licht. Die Ergebnisse im Detail...
Foto: dpaInfineon
Den letzten Platz im Nachhaltigkeits-Vergleich der DAX-Konzerne belegt der Halbleiterhersteller Infineon. Grund dafür ist vor allem, dass das Unternehmen auf die Veröffentlichung eines Nachhaltigkeitsberichts verzichtet. Unter anderem wegen der mangelnden Transparenz gibt es deshalb nur die Note 4,7. "Schlecht" heißt damit das Ergebnis.
Der Tipp der Studienleiter: Eine verbesserte Nachhaltigkeitskommunikation wäre ratsam, um so offen und transparent mit den eigenen Herausforderungen und Problemen umzugehen.
Foto: dpaThyssenKrupp
Gleiches gilt laut WeGreen auch für Deutschlands größtes Stahl- und Technologieunternehmen. ThyssenKrupp hat zwar einen Nachhaltigkeitsbericht, aber auch dessen Qualität sei nur knapp mittelmäßig. Mit der Note 4,5 ist das Ergebnis "sehr schwach".
Foto: dapdDeutsche Bank
Die Nachhaltigkeitsbemühungen der Deutschen Bank müssen als "unzureichend eingestuft werden", so das Ergebnis der Untersuchung. Dafür gibt es für das größte deutsche Kreditinstitut nur die Note 4,2 - "schwach".
Die kritische Sichtweise von Verbrauchern auf die Reputation von Finanzinstituten und deren Investitionsverhalten im Zuge der Finanzkrise sollen bei der Bewertung eine schwerwiegende Rolle gespielt haben, so WeGreen, denn besonders bei der Deutschen Bank werden die allgemeinen Geschäftstätigkeiten und Spekulationsgeschäfte kritisiert.
Foto: dapdFresenius Medical Care und Fresenius SE & Co. KgaA
Der Gesundheitskonzern Fresenius Medical Care landet im Ranking auf Platz 26 und bekommt damit die gleiche Note, wie die Deutsche Bank: 4,2.
Der DAX-Konzern Fresenius SE & Co. KgaA bekommt gar keine Bewertung. Grund dafür: WeGreen hatte keine Angaben, die für die Studie genutzt werden konnten.
Foto: dpaRWE
Der Energieversorger RWE muss ebenfalls die Bewertung "schwach" hinnehmen. Mit der Note 4,0 liegt der Energieriese beim Thema Nachhaltigkeit im unteren Drittel der DAX-Konzerne.
Foto: dpaCommerzbank
Die Commerzbank bekommt als erste Unternehmen eine Drei - wenn auch eine ganz knappe: Mit 3,9 liegt das Geldhaus unter dem Schnitt der DAX-Konzerne. Eine schwache Leistung.
Foto: dpaDeutsche Börse und Metro
Gelb leuchtet auch die Nachhaltigkeitsampel für die Aktiengesellschaft Deutsche Börse und die Metro. Das Urteil in Schulnoten: 3,8.
Foto: REUTERSBayer und E.On
Der Bayer-Konzern und der Energiekonzern E.On erhielten beide die Note 3,6 und liegen damit im unteren Mittelfeld. Besonders nachhaltiges Wirtschaften ist bei ihnen damit eher mittelmäßig transparent . Das Ergebnis für sie: "schwach".
Foto: dpaHeidelbergCement, MAN, Beiersdorf, Allianz, Deutsche Lufthansa
Gleich fünf DAX-Konzerne bekommen die Note 3,5 und stecken damit das Mittelfeld in Sachen Nachhaltigkeit ab. Trotzdem ist es nur ein 'schwaches' Ergebnis. Die Nachhaltigkeitsampel zeigt gelb für alle fünf Unternehmen.
Lob gibt es hier aber für MAN, trotz unbefriedigendem Ergebnis, denn der Konzern nutzt den 'Nachhaltigkeitsdialog' mit WeGreen und ließ sich ein Nachhaltigkeits-Unternehmensprofil erstellen - für die Studienleiter ein Schritt nach vorne.
Foto: dpaLinde
Der Gasspezialist entspricht dem DAX-Durchschnitt. Mit einer 3,4 landet er in der Mitte des Rankings. Vor diesem Hintergrund sei diese durchschnittliche Nachhaltigkeitsbewertung "schon enttäuschend", so WeGreen-Geschäftsführer Maurice Stanszus.
Foto: dapdDeutsche Telekom, Munich Re, Daimler
Telekommunikationsriese, Versicherer, Autobauer: Bei diesen drei DAX-Konzernen schaltet die Nachhaltigkeits-Ampel ebenfalls auf Gelb. Die Schulnote: 3,2. Besser als der Durchschnitt, aber immer noch ein "schwaches" Ergebnis.
Foto: dpaMerck
Der deutsche Chemiekonzerns schafft eine 3,1 und damit eine Position im oberen Drittel des Rankings. Insgesamt landet Merck damit auf Platz zehn. Zwar gibt es immer noch das Urteil "schwach", aber Merck schneidet damit besser ab als ein Großteil der DAX-Konzerne.
Foto: dpaBASF
"Befriedigend" wäre das Ergebnis von BASF von der Schulnote übersetzt. 3,0 heißt aber im Nachhaltigkeits-Vergleich weiterhin Ampel auf gelb und Bewertung "schwach". Damit hat auch das weltweit führende Chemieunternehmen durchaus Nachholbedarf in Sachen "Green Thinking".
Foto: dpaDeutsche Post, Siemens, Adidas
Gerade so haben sich, diese drei Konzerne über die Schulnote drei gerettet. Die Deutsche Post, Siemens und Adidas müssen zwar immer noch mit einem "schwachen" Urteil und der Farbe Gelb leben, bekommen aber immerhin eine 2,9.
WeGreen lobt bei Adidas: Genau wie MAN arbeitet der Sportartikelhersteller im "Nachhaltigkeitsdialog" mit dem "grünen" Unternehmen bereits zusammen, um transparenter zu werden und seine Werte zu verbessern.
K+S und Volkswagen
Die Gesamtnote 2,7 gibt es bei der Nachhaltigkeits-Analyse für den Autohersteller Volkswagen und das Bergbauunternehmen K+S. Dafür gibt es Platz vier und fünf. Beide Konzerne müssen sich nur noch wenig steigern, um ihre Ampel auf grün schalten zu sehen.
Foto: dpaBMW
Der dritte Platz geht an den bayerischen Premiumautobauer. Unter den Konzernen mit einer gelben Ampel ist BMW die Nummer eins und liegt nur kurz unter der Bewertung "gut". In Sachen Nachhaltigkeit ist es damit der bestplatzierte Autobauer. Nur zwei Unternehmen schneiden noch besser ab.
Foto: REUTERSHenkel
Der Konsumgüterhersteller aus Düsseldorf kann sich freuen: WeGreen gibt ihm "grünes Licht" für die Nachhaltigkeits-Arbeit. Ein "aber" ist jedoch ganz deutlich zu erkennen: Die Note heißt nämlich 2,5 und bedeutet "noch gut". Also ist auch hier noch Verbesserungsbedarf. Ebenso wie bei...
Foto: dpaSAP
Der Softwarehersteller aus Baden-Württemberg bekommt die gleiche Note und führt damit gemeinsam mit Henkel die Nachhaltigkeits-Liste der DAX-Konzerne an.
Das Fazit der Nachhaltigkeits-Tester: "Von 29 bewerteten Unternehmen weisen 25 eine gelbe Ampel auf. Daraus lässt sich folgern, dass die Thematik zwar bei den größten und wichtigsten deutschen Unternehmen angekommen ist, es sich aber bei keinem von ihnen um Spitzenperformer handelt."
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Doch wer dahinter einen boomenden Investmentmarkt vermutet, übersieht die Schattenseiten: Die nachhaltigen Geldanlagen haben seit Ausbruch der Finanzkrise starken Zulauf erfahren und die Anlagevolumina legen auch weiterhin zu. Doch der Zustrom an frischem Anlagekapital hält sich sehr in Grenzen. Die Nettozuflüsse nehmen laut Jörg Weber kaum noch zu. Weber ist Chefredakteur des auf nachhaltige Anlage spezialisierten Online-Magazins ECOreporter und mit der Schwestergesellschaft ECOeffekt zugleich Veranstalter der Messe für nachhaltige Geldanlage „Grünes Geld“. „In den zugelassenen Nachhaltigkeitsfonds stecken etwa 30 Milliarden Euro. Dass das Anlagevolumen wächst, liegt vor allem an den gestiegenen Börsenkursen“, kommentiert Weber Meldungen, nach denen die investierte Summe pro Jahr um zehn Prozent und mehr wächst. „Dennoch ist aus unserer Sicht der Markt noch längst nicht gesättigt. Vielmehr haben wir den Eindruck, dass die Anleger gerne in grüne Geldanlagen investieren würden, wenn ausreichend geeignete Produkte auf dem Markt wären.“
Mit gutem Gewissen investieren
Studien haben mittlerweile belegt, dass nachhaltiges Wirtschaften nicht nur etwas für Idealisten ist. Sowohl den Unternehmen und ihren Mitarbeitern geht es dank ökologischer und ethischer Prinzipien dauerhaft besser, als auch den Anlegern, die ihr gutes Gewissen nicht per se mit einem Renditeverzicht bezahlen müssen. Generell, so Weber, könnten die guten grünen Geldanlagen ohne weiteres bei den Renditen mit klassischen Anlageprodukten mithalten. „Oft sind die Versprechen der Anbieter sogar zurückhaltender als bei konventionellen Anbietern. Dafür halten sie ihre Versprechen öfter“, ist Weber überzeugt. Studien haben das bestätigt.
