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Wirtschaft im Weitwinkel
Steuern wir alle nun auf einen globalen Handelskrieg zu? Quelle: imago

Droht jetzt ein globaler Handelskrieg?

Donald Trump hält seine Wahlkampfversprechen, auch wenn sie noch so unsinnig sind. Jüngstes Beispiel: Die einseitige Einführung von sogenannten Schutzzöllen für die Stahl- und Aluminium-Industrie. Die hiervon besonders betroffenen Länder drohen bereits mit Gegen-Strafzöllen. Steuern wir alle nun auf einen globalen Handelskrieg zu? Oder gewinnt am Ende doch noch die Vernunft die Oberhand?

Der US Präsident Donald Trump hat angekündigt Zölle in Höhe von 25 Prozent auf Stahl- und Aluminiumimporte zu erheben. Mit diesen Zöllen sollen Produkte von ausländischen Unternehmen teurer werden und damit weniger wettbewerbsfähig. US-amerikanische Unternehmen sollen entsprechend relativ an Wettbewerbsfähigkeit zulegen und in den USA Marktanteile gewinnen. In Folge soll das hohe Leistungsbilanzdefizit der US-Wirtschaft geringer werden, auf Kosten der Länder mit einem hohen Leistungsbilanzüberschuss wie Deutschland oder China.

Soweit die Theorie. Die Realität ist wie immer etwas schwieriger. Die Weltwirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren in arbeitsteilige Prozesse gegliedert. So können die Unternehmen die länderspezifischen Unterschiede in den Lohnkosten nutzen. Die Folge dieses Umbaus der Weltwirtschaft war auch eine über Jahre hinweg niedrige Inflation. Ein weiterer Effekt ist, dass sich viele Unternehmen technologisch spezialisiert haben und mit hochentwickelten Produkten Weltmarktführer wurden. Eine Produktion von Gütern, die nur auf heimische Vorprodukte setzt, ist heute sehr selten geworden.

Globaler Handel ist die Basis

Damit wird auch klar, dass der weltweite Handel die Basis der vernetzen Volkswirtschaften ist. Handelsbeschränkungen, wie Zölle, schwächen dieses Konstrukt nachhaltig und dies zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt. Nach fünf mageren Jahren in Folge hatte gerade erst im vergangenen Jahr die erhöhte Dynamik beim Welthandel dafür gesorgt, dass sich das Wachstum der Weltwirtschaft endlich sichtbar von der Drei-Prozent-Marke lösen konnte. Dank des aktuell immer noch vorhandenen Schwungs könnte in diesem Jahr das Wachstum der Weltwirtschaft rund vier Prozent erreichen. Als wichtiger Wachstumsmotor ist im langjährigen Durchschnitt der Welthandel immerhin für ein Drittel des Weltwachstums verantwortlich, im vergangenen Jahr war der Wachstumsbeitrag sogar noch etwas größer.

Die US-Strafzölle werden mittelfristig auch in Deutschland