Solarworld
Der Bonner Solarmodulhersteller kommt nach seinem scharfen Kapital- und Schuldenschnitt vom Frühjahr nur langsam wieder in Tritt. Die konzernweite Absatzmenge sei im ersten Halbjahr nach vorläufigen Zahlen zwar um mehr als die Hälfte auf 357 Megawatt gestiegen, teilte Solarworld mit. Hierzu habe aber vor allem das Auslandsgeschäft beigetragen. In Deutschland sei der Markt weiter schwach. Das Umsatzziel für 2014 von mehr als 680 Millionen Euro werde deshalb wahrscheinlich nicht erreicht. In den ersten sechs Monaten wuchs der Konzernumsatz um 13 Prozent auf 228 Millionen Euro, blieb dabei aber leicht unter den Erwartungen des Unternehmens. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie bereinigt um Sondereffekte des internen Umbaus kam Solarworld auf einen leichten Gewinn von einer Million Euro (Vorjahreshalbjahr: -37 Millionen Euro). Ein insgesamt positives operatives Ergebnis erwartet das Unternehmen weiterhin für 2015.
Mit der Restrukturierung hatte Solarworld seinen Schuldenberg um mehr als die Hälfte auf 427 Millionen Euro verringert. Dabei mussten Aktionäre und Gläubiger hohe Verluste hinnehmen. Erst vor kurzem hatte sich der Konzern mit einem wichtigen Rohstoff-Lieferanten auf neue Verträge geeinigt - musste im Gegenzug aber viel Geld in den Wind schreiben.
Foto: dpaNordex
Der Windkraftanlagenbauer Nordex will seine Geschäfte in Südamerika ausbauen. Schon heute verkaufe Nordex vor allem in Uruguay mit einigem Erfolg, sagte Vorstandschef Jürgen Zeschky. Auch in Chile werde Nordex aktiv sein. „Diese Länder haben einen ungestillten Hunger nach Energie und zahlen für Strom aus heimischen Kraftwerken gutes Geld.“ In den USA habe sich Nordex dagegen bescheidene Ziele gesteckt. „Ich würde nicht so weit gehen, diese Strategie "Rosinen picken" zu nennen, aber dem härtesten Wettbewerb gehen wir so aus dem Weg“, sagte Zeschky. Der Umsatzanteil Amerikas liege bei 18 Prozent.
Nach einem guten ersten Quartal hatte Nordex seine Prognose für 2014 zuletzt angehoben. Erwartet werden nun ein Auftragseingang von 1,5 bis 1,7 Milliarden Euro und ein Umsatz von 1,5 bis 1,6 Milliarden Euro. Die Ebit-Marge für 2014 - also das Verhältnis von operativem Ergebnis und Umsatz - wird laut Zeschky 4 bis 5 Prozent betragen.
Nordex werde sein Werk in Rostock für rund 25 Millionen Euro ausbauen, kündigte Zeschky an. Dort sind etwa 1400 Mitarbeiter beschäftigt. Insgesamt wolle Nordex bis 2016 rund 50 Millionen Euro in seine Kerntechnologie „Rotorblatt“ investieren. Hintergrund sind die größeren Dimensionen der Rotorblätter und zugehörigen Werkzeuge, die den Umbau der bestehenden Produktionshallen notwendig machen.
Foto: dpaSolarworld
Die Sanierung ist planmäßig abgeschlossen, die Verluste sind eingedämmt (auf 427 Mio. Euro) - jetzt müssen nur noch die Umsätze wieder fließen. Der Photovoltaikkonzern Solarworld sieht sich nach dem drastischen Kapital- und Schuldenschnitt wieder gut aufgestellt. „Wir kommen nicht nur in ruhigeres Fahrwasser, wir nehmen auch massiv Fahrt auf“, sagte Konzernchef Frank Asbeck im Mai bei der Hauptversammlung des Unternehmens in Bonn.
Solarworld profitiere von dem Einstieg des Emirats Katar sowie von der Übernahme von Fertigungskapazitäten von Bosch in Thüringen. Der Unternehmenschef geht von einem Wachstum des globalen Photovoltaikmarktes aus, mit einem Schwerpunkt in Asien und in den USA. Allein im ersten Quartal seien in den USA fast so viele Neuanlagen installiert worden wie in dem rückläufigen Markt Deutschland für das ganze Jahr 2014 erwartet wird.
Foto: dpaSMA Solar
Schlechter Start ins Jahr 2014: Im ersten Quartal stand beim operativen Ergebnis des Solar-Technikherstellers ein Minus von 22 Millionen Euro in den Büchern - nach einem Verlust von 8 Millionen Euro Anfang 2013. Zudem brach der Umsatz deutlich ein. Grund dafür seien zum einen Unsicherheiten in Europa wegen der Ukraine-Krise, aber auch Projektverschiebungen in Nordamerika und Währungsturbulenzen in Indien, heißt es offiziell von SMA Solar. Auf der Hauptversammlung 2014 wurde beschlossen, für das Geschäftsjahr 2013 keine Dividende auszuschütten.
Große Probleme hat das Unternehmen aber schon länger. Der Weltmarktführer bei Photovoltaik-Wechselrichtern hatte 2013 einen Verlust von rund 67 Millionen Euro eingefahren - nach einem Gewinn von 75,1 Millionen Euro 2012. Mit weiteren Sparmaßnahmen will SMA Solar nun wieder in die Gewinnzone zurückkommen. Schon im Jahr 2013 hat der Wechselrichter-Hersteller seine Kosten um 180 bis 200 Millionen Euro gesenkt. Zudem will das Unternehmen in Zukunft neue Märkte erschließen und neue Produkte einführen. „Im besten Fall“, so Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon, soll 2014 ein Ergebnisplus von 20 Millionen Euro erreicht werden. Ende Mai gab SMA Solar bekannt, das Solar-Wechselrichter-Geschäft vom Mitbewerber Danfoss komplett zu kaufen und eine strategische Partnerschaft anzustreben.
Sunways
Beim Fotovoltaik-Unternehmen aus Konstanz läuft seit Ende April das offizielle Insolvenzverfahren. Der Insolvenzverwalter hat damit begonnen, den Konzern zu zerschlagen. Als ersten Schritt zur Liquidierung beantragte Sunways am 19. Mai den Widerruf der Börsenzulassung an der Frankfurter Wertpapierbörse beantragt. Gleichzeitig trat der Vorstandsvorsitzende Hoong Khoeng Cheong zurück.
Das Geschäft mit Wechselrichtern und gebäudeintegrierter Photovoltaik hat bereits der chinesische Solarkonzern Shunfeng übernommen. 40 Mitarbeiter können deshalb ihren Arbeitsplatz behalten. Alle anderen hätten ihre Kündigung bereits erhalten, teilte ein Sprecher mit. Ende 2012 waren bei Sunways noch 265 Menschen beschäftigt. Die Aktionäre müssen davon ausgehen, bei der Insolvenz komplett leer auszugehen.
Sunways schrieb seit Jahren rote Zahlen und wies hohe Verluste aus. Wie im Mai bekannt wurde, waren die Geschäfte des Unternehmens schon mehrere Monate vor der Zahlungsunfähigkeit fast völlig zum Erliegen gekommen. Bereits 2013 befand sich das Unternehmen einmal in einem vorläufigen Insolvenzverfahren, nachdem mehrere Banken dem Unternehmen Kredite in Millionenhöhe gekündigt hatten. Durch eine Vergleichsvereinbarung wurde das eigentliche Insolvenzverfahren damals jedoch abgewendet.
S.A.G. Solarstrom AG
Die Solarkrise hat den Anlagenbauer in die Knie gezwungen. Das Unternehmen stellte am 13. Dezember 2013 einen Insolvenzantrag. Die Solarstrom AG kann nach Ansicht des Insolvenzverwalters aber gerettet werden. Mit einer Zerschlagung des Solarunternehmens sei derzeit nicht zu rechnen, teilte eine Firmensprecherin am 16. Mai am Rande einer Gläubigerversammlung mit. Die Sanierung und die Suche nach Investoren laufe positiv und werde fortgeführt, sagte Insolvenzverwalter Jörg Nerlich. Einzelheiten hierzu nannte er nicht. Nerlich erwartet den Angaben zufolge eine Insolvenzquote von rund 50 Prozent. Ob Aktionäre Geld zurück erhalten können, sei aber weiter offen.
Das Freiburger Unternehmen mit heute rund 170 Mitarbeitern zählt zu den Pionieren der Solarbranche. Es war 1999 eine der ersten börsennotierten Solarfirmen in Deutschland.
Foto: dpaProkon
Der Windkraftanlagen-Finanzierer hat im Januar beim Amtsgericht Itzehoe Insolvenz angemeldet. Das Verfahren wurde Anfang Mai eröffnet. Die Zukunft für die insgesamt rund 1300 Beschäftigten ist ungewiss. Gut 75.000 Anleger hatten dem Unternehmen über Genussrechte rund 1,4 Milliarden Euro anvertraut. Sie müssen sich auf schmerzvolle Verluste einstellen. Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin schätzt, dass sie zwischen 40 und 70 Prozent ihres investierten Kapitals verlieren werden. Das Geschäftsmodell des von Carsten Rodbertus 1995 gegründeten Windparkbetreibers stand seit langem in der Kritik.
Foto: dpaMeyer Burger
Beim Schweizer Maschinenhersteller stieg der Verlust 2013 um knapp 50 Prozent auf 163 Millionen Franken - trotz Kostensenkungen um rund 100 Millionen Franken. Der Umsatz sank um zwei Drittel auf 203 Millionen Franken. Allerdings freuen sich die Schweizer über die gute Auftragslage: Insgesamt stieg der Eingang um 29 Prozent auf 288 Millionen Franken. In den ersten beiden Monaten 2014 holte Meyer Burger Aufträge über 42 Millionen Franken herein. Im Laufe des Jahres rechnet die Firma mit zusätzlichen Aufträgen für Modernisierung und den Ausbau von Produktionskapazitäten bei Kunden. Bereits 2013 habe sich die Kapazitätsauslastung bei großen Solarzellen-Herstellern wieder deutlich verbessert. Zudem bestehe eine gute Pipeline an langfristigen Großprojekten in neuen Märkten, "von denen das eine oder andere Projekt zu einem Vertragsabschluss gelangen kann". Kurzfristig will die Firma durch die Platzierung von 4,8 Millionen Aktien zu neuem Geld kommen.
Foto: ScreenshotSolarwatt
Solarwatt-Chef Detlef Neuhaus schimpft über die Pläne zur Reform des EEG: "Wenn Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel seine Pläne eins zu eins umsetzt, wird der Markt für Eigenstrom-Verbrauch zerstört." Gabriel will auch Besitzer von Solaranlagen, die ihren Strom hauptsächlich selbst verbrauchen, an der EEG-Umlage beteiligen. Bisher waren sie von der Abgabe für erneuerbare Energien befreit. Solarwatt hatte sich nach der Fast-Pleite strategisch neu ausgerichtet. Statt der Produktion von Modulen stehen nun Systeme im Fokus, mit denen Hausbesitzer ihren Energiebedarf durch selbsterzeugten Strom decken können - an der Ausrichtung soll sich nichts ändern. Der mittelständische Hersteller von kristallinen Solarmodulen hat 2012 den Sprung aus der Insolvenz heraus geschafft, doch rund läuft es noch nicht. Die Zahl der Mitarbeiter soll in den kommenden Monaten auf deutlich unter 200 sinken. Nach der Insolvenz hatten bereits knapp hundert der 435 Mitarbeiter gehen müssen. Der Umsatz werde 2013 bei nur 60 bis 70 Millionen Euro liegen, gut 20 Millionen weniger als noch im Frühjahr angenommen. Ein "schwarze Null" werde man erst 2014 erreichen - ein Jahr später als geplant. BMW-Erbe Stefan Quandt ist mit einem Anteil von 90 Prozent Ankeraktionär der Dresdener.
Foto: dpaSolon
Paukenschlag beim Solarmodul-Hersteller Solon: Der indisch-arabische Investor Microsol macht die Zentrale der Solarfirma in Berlin zum 30. April dicht. Der Sitz wechselt in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Dort wird schon der Großteil der Module gefertigt. Damit verlieren am Standort Adlershof 230 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Standortleiter Lars Podlowski sicherte ihnen eine geordnete Schließung zu. „Kein Mensch soll auch nur einen Euro verlieren“, sagt er in einer Pressekonferenz am 7. März. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat sollten am gleichen Tag beginnen, eine Transfergesellschaft schloss Podlowski aus.
Nach der Insolvenz von Solon war Microsol im März 2012 eingestiegen. Erklärte Absicht war es damals, in Berlin weiter Module für den deutschen und europäischen Markt zu bauen. Offenkundig waren aber die Produktionskosten in Deutschland angesichts des hart umkämpften Weltmarkts für Solarzellen zu hoch.
Foto: dpa/dpawebCentrosolar
Für die Aktionäre der insolventen Solarfirma sieht es düster aus. Da kein Eigenkapital mehr vorhanden ist, steht ihnen auch nichts mehr zu, wie Centrosolar am 28. Februar 2014 mitteilte. Für die Gläubiger der 50-Millionen-Euro-Anleihe sieht der vom Gläubigerausschuss genehmigte Insolvenzplan dagegen vor, sie über einen Tausch ihrer Ansprüche in Aktien zumindest teilweise zu entschädigen. Für nominal je 1000 Euro Anleihe sollen sie acht junge Aktien erhalten. Zudem sollen ihnen wie auch den Finanzgläubigern und Mitarbeitern bei der geplanten Barkapitalerhöhung Aktien zum Bezug angeboten werden. Die Anleihegläubiger müssen dem Insolvenzplan auf der Versammlung am 18. März zustimmen.
Gläubiger und Aktionäre hatten im Frühjahr 2013 einem Kapital- und Schuldenschnitt zugestimmt. Mehr als 250 Stellen und damit ein Viertel der Arbeitsplätze wurden gestrichen. Das reichte jedoch nicht aus, um die ehemalige Tochter des Klimatechnik-Spezialisten Centrotec auf gesunde Füße zu stellen. Der mit 100 Millionen Euro verschuldete Solaranlagenbauer musste im Herbst unter den Schutzschirm flüchten. Betroffen sind die Holding, die AG und die Centrosolar Sonnenstromfabrik. Nicht betroffen sind dagegen die Töchter Renusol und die Grundstücksverwaltung GmbH, die beide verkauft werden sollen. Allein das US-Geschäft soll übrig bleiben. Dieser Markt verspreche Wachstum, ist sich das Management sicher.
Windwärts
Nach dem Windenergie-Unternehmen Prokon hat auch nun auch ein niedersächsischer Windkraft-Projektierer Insolvenz angemeldet. Windwärts sammelte ebenso wie Prokon bei Privatpersonen Geld für den Bau von Windanlagen ein, allerdings in deutlich kleineren Dimensionen. Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Volker Römermann haben rund 1600 Inhaber von Genussrechten etwa 18,9 Millionen Euro investiert. Römermann sagte, er sei aber vorsichtig optimistisch, was die Zukunft des Unternehmens mit rund 100 Mitarbeitern angehe. Grund für den Insolvenzantrag sind nach Angaben von Römermann Verzögerungen bei diversen Projekten, die eigentlich im vergangenen Jahr abgeschlossen werden sollten. So hätten Naturschützer in der Nähe einer geplanten Anlage das Nest eines Roten Milans entdeckt, dadurch habe es monatelange Verzögerungen gegeben. In einem anderen Fall sei eine Anlage unter einer Überflugstrecke der Bundeswehr geplant gewesen, die aber aus Gründen der militärischen Geheimhaltung in keiner Karte verzeichnet gewesen sei.
Foto: dpaBoschs Solarsparte Aleo Solar
Eine Investorengruppe aus Asien kauft Großteile des Solarmodulherstellers. Für die meisten Beschäftigten ist das eine schlechte Nachricht: Nur 200 der zuletzt rund 730 Mitarbeiter haben eine Zukunft bei Aleo. Der seit 2009 mehrheitlich zur Bosch-Gruppe zählende Solarspezialist zieht mit dem Verkauf einen Schlussstrich unter monatelange Negativnachrichten: Das Unternehmen hatte zuletzt hohe Verluste eingefahren und war von der Insolvenz bedroht. Die Aktionäre sollen auf einer außerordentlichen Hauptversammlung den Weg für die Pläne freimachen, einen Termin für das Treffen gibt es noch nicht. Außerdem steht der Deal noch unter dem Vorbehalt einer Zustimmung der Wettbewerbshüter.
Das Käuferkonsortium stammt aus der Solarbranche und sitzt in Taiwan, Japan und Hong Kong. Die neuen Besitzer wollen den Kauf über eine GmbH mit Sitz in Hamburg abwickeln, die sie als Investoren mit 13,5 Millionen Euro Eigenkapital ausstatten. Aleo muss für den Kauf drauflegen: Den Angaben zufolge fließt für die Produktionsstätte in Prenzlau inklusive Anlagevermögen, Vorräten, gewerblichen Schutzrechten und Anteilen an einem Tochterunternehmen nur ein symbolischer Euro. Aleo dagegen überweist zehn Millionen Euro an die neuen Besitzer. Der Noch-Mehrheitsaktionär Bosch stützt Aleo zum Abschluss mit 31 Millionen Euro. Der unverkaufte Rest des Unternehmens soll aufgelöst werden.
Conergy
Die neuen Eigentümer Kawa Solar Holdings rechnet bereits in diesem Jahr wieder mit einem Gewinn bei Conergy. Kawa hatte Conergy mit deren globalen Service-Vertriebsaktivitäten im Oktober 2013 übernommen. Seither sind die Conergy Deutschland GmbH und die Conergy Services GmbH - ebenso wie die Einheiten in Großbritannien, Italien und Australien - Teil des US-Konzerns. 350 Arbeitsplätze sollten gesichert werden. Conergy hatte am 5. Juli 2013 Insolvenz angemeldet. Kawa sitzt in Florida und verwaltet ein Volumen von 500 Millionen US-Dollar und will unter anderem in Solarprojekte investieren. An den Töchtern Mounting Systems und der SolarModule GmbH hatte Kawa kein Interesse.
2012 erwirtschaftete Conergy bei 473,5 Millionen Euro Umsatz einen operativen Verlust von 83 Millionen Euro. Der Preisverfall und der teure Ausstieg aus einem Liefervertrag mit der US-Waferproduzenten MEMC hatten dem Konzern die Bilanz verhagelt. Am 10.12.2013 ging Conergy von der Börse.
IBC Solar
Einer der größten deutschen Händler von Solaranlagen muss erstmals selbst Personal abbauen. 83 der 286 Mitarbeiter des Solarpioniers aus dem fränkischen Bad Staffelstein müssen gehen. Sie werden von einer Transfergesellschaft aufgenommen. Weltweit beschäftigt der Mittelständler 400 Mitarbeiter. 2011 macht IBC noch einen Umsatz von rund 810 Milliarden Euro, 2012 waren es nur noch 580 Millionen, 2013 brach das Geschäft auf 300 Millionen ein. Obwohl es im Jahr 2013 gelungen war, den Marktanteil in Deutschland von sieben auf elf Prozent zu steigern, hat das Unternehmen das Jahr zum ersten Mal in der Unternehmensgschichte mit einem operativen Verlust abgeschlossen. Mit einer Eigenkapitalquote von rund 80 Prozent ist IBC für den Umbau aus eigener Kraft aber gut gerüstet. Nächstes Jahr will Chef Udo Mörstedt wieder profitabel wirtschaften. Dazu will er das Geschäft im privaten und gewerblichen Eigenverbrauch ankurbeln und stärker internationalisieren. Die Entwicklung und Vermarktung von solaren Großprojekten will Möhrstedt beispielsweise in Japan und Chile ausbauen und die Kernkompetenz in Eigenverbrauchs- und Speichersystemen in internationale Märkte übertragen. Der Auslandsanteil am Umsatz soll bis 2016 auf 45 Prozent steigen.
Foto: ScreenshotBosch
Damit hat die Krise der Solarbranche Bosch bisher einen Verlust von 3,7 Milliarden Euro eingebrockt. Im vergangenen Jahr seien nochmals 1,3 Milliarden Euro an Belastungen durch die defizitäre Photovoltaik angefallen. Von 2008 bis 2012 hatte Bosch bereits 2,4 Milliarden Euro verbrannt. Die starke Konkurrenz aus China und Überkapazitäten hatten die Preise für Solartechnik in Deutschland rapide sinken lassen und etliche Unternehmen in die Pleite getrieben.
Die Stuttgarter hatten im Frühjahr 2013 den Ausstieg aus der Photovoltaik beschlossen und im Herbst den Verkauf der Solarmodulfertigung in Arnstadt an Solarworld angekündigt...
Bosch Solar Engery - Solarworld
Solarworld ist neuer Besitzer des Thüringer Solarwerk des Industriekonzerns Bosch. Im März 2014 soll die Produktion anlaufen. Das Bonner Unternehmen von Frank Asbeck steckt selbst mitten in der Sanierung. Solarworld übernehme am Standort Arnstadt eine Zellfertigung mit einer Produktionskapazität von 700 Megawatt (MW) und eine Modulfertigung mit 200 MW sowie insgesamt 800 der 1600 Mitarbeiter. Zum Kaufpreis machte Solarworld keine Angaben, erklärte aber, der Kauf werde die Finanzmittel nicht reduzieren. Insider hatten berichtet, Asbeck erhalte sogar eine Art Mitgift von bis zu 130 Millionen Euro von Bosch.
Bosch-Chef Volkmar Denner hatte die unter Bosch Solar Energy firmierende Sparte mit 3000 Mitarbeitern im Frühjahr 2013 auf die Verkaufsliste gesetzt. Bosch hatte 530 Millionen Euro in den Standort investiert.
Windpark-Entwickler Windreich saniert sich nicht mehr in Eigenregie. Jetzt geht das Unternehmen in eine geregelte Insolvenz. Das Unternehmen hatte am 9. September 2013 Insolvenz angemeldet. Gründer und Firmenchef Willi Balz (Foto) legte die Geschäftsführung nieder. Sein Nachfolger Werner Heer, zuvor Berater der Gesellschaft, verliert nun seinen operativen Einfluss, die Geschäfte führt ab der Eröffnung des Verfahrens Sachwalter Holger Blümle. Windreichs prekäre finanzielle Lage beschäftigt bereits die Behörden. Im März hatte das Unternehmen Zinsen für Anleihen verspätet überwiesen, weil das Geld kurzzeitig knapp war. Kurz darauf ermittelte die Staatsanwaltschaft Stuttgart wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung und Bilanzmanipulation - unter anderem gegen Balz. Der hatte die Ermittlungen bestätigt, die Vorwürfe aber zurückgewiesen.
Windreichs Geschäftsmodell ist hoch kompliziert und nicht ohne Risiken. Die Firma plant als Projektentwickler On- und Offshore-Windparks und schließt Verträge mit Bauunternehmen, noch bevor Anteile an den Projekten in Einzelteilen an Investoren und Energieversorger verkauft werden. Mehr über die Windreich-Pleite lesen Sie hier: Balz-Nachfolger muss retten, was zu retten ist.
Bard
Der angeschlagene Offshore-Pionier stellt den Betrieb ein. Wegen fehlender Aufträge will die Unternehmensgruppe im Januar 250 Beschäftigten kündigen. Weitere 300 Mitarbeiter sollen von der neuen Gesellschaft Offshore Wind Solutions (OWS) im ostfriesischen Emden übernommen werden, wie Bard am 20. November mitteilte. Die Neugründung OWS solle Betrieb und Service des größten deutschen Offshore-Windparks Bard Offshore 1 (hier im Bild) sowie Schiffe und Gebäude der Bard-Gruppe übernehmen. Das Projekt mit 80 Anlagen rund 100 Kilometer nördlich von Borkum war Ende August eröffnet worden. Die Leistung von 400 Megawatt entspricht rechnerisch dem Jahresstrombedarf von mehr als 400.000 Haushalten. Mit weit über zwei Milliarden Euro Investitionskosten wurde er jedoch deutlich teurer als geplant. Bard hatte zudem mit technischen Schwierigkeiten beim Bau und mit schlechtem Wetter zu kämpfen. Die Eröffnung wurde um mehrere Jahre verschoben.
Zuletzt hatte das Unternehmen gut 800 Millionen Euro Schulden in der Bilanz. Die Suche nach Investoren blieb erfolglos. Mit dem Stocken der Energiewende hatte Bard wegen fehlender Anschlussaufträge bereits im Sommer 2012 Teilverkäufe von Unternehmensteilen angekündigt. Danach wurde die Rotorblattfertigung eingestellt. Im Juni kam dort auch die Herstellung von Maschinenhäusern für Offshore-Windkraftanlagen zum Erliegen. In Cuxhaven wurde zudem die Produktion von Stahlkonstruktionen für Offshore-Windparks geschlossen.
Vestas
Nach harter Sanierung und mehreren Gewinnwarnungen peilt Vestas eine höhere Rentabilität für das Gesamtjahr an. Zuversicht versprühte, dass sich der Betriebsgewinn (Ebit) im dritten Quartal auf 67 Millionen Euro mehr als verfünffachte. Wegen neuerlicher Abschreibungen bleibt im dritten Quartal aber ein Minus von 87 Millionen Euro. Der seit Ende August 2013 amtierende Chef Anders Runevad wertet die Zahlen als gute Grundlage für die Trendwende. Der Auftragseingang habe sich auf fast 1,5 Milliarden Euro vervierfacht. Der Umsatz sank im letzten Quartal allerdings um 27 Prozent, Vestas bekommt die sinkenden Einspeisevergütungen zu spüren. Die Umsatzprognose für 2013 bleibt bei 5,5 Milliarden Euro. Seit Ende 2011 fielen beim Windradbauer fast 5500 Jobs weg. Bis Ende 2013 will Runevad maximal noch 16.000 Mitarbeiter beschäftigen.
Suntech
Lichtblick für den angeschlagenen chinesischen Solarmodul-Hersteller Suntech Power Holdings: Eine Investmentfirma der Heimatprovinz hat eine Finanzspritze von umgerechnet knapp 110 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Es gebe eine entsprechende Absichtserklärung von Wuxi Guolian Development.
Suntech, einst größter Solarmodul-Hersteller der Welt, hatte im März 2013 Konkurs angemeldet. Die chinesischen Hersteller, die die meisten ihrer Produkte exportieren, leiden unter den höheren Importzöllen der USA und der EU. Diese waren erhöht worden, weil China seine Produktion subventioniert haben soll. Diese Subventionen hatten die Expansion der Branche in den vergangenen zehn Jahren unterstützt und Hunderte kleiner Unternehmen entstehen lassen, die den Markt überschwemmten und die Preise drückten.
Wirsol-Gruppe
Der baden-württembergische Projektierer Wirsol hat am 24. Oktober in Karlsruhe einen Insolvenzantrag erstellt. Davon betroffen sind Wirsol Solar, Wirsol Deutschland und Wirsol Solar System. Nicht betroffen sind die Windsparte, das Privatkundengeschäft und die Gesellschaft für technische Betriebsführung. Das Unternehmen, dass 2012 rund 292 Millionen Euro umsetzte und rund 17 Millionen Euro Gewinn (Ebit) machte, möchte sich mit einer Planinsolvenz retten. Eine Sanierung in Eigenregie im so genannten Schutzschirmverfahren scheiterte am Widerstand der Banken. Wirsol tut sich als Mittelständler sehr schwer den schrumpfenden Markt in Deutschland durch Aufträge im Ausland zu kompensieren. Man versuche es in Großbritannien, Japan und Brasilien, doch zur Großoffensive fehlt das nötige Kleingeld. Wirsol ist jetzt auf der Suche nach Investoren. Wie viele der 300 Arbeitspläne im Rahmen der Planinsolvenz erhalten werden können, ist noch unklar.
Foto: ScreenshotCentrotherm
Nur wenige Monate nach dem aufgehobenen Insolvenzverfahren (Juni 2013) meldet der Anlagenbauer neue Probleme. Die Geschäfte der Schwaben laufen schlechter als erwartet. Die im Insolvenzplan avisierten Ziele seien nicht zu halten, teilte die für die Solar- und Halbleiterindustrie produzierende Firma aus Blaubeuren mit. Der Plan sah einen operativen Gewinn (Ebitda) von jeweils 37 Millionen Euro für 2014 und 2015 vor und einen Überschuss von 23 Millionen Euro. Der von Marktforschungsinstituten prognostizierte "signifikante Anstieg" des globalen Solarmarktes habe sich bisher nicht eingestellt. Der Vorstand übt sich indes in Zuversicht und hofft auf eine deutliche Belebung, die eine Rückkehr in die Gewinnzone im kommenden Jahr ermöglicht.
Centrotherm flüchtete im Juli 2012 in ein Schutzschirmverfahren, das nach dem neuen Insolvenzrecht eine schnelle Sanierung in eigener Regie erlaubt und unter anderem den Tausch von Schulden in Eigenkapital. Im Zuge dessen verloren die Altaktionäre, darunter die Gründerfamilie Hartung mit ihren ehemals rund 50 Prozent, den größten Teil ihrer Anteile. Die Verwaltungsgesellschaft Sol Futura hält inzwischen 80 Prozent an Centrotherm und die Familie zehn Prozent. Die restlichen Anteile sind in Streubesitz. Im Zuge der Sanierung besann sich die Firma auf ihr ursprüngliches Geschäft und nimmt statt der Solarindustrie nun zunehmend die Halbleiterindustrie ins Visier. Ende Oktober will das Management über die Entwicklung im dritten Quartal berichten. Von ehemals 1900 Arbeitsplätzen blieben 900 übrig. Den letzte Jahresabschluss für 2011 legte Centrotherm vor einem Jahr vor. Damals machte das Unternehmen knapp 700 Millionen Euro Umsatz bei einem operativen Verlust von 20 Millionen Euro.
Das Systemhaus Donauer Solartechnik in Gilching bei München hat Insolvenz angemeldet. Wie in einer Pressemitteilung des Unternehmens zu lesen ist, gibt Donauer der Gemeinde Gilching eine Mitschuld am Scheitern der Rettungspläne. Monatelang habe man an einer Firmenfusion mit einem starken Partner gearbeitet, die Parteien waren sich bereits einig. Notwendig zur Fusion sei die Veräußerung einer Firmenimmobilie in Gilching gewesen, um die Liquidität für das laufende Geschäft zu erhalten. Dieser konnte nur mit Zustimmung der Gemeinde erfolgen. Der Gemeinderat konnte sich bis zum Stichtag jedoch zu keiner Zustimmung durchringen. Somit bleibt dem Fachgroßhändler mit seinen 90 Mitarbeitern nur der Gang in die Insolvenz. Gesellschafter Rudolf Donauer: "Eine Schadensersatzklage wird angestrebt, aber das rettet nicht mehr den Verlust von vielen Arbeitsplätzen. Mir fehlen die Worte zu einem derart unprofessionellen politischen Verhalten seitens der Gemeinde.“
Foto: ScreenshotRWE
Der Essener Energiekonzern macht bei seinen Sparanstrengungen auch bei der Ökosparte nicht halt. Wie „Der Spiegel“ berichtet will Chef Peter Terium die Konzern-Tochter Innogy massiv verkleinern. So soll Terium Investitionen in die Anlagen in Nord- und Ostsee-Windparks erheblich zurückfahren und neue Anlagen nur noch mit Partnern bauen wollen. Spezialschiffe für den Bau von Offshore-Windparks sollen den Informationen zufolge verkauft werden. Das Unternehmen wollte sich dazu bisher nicht äußern.
Der Projektierer Gehrlicher Solar AG meldet Zahlungsunfähigkeit und ist damit das erste Opfer der Antidumping-Zölle gegen chinesische Importe in Europa. Das Unternehmen hat am 5. Juli 2013 beim Amtsgericht München die Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens beantragt. Das berichtet die Nachrichtenagentur Agence France Presse.
Schuld an der Situation sind die Anti-Dumpingzölle, die die EU gegen chinesische Importeure verhängt hat. Also genau jene, die auf Druck der von Solarworld-Chef Frank Asbeck ins Leben gerufener Initiative, von der Kommission erlassen wurden, um die europäische Solarzellenindustrie zu schützen. Gehrlicher verbaute chinesische Module.
Die Hausbank hat den Darlehensvertrag nicht verlängert, weil das Unternehmen aufgrund der neuen Bedingungen die im Geschäftsplan formulierten Ziele nicht mehr erreichen könne - sprich voraussichtlich nun deutlich teurere Module einkaufen muss und damit mit weniger Gewinn rechnen kann. Gehrlicher ist seit 1994 am Markt und plant, finanziert und baut vom Hauptsitz in Deutschland aus weltweit Solaranlagen.
Foto: ScreenshotRoth & Rau
Verluste halbiert: Der Photovoltaik-Anlagenbauer aus Sachsen kündigte im Februar 2012 ein Restrukturierungsprogramm an. Mehrere Hundert Arbeitsplätze im In- und Ausland fielen weg, Tochtergesellschaften wurden verkauft. Bis zur Bekanntgabe der Sparmaßnahmen arbeiteten bei Roth & Rau knapp 1400 Menschen, zum Jahresende 2012 waren es nur noch 900. Betroffen waren die Standorte in Hohenstein-Ernstthal, wo 15 Prozent der 420 Stellen gestrichen wurden. Roth & Rau gehört seit Februar 2011 zur Schweizer Meyer Burger-Gruppe. 2012 setzen die Sachsen 154 Millionen Euro um, 2011 waren es noch 208 Millionen Euro. Die Verluste (Ebit) belaufen sich auf 40 Millionen Euro - nach 106 Millionen Euro im Jahr 2011. Die Richtung stimmt.
Foto: ZBAlfasolar
Der norddeutsche Modulhersteller hat am 24. April die vorläufige Insolvenz beantragt. Alfasolar ist seit zwanzig Jahren am Markt und beschäftigt rund100 Mitarbeiter. Die Produktionsanlage in Hannover hat eine Gesamtkapazität von 40 Megawatt - damit zählt das Unternehmen zu den kleinen Modulherstellern. Der Mittelständler kann wie viele andere Unternehmen der Branche dem Preisverfall nicht länger standhalten. Produktion und Geschäftsbetrieb laufen jedoch vorläufig weiter. Manuel Sack aus der Kanzlei Brinkmann & Partner in Hannover wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.
Foto: ScreenshotDer Ausflug in die Solarenergie-Technik kommt Siemens teuer zu stehen. Der Konzern müsse mit dem Ausstieg aus dem Geschäft erneut Belastungen von brutto mehr als 250 Millionen Euro verbuchen, berichtete die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf Siemens-Kreise. Diese würden sich aus Firmenwertabschreibungen, operativen Verlusten sowie Abschreibungen auf bereits begonnene Solaranlagen zusammensetzen. Insgesamt habe die Münchener das 2009 gestartete Experiment mit Sonnenstrom einen Betrag in der Größenordnung von 800 Millionen Euro gekostet. Siemens war am Sonntagabend auf Anfrage zunächst nicht zu erreichen.
Siemens hatte angekündigt, das Solarthermie- und Photovoltaikgeschäft zu verkaufen. Von den Plänen sind weltweit 680 Mitarbeiter betroffen. Elektrotechnische Komponenten wie Generatoren und Netztechnik soll es aber weiterhin geben. Der Konzern hatte vor allem auf Anlagen zur Stromerzeugung aus Sonnenhitze gesetzt und dafür eigens die israelische Solel für 418 Millionen Dollar gekauft. Die Strategie zahlte sich jedoch nicht aus. Solel machte mehr Verlust als Umsatz.
Foto: dpaDer insolvente Solzellenhersteller Sovello stoppt die Produktion und kündigt allen 1000 Mitarbeitern. „Die finanzielle Lage des Unternehmens macht diesen Schritt leider erforderlich“, sagte Insolvenzverwalter Luca F. Flöther. Das Unternehmen das zum "Solar Valley" in Bitterfeld-Wolfen zählte, hatte im Mai Insolvenz angemeldet. Die geplante Sanierung in Eigenverwaltung platzte Ende Juli. Im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftete Sovello noch 200 Millionen Euro Umsatz. Der Solarbetrieb ist aus einem Gemeinschaftsunternehmen der Branchenfirmen Evergreen Solar, Q-Cells und REC ASA hervorgegangen und gehört seit 2010 dem Beteiligungsfonds Ventizz Capital.
Foto: dpaDer insolvente ostfriesische Offshore-Zulieferer Siag Nordseewerke in Emden wird zum Februar durch den saarländischen Stahlbauer DSD Steel übernommen. Das teilte Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) am 17. Januar nach Gesprächen mit dem Investor, der Landesbank NordLB und dem Alteigentümer Siag mit. „Es wurde heute ein Eckpunktepapier mit einer grundsätzlichen Einigung erstellt“, sagte Bode. Damit können 240 von rund 750 Arbeitsplätzen erhalten bleiben. Weiteren 150 Siag-Beschäftigten will ThyssenKrupp Arbeitsplätze anbieten. Das Unternehmen war früher Besitzer der Nordseewerke.
Die Siag Nordseewerke stellen Fundamente für Windkraftanlagen her. 2010 hatte das Unternehmen Siag Schaaf Industrie AG aus dem rheinland-pfälzischen Dernbach die frühere traditionsreiche Schiffswerft von ThyssenKrupp übernommen. Seitdem wurde das Emder Unternehmen zu einem Windkraft-Zulieferer umgebaut. Nun fehlen Folgeaufträge, weil der Boom der Offshore-Branche insgesamt ins Stocken gerät, da es Schwierigkeiten bei der Anbindung der Windparks auf hoher See an das Netz an Land gibt.
Foto: dpaDeutlich besser steht das ebenfalls insolvente Photovoltaik-Unternehmen Sunstrom aus Dresden da. Laut Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg konnte das Unternehmen gerettet werden, die ehemaligen Geschäftsführer Reiner Matthees und Stephan Riedel haben die GmbH gekauft und wollen das Unternehmen mittels einer sogenannten übertragenden Insolvenz sanieren. Die 64 Beschäftigten der Sunstrom GmbH werden von der neuen Gesellschaft MR Sunstrom GmbH übernommen.
Die Solarwatt-Tochter Sunstrom hatte im Juli Insolvenz angemeldet.
Foto: Screenshot
Q-Cells
Am 3. April stellte Q-Cells beim Amtsgericht Dessau Insolvenzantrag. Seither haben 100 der ehemals knapp 1300 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Der ostdeutsche Solarzellenhersteller schrieb 2011 einen Verlust von 846 Millionen Euro. Vorstandsvorsitzender Nedim Cen rang monatelang mit Gläubigern und Anlegern um ein Sanierungskonzept. Im August 2012 folgte die Überraschung: Der koreanische Mischkonzern Hanwha kauft Q-Cells. Mit der Übernahme des Q-Cells Werks in Malaysia könnte Hanhwa Antidumping-Zölle der US-Behörden auf chinesische Produkte umgehen. Hanwha will bis 2020 einer der führenden Anbieter im Photovoltaik-Markt werden. Mit 53 Tochterunternehmen gehört er zu den größten Industriekonglomeraten Südkoreas.
Foto: dpaInventux
Im Mai 2012 muss der Berliner Solarzellenhersteller Insolvenz anmelden. Das Unternehme war seit 2008 am Markt und beschäftigte 200 Mitarbeiter. Von den einst rund 200 Mitarbeitern wurden 100 übernommen. 70 wechselten in eine Transfergesellschaft, die für neue Beschäftigungschancen sorgen soll. Im August wurde Inventux durch zwei südamerikanische Unternehmen übernommen.
Foto: PROdersun
Ende März muss der Modulhersteller Odersun aus Frankfurt Oder seine Pleite bekanntgeben. Zum 1. Juni hat das Unternehmen den Betrieb ein gestellt. Alle 260 Mitarbeiter müssen sich einen neue Stelle suchen.
Foto: dpaSolarhybrid
Das 2008 an die Börse gegangene Unternehmen teilte Mitte März 2012 mit, dass man beim Amtsgericht Arnsberg wegen Zahlungsunfähigkeit die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt habe. Solarhybrid ist auf den Bau von großen Solarstrom-Kraftwerken spezialisiert. Das Unternehmen selbst hatte im Oktober 2011 noch Optimismus verbreitet und Zuwächse für 2012 in Aussicht gestellt. Zudem schrieb das Unternehmen in den ersten neun Monaten schwarze Zahlen. Offenbar hat es sich aber bei der Finanzierung von Großprojekten übernommen. Das Unternehmen wird abgewickelt.
Foto: Solarhybrid AG
Foto: PressebildSiag Schaaf
Der Windkraft-Zulieferer hat am 19. März Antrag auf Insolvenz gestellt. Das zuständige Amtsgericht Montabaur teilte mit, davon sei nicht nur die AG betroffen, es seien auch einige Anträge für Tochterfirmen gestellt worden. Wie viele Mitarbeiter betroffen sind, war zunächst unklar. Die Offshore-Windkraftbranche leidet unter Problemen bei der Anbindung von Anlagen im Meer ans Stromnetz. Siag beschäftigt nach eigenen Angaben weltweit 1800 Menschen in Europa, Nordafrika, Asien und Nordamerika. Die AG war aus dem Stahlbau hervorgegangen. Vor drei Jahren hatte Siag Schaaf von Thyssen-Krupp die Nordseewerke in Emden gekauft, um dort Produkte für Offshore-Windanlagen zu fertigen.
Foto: dapdSolon
Im Dezember 2011 meldete der Solarmodulhersteller Solon Insolvenz an. Der arabische Solarzellen-Produzent Microsol kauft das Berliner Unternehmen Anfang März 2012. Microsol übernimmt das Solon-Werk in Berlin, die Markenrechte sowie Forschung und Entwicklung. 433 der 471 Arbeitsplätzen sollen erhalten bleiben. Solon war mit 400 Millionen Euro verschuldet.
Foto: dapdSolar Millennium
Kurz vor Weihnachten 2011 stellt der fränkische Solar-Projektentwickler Antrag auf Insolvenz. Seither sucht Insolvenzverwalter Volker Böhm nach Investoren. Das US-Geschäft geht im Februar 2012 an den Konkurrenten Solarhybrid, weitere Beteiligungen schlägt Böhm im Laufe des Jahres los. Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens können die Gläubiger ihre Forderungen anmelden. Dazu gehören auch 16.000 Anleihen-Besitzer. Unterdessen prüft Böhm weiter, ob Manager für Investitionen in den USA über 80 Millionen Euro haftbar gemacht werden können. Wegen der komplizierten Konzernstruktur der Mittelfranken werde das aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen.
Foto: dapdSoltecture
Das Berliner Unternehmen musste im Mai 2012 Insolvenz anmelden. Noch läuft die Investorensuche
Foto: dpa
Ökologische und ethisch unbedenkliche Alternativen zu den klassischen Anlageinstrumenten sind auch deshalb stärker in den Fokus institutioneller wie privater Investoren gerückt. Und Anleger werden je nach Geschmack und Risikoneigung fündig. Das fängt schon mit sicheren Zinsprodukten der nachhaltigen Banken an, bei denen die Gelder durch den Einlagensicherungsfonds der Banken geschützt sind. Wer über die Börse partizipieren wollte, kann aus rund 300 jederzeit handelbaren Investmentfonds auswählen. Für Anleger, die hohe Risiken nicht scheuen, gibt es schließlich auch noch Angebote für direkte Beteiligungen an Projekten, beispielweise über geschlossene Fonds oder Genussrechte für eine Investition in erneuerbare Energie aus Sonne, Wind und Wasser, Waldwirtschaft oder Mikrokreditfinanzierung. Im ersten Schritt muss es daher für den Anleger darum gehen, die eigene Risikoneigung und -tragfähigkeit zu bestimmen. Erst wer weiß, was und wie viel er zu riskieren bereit ist, sollte sich auf die Suche nach einem grünen Investment und dem passenden Anlagevehikel machen.
Sparprodukte nachhaltiger Banken
Vor allem für sicherheitsorientierte Anleger, die feste Zinsen ohne Verlustrisiko bevorzugen, hat sich das Angebot verbessert. Selbst die Sparkassen und Volksbanken haben mittlerweile oft klimafreundliche Sparprodukte im Angebot. Damit haben sie auf den starken Kundenzulauf bei den nachhaltigen Banken reagiert, die von der Abkehr vieler Kunden konventioneller Banken profitiert haben. Grüne Banken konnten ihre Kundenzahl dadurch jährlich im zweistelligen Prozentbereich steigern.
Aktien waren 2012 der Renner an der Börse. Trotzdem griff gerade einmal jeder fünfte deutsche Anleger zu den Anteilsscheinen. Das ergab eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Bankenverbandes, die das Anlageverhalten der Deutschen untersuchte. Handelsblatt Online zeigt, wo die Deutschen 2012 ihr Geld investierten und welche Anlageprodukte die Anleger dieses Jahr im Visier haben.
Foto: gmsSenioren sind Top-Anleger
Der Anteil der Deutschen, die 2012 einen nennenswerten Geldbetrag angelegt haben, steigt mit zunehmenden Alter erkennbar an. Im Gesamtdurschnitt gibt mit 54 Prozent etwas mehr als die Hälfe der Befragten an, über entsprechende Finanzanlagen zu verfügen. Unter den Frauen beträgt der Anteil 53 Prozent, unter den Männern 55 Prozent. Mit 47 Prozent bilden Anleger im Alter von 18 bis 39 Jahren die kleinste Anlegergruppe. Die größte Gruppe bilden mit 65 Prozent Anleger ab 60 Jahren.
Foto: gmsFreud und Leid bei den Anlegern
Trotz eines weiteren Euro-Krisenjahr stieg der Dax 2012 auf ein neues Allzeithoch. Auf das gesamte Jahr hochrechnet legte der Leitindex um gut 30 Prozent zu. Knapp die Hälfte (48 Prozent) der deutschen Anleger zeigte sich trotz der guten Kursentwicklung mit der Werteentwicklung ihrer Finanzanlage unzufrieden.
Foto: dpaFestgeld und Tagesgeld besonders beliebt
Im laufenden Jahr 2012 waren bei den deutschen Anlegern Festgeld und Tagesgeld die beliebtesten Anlageprodukte. Obwohl der Dax in diesem Jahr um rund 30 Prozent zulegte, rangieren börsennotierte Finanzprodukte erst deutlich danach. Gerade einmal jeder fünfte Deutsche investierte sein Geld in Aktien. Darauf folgten Immobilien mit knapp 17 Prozent. Das in der Krise besonders beliebte Anlageobjekt Gold, war mit gerade einmal neun Prozent ebenfalls auf den hinteren Plätzen.
Foto: gmsFrauen mögen Festgeld und meiden Aktien
Während Frauen tendenziell stärker in Festgeld sowie Tagesgeld investiert sind, meiden sie Aktienanlagen noch in stärkerem Maße als Männer. Bei Fonds sind hingegen nur geringfügige, bei Immobilien, Gold und anderen Edelmetallen sogar überhaupt keine Unterschiede im Anlageverhalten von Männern und Frauen feststellbar.
Foto: dpaPotenzial für Immobilien und Gold
Neben Festgeld und Tagesgeld würden die Verbraucher 2013 auch stärker in Immobilien, Gold und andere Edelmetalle investieren, wenn sie einen größeren Geldbetrag dafür zur Verfügung hätten. Den größten Zuwachs im Vergleich zu 2012 erleben Immobilien. 46 Prozent aller deutschen Anleger würden sich ein Haus oder eine Wohnung anschaffen. 2012 investierten gerade einmal 17 Prozent in Immobilien. Auch die Krisenwährung Gold ist 2013 deutlich beliebter. Knapp 30 Prozent der deutschen Anleger würden sich größere Goldbestände zulegen.
Foto: CLARK/obsGeringe Risikobereitschaft bei der Anlage
Trotz des derzeit allgemein niedrigen Zinsniveaus können sich nur neun Prozent der Anleger vorstellen, bei künftigen Finanzanlagen mit einer höheren Risikobereitschaft gegebenenfalls eine höhere Renditen zu erzielen. Mit 91 Prozent legt die Mehrheit der deutschen Sparer einen großen Wert auf Sicherheit.
Foto: gms
Männer etwas risikofreudiger als Frauen
Sicherheitsdenken dominiert sehr stark auch die Anlagestrategien männlicher Finanzanleger. 86 Prozent der befragten Männer können sich nicht vorstellen, bei Anlagen für eine höhere Rendite ein höheres Risiko in Kauf zu nehmen. Frauen sind aber offenbar noch sicherheitsorientierter: 96 Prozent von ihnen wollen bei der Geldanlage möglichst kein Risiko eingehen.
Foto: dpa
Einer Aufstellung der Verbraucherzentrale Bremen zufolge, bieten Bankensparbriefe und Sparpläne, die in erneuerbare Energien sowie in Energieeffizienz in Immobilien und Unternehmen investieren, feste Zinssätze zwischen zwei und drei Prozent – abhängig von Laufzeit und Kündigungssperrfristen und ohne Verlustrisiko. Die Ersparnisse sind sicher, weil sie über die gesetzliche Einlagensicherung und oft zusätzlich über die Sicherungssysteme der Bankenzusammenschlüsse vor einer Pleite des Geldinstituts geschützt sind. Bei den im engeren Sinne nachhaltigen Banken in Deutschland, also der Umweltbank, der GLS Bank, der Ethikbank der Volksbank Eisenberg, der Triodos Bank sowie den kirchlichen Banken sind die Zinsen mit maximal 2,5 Prozent zwar nicht ganz so hoch, dafür folgen die Anlagekriterien meist noch strengeren Kriterien für Nachhaltigkeit und ethisches Wirtschaften.
Offene Investment- und Indexfonds
Bei den einschlägigen Fondslösungen bleiben nachhaltige Geldanlagen mit einem Anteil von schätzungsweise zwei Prozent der insgesamt in Fonds investierten Gelder weiter eine Nische. Zwar etabliert, aber eben immer noch winzig. Hier hat sich in den vergangenen Jahren die Erkenntnis unter Anlegern durchgesetzt, dass Investoren mit ihrem grünen Geld genauso Schiffbruch erleiden können, wie mit klassischen Investments. Jüngstes Negativbeispiel ist die Solarenergiebranche. Investoren steckt das grandiose Scheitern diverser Solarzellenhersteller noch in den Knochen.
Platz 10: dm
Die Drogeriemarktkette dm kann eine sehr hohe Kundenzufriedenheit aufweisen. Im Nachhaltigkeits-Ranking platzieren die Konsumenten den Drogeriehandel auf dem zehnten Platz. Jedoch hat ein nachhaltiges Image bei Drogerieartikeln auch nur einen Umsatzanteil von 1,1 Prozent.
Foto: APPlatz 9: Mercedes Benz
Insgesamt hinterlassen Autokonzerne bei den Verbrauchern einen besonders engagierten Eindruck. So auch Mercedes Benz. Der Automobilhersteller liegt im Nachhalitgkeits-Ranking auf Platz 9.
Foto: REUTERSPlatz 8: Otto
Rang acht erarbeitet sich der Onlinehändler Otto. Der Konzern liefert regelmäßig Nachhaltigkeitsberichte, die für Transparenz beim Kunden sorgen.
Foto: Morris Mac MatzenPlatz 7: Audi
Auch auf Rang sieben liegt ein Automobilhersteller. Audi wirkt auf die Konsumenten als ein sozial und ökologisch handelndes Unternehmen. Sieben Prozent der Umsätze in der Automobilbranche sind auf ein nachhaltiges Markenimage zurückzuführen.
Foto: dpaPlatz 6: Landliebe
Der Lebensmittelhersteller Landliebe liegt auf dem sechsten Platz. 3,8 Prozent des Umsatzes mit Molkereiprodukten entstehen aus einem nachhaltigen Image.
Foto: dpa/dpawebPlatz 5: Bärenmarke
Wie Landliebe ist auch Bärenmarke ein deutscher Produzent von Molkereiprodukten. Der Konzern hat es unter die Top-Fünf im Nachhaltigkeits-Ranking geschafft.
Foto: APPlatz 4: Miele
Der Hersteller von Haus- und Einbaugeräten kommt bei den Verbrauchern gut an und genießt ein grünes, soziales Image. Im Ranking platziert sich der Konzern damit auf Rang 4.
Foto: dpaPlatz 3: BMW
Auch unter den Top-Drei der nachhaltigsten Unternehmen befindet sich ein Automobilkonzern. BMW wird von den Kunden als besonders engagiert und nachhaltig empfunden.
Foto: dapdPlatz 2: Alete
Den zweiten und ersten Rang nehmen zwei Hersteller von Babynahrungsmitteln in Anspruch. Bei Babynahrung sind 9,5 Prozent des Umsatzes auf ein nachhaltiges Markenimage zurückzuführen. Rang zwei belegt Alete.
Foto: APPlatz 1: Hipp
Die Babykostmarke Hipp erscheint den Verbrauchern am grünsten und sozialsten. Claus Hipp verfolgt die Themen Verantwortung und Nachhaltigkeit seit Jahrzehnten, wodurch Hipp für die Konsumenten zur nachhaltigsten Marke wird. Sie liegt im Ranking auf Rang eins.
Foto: screenshot
Nach der Pleitewelle der Solarbranche mussten viele kleine Investmentfonds mangels Volumen zusammengelegt beziehungsweise geschlossen werden, die übrigen entwickelten sich schlecht. Jörg Weber zufolge sind die Anleger gegenüber Investmentfonds dadurch spürbar misstrauischer geworden. „Für Anleger ist es schwierig, gute Anlageprodukte zu finden - auch weil der Markt auf Jahre von den erneuerbaren Energien geprägt war. Ich schätze, dass 80 Prozent der Investments auf diesen Bereich entfallen sind. Dieser Motor für grüne Geldanlagen ist nun fast abgewürgt“, konstatiert er. Auch Thomas Pfister, Experte für nachhaltige Geldanlagen bei der Verbraucherschutzzentrale NRW, sieht hier viel verbrannte Erde. „Viele Anleger denken, dass sie mit Investments in erneuerbare Energien wegen der staatlich garantierten Einspeisevergütung nichts falsch machen können. Für risikoscheue Anleger sind diese Anlagen aber aufgrund der langen Laufzeiten und er damit verbundenen Unsicherheiten nicht unbedingt geeignet“, sagt er. „Was früher die Schiffsfonds oder Medienfonds waren, sind seit dem Beschluss der Energiewende die Erneuerbaren-Energien-Fonds“, ist Pfister überzeugt.
Nachhaltige ETF
Anleger tun dennoch bei ihren nachhaltigen Investments gut daran, ihr Geld auf diverse Unternehmen, Branchen und Länder zu streuen, um Klumpenrisiken zu vermeiden – und dafür bieten sich neben den Sparprodukten der nachhaltigen Banken nun mal vor allem Fondsprodukte an. Dabei sind zugelassene, offene Investmentfonds in jedem Fall zu bevorzugen, weil durch ihre Rechtsform die Gelder der Anleger vor einer Insolvenz des Fondsanbieters geschützt sind. Außerdem sind die Anteile jederzeit wieder veräußerbar, ein Einstieg ist zudem schon ab einem Betrag von 25 Euro möglich. Allerdings sollten Investoren die Kosten der Fonds im Blick behalten: Ausgabeaufschläge, Depot- und Verwaltungskosten oder von der Kursentwicklung abhängige Gebühren zehren schnell einen erheblichen Teil der erzielten Gewinne wieder auf. Alternativ können Anleger in kostengünstige börsengehandelte Indexfonds (ETF) investieren, die verschiedene Nachhaltigkeitsindizes der Börsen einfach nachbilden, etwa den Natur-Aktien-Index (NAI) oder den Dow Sustainability Index.
Nachteil dieser Fondslösungen: Die Anlagekriterien unterscheiden sich sehr stark. So ist etwa Starbucks jüngst aus dem NAI herausgeflogen, weil das Unternehmen seine Gewinne über Steueroasen vor dem Zugriff des Fiskus geschützt haben soll. Zehn Jahre war Starbucks in dem Index vertreten, weil die Kaffeekette ihren Lieferanten faire Preise für die braunen Bohnen zahlte. Einigen Fonds oder Indizes genügt es bereits, wenn die Unternehmen möglichst energieeffizient produzieren. Sie tolerieren dafür, wenn beispielsweise BASF an genmanipuliertem Saatgut arbeitet. Die einen sehen darin einen Beitrag zur Bekämpfung des Hungers, für andere Fonds ist das ein klares Ausschlusskriterium.
Die Angst vor einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone und die Probleme rund um Griechenland haben bei den deutschen Sparern ihre Spuren hinterlassen. Bei der Geldanlage sind die Deutschen heute deutlich vorsichtiger gestimmt, als zu Beginn der Finanzkrise.
Das ist das Ergebnis des fünften Schroders Investmentbarometers. Auf den folgenden Seiten zeigen wir, wo die Deutschen ihr Geld heute investieren - und wovor sie sich fürchten.
Quelle: Schroders Investment Management GmbH
Foto: REUTERSEuropa
Die Untergangspropheten für den Euro haben ganze Arbeit geleistet. Mittlerweile sehen 40 Prozent der deutschen Anleger Europa als die Region mit dem höchsten Risiko. Damit liegt der europäische Staatenverbund vor allen übrigen Regionen und Ländern. Die gestiegene Risikoaversion macht sich auch bei der Geldanlage der Deutschen bemerkbar. Im Vergleich zum Vorjahr wurden Investitionen in Europa um 15 Prozent zurückgefahren.
Als sicher sehen die Deutschen im Moment nur ihr eigenes Heimatland. Gerade einmal 3 Prozent der deutschen Sparer würden ihr Geld nicht in der Bundesrepublik investieren.
Foto: dapdImmobilien
Immobilien gelten momentan als einer der sichersten Anlagen. In den europäischen Metropolen überteigt die Nachfrage oftmals das Angebot. Dadurch klettern die Preise seit Jahren auf immer neue Rekordwerte. Auch für viele deutsche Anleger sind trotz der Krise Immobilien der Fels in der Brandung. 32 Prozent halten europäische Immobilien für besonders sicher.
Foto: dpaAktienmärkte
Das ständige Auf und Ab an den europäischen Aktienmärkten hielt viele deutsche Anleger in den letzten Jahren von einem Investment ab. Gerade einmal jeder fünfte Kleinanleger investierte sein Erspartes in Aktien. Trotzdem werden europäische Aktien von 21 Prozent der Befragten als sicher eingestuft.
Foto: dapdDeutschland
Die Vorliebe für Deutschland als Anlageregion ist mit der Sorge um die Euro-Zone gestiegen. Mittlerweile investieren mehr als 80 Prozent der Befragten den größten Teil ihres Geldes in der Bundesrepublik. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Plus von neun Prozent. Dagegen sehen die Deutschen internationale Anlagen als zu risikoreich. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) der Befragten gab an, keine Inventionen im Ausland tätigen zu wollen. Das sind zehn Prozent mehr als im Vorjahr.
Foto: dpa
Asien
Die asiatischen Länder mussten sich im letzten Jahr mit einem geringeren Wachstum zufrieden geben. Trotzdem sehen 46 Prozent der deutschen Anleger die Region als Wachstumsmarkt von morgen an. Das heißt aber nicht, dass sie dort auch tatsächlich investieren. Der Anteil der Anleger, die in der Region (ohne China und Japan) investiert sind, schrumpfte von fünf auf ein Prozent.
Foto: dapdChina
Knapp 20 Prozent der deutschen Privatanleger halten eine Investition in China für sinnvoll. Die Zahl der in China investierten Anleger halbierte sich dennoch im vergangenen Jahr von vier auf zwei Prozent.
Foto: APIndien
Die Deutschen fuhren ihre Anlagen in Indien im vergangenen Jahr von zwei auf annähernd null Prozent zurück. Gleichzeitig hält ein Drittel der Befragten ein Engagement in den kommenden Jahren für sinnvoll.
Foto: APUSA
Mit Anlagen in den USA halten sich die Deutschen zurück. Die Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Anlageverhalten ist auch hier zu beobachten. Zwar sehen die Deutschen das Risiko bei weitem nicht mehr so hoch an. Dennoch sind aktuell lediglich vier Prozent - und damit fünf Prozentpunkte weniger als 2011 - dort investiert.
Foto: dpa
Bevor sich Anleger in die Irrungen und Wirrungen der nachhaltigen Geldanlage vertiefen, sollten sie deshalb zunächst für sich selbst klare Kriterien definieren und in einer Liste festhalten. Was wollen sie auf keinen Fall unterstützen? Stehen Kriterien wie Kinderarbeit, Atomkraft oder Gentechnik auf der Negativliste, lassen sich Anlagekriterien der Anbieter besser prüfen. „Anleger können sich mit ihren Nachhaltigkeitskriterien auch an den ethischen und ökologischen Banken orientieren. Deren Anlagerichtlinien bieten oft gute Anhaltspunkte“, sagt Weber. „Auch die Kirchenbanken arbeiten in punkto Nachhaltigkeit sehr fundiert, kommunizieren dies aber defensiv.“
Der Haken bei nachhaltigen Investments: Gesetzliche Standards oder gar Gütezeichen für grüne Geldanlagen fehlen vollends. Staatliche Stellen sehen sich bislang außerstande, Mindestkriterien zu benennen. Das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), ein Fachverband für den deutschsprachigen Raum, hat daher angekündigt, gemeinsam mit anderen ein Qualitätssiegel zu konzipieren. Auch Weber fände ein klar geregeltes Gütezeichen für nachhaltige Geldanlagen sinnvoll.
Da aber vorerst nicht mit einer klaren Regelung zu rechnen ist, hat die Redaktion von ECOReporter gemeinsam mit Experten vor kurzem ein eigenes Gütesiegel ins Leben gerufen, dass nur geprüfte Anlageprodukte oder Produktanbieter erhalten. Weil die Anbieter aber ganz unterschiedliche Auffassungen darüber haben, was nachhaltig ist und was nicht, prüft ECOreporter lediglich, ob sich die Anbieter an ihre eigenen Versprechen halten. „In den Statuten einiger ethischer Banken steht aus rein formal-juristischen Gründen, dass sie in Unternehmen investieren dürften, die bis zu fünf Prozent des Umsatzes mit Atomkraft erzielen. In der Realität gilt aber auch für diese Banken: null Atomkraft, null Rüstung.“ Aufpassen müssen Anleger Weber zufolge beispielsweise bei Solaraktien. Hier gebe es Modulhersteller, deren Technologie auch militärisch genutzt werde.
Zwischen Geschlossenen Fonds und Genussrecht
Offensichtlicher ist die Umweltverträglichkeit eines Investments, wenn das Geld direkt in ein Windpark-, Solarpark- oder Forstprojekt fließt. Dennoch ist bei den direkten Beteiligungen über Aktien, Anleihen, geschlossene Fonds, Genussrechte oder Genossenschaftsanteile zunächst Vorsicht geboten. weil Anleger ihr Geld aber nur einem Unternehmen oder Projekt anvertrauen, sollte die Transparenz an erster Stelle stehen. Von den beworbenen mitunter zweistelligen Renditen sollten sich Anleger außerdem nicht blenden lassen. „Die vermeintlichen Renditeversprechen sind lediglich Prognosen, die teilweise schwer nachvollziehbar sind“, sagt Verbraucherschützer Pfister. „Hohe, in Aussicht gestellte Renditen, spiegeln immer auch das hohe Risiko einer Geldanlage wider.“ Grundsätzlich ist eine Beurteilung der Projekte und ihrer Risiken sehr schwierig, dazu braucht es juristisches, technisches und ökonomisches Know-how. Für den Anleger einen Herausforderung, denn scheitert ein Projekt oder ein Unternehmen vollends, ist das investierte Kapital häufig verloren. Bei einigen geschlossenen Fonds oder Genossenschaftsanteilen droht zudem eine Nachschusspflicht, mit der der Anleger bei Problemen erneut zur Kasse gebeten werden kann.
„Das Problem am grau-grünen Kapitalmarkt ist, dass mangels Aufsicht und Kontrolle – wie sie in anderen Fällen etwa durch die Bafin erfolgt - die Anbieter mit dem Thema Transparenz sehr unterschiedlich umgehen“, so Pfister. „Die nachhaltigen Banken etwa sind staatlich reguliert und in ihren Investments vergleichsweise transparent. Bei Fonds aber gibt es bereits eine erhebliche Bandbreite, von sehr schwammigen Investmentkonzepten bis hin zu sehr konkreten und strengen Ansätzen.“
Zudem wird der Erfolg direkter Beteiligungen oftmals erst nach vielen Jahren überprüfbar. Das gilt beispielsweise für Waldinvestments, bei denen Laufzeiten von bis zu 25 Jahren durchaus üblich sind. Pfister rät Anlegern auch hier zur Vorsicht: „Direkte Beteiligungen an derlei Projekten sind nur etwas für Anleger, die hohe Risiken tragen, also auf das investierte Geld dauerhaft verzichten und Verluste gegebenenfalls verkraften können. Diese Geldanlagen sind meist komplex und riskant, weil die Streuung auf verschiedene Anlagen fehlt oder nur sehr begrenzt vorhanden ist.“
Wer nachhaltig Geld anlegen will, kommt daher nicht umhin, sich intensiv mit dem einzelnen Anlageprodukt zu beschäftigen. Leider tummeln sich auf diesem unübersichtlichen Markt immer noch eine Vielzahl schwarzer Schafe. Für die Messe „Grünes Geld“ nimmt Weber daher auch nicht jeden Aussteller an: „Wir haben noch in keinem Jahr so viele Aussteller abgelehnt, wie 2013.“
Positiv ist in jedem Fall ein sicheres Geschäftskonzept, ein hohes Maß an Transparenz zu Aktivitäten und Finanzen und eine gute Leistungsbilanz. „Handelt es sich zudem auch noch um einen Anbieter mit viel Erfahrung in seinem Segment, spricht das für die Qualität des Angebots“, weiß Messeveranstalter Weber. „Abstand sollten Anleger auf jeden Fall von Angeboten nehmen, die neben dem Geld auch noch eine große Portion Idealismus verlangen. Die Geschäftsmodelle müssen sich rechnen. Sonst kann der Anleger auch gleich spenden.“
Meiden sollten Anleger hingegen Offerten, bei denen Geld eingesammelt wird, für deren Verwendung noch gar keine konkreten, nachvollziehbaren geplant sind. Auch Nachschusspflichten sind unbedingt zu vermeiden. Skeptisch sollten zudem Angebote machen, die gleichzeitig hohe Sicherheit und hohe Rendite versprechen oder vor allem als Steuersparmodell angepriesen werden.
Fazit: Nachhaltig zu investieren ist mühsame Detailarbeit für den, der mehr als nur die Zinsen der Ökobanken möchte. Im Vordergrund sollten dabei immer die eigenen Kriterien an eine nachhaltige Anlage stehen. Sich einfach nur an den Ansprüchen und Ausschlusskriterien der Produktanbietern zu orientieren, führt schnell zu ungewünschten Investments und fragwürdigen Ergebnissen. Ganz ohne idealistisches Engagement geht es also auch nicht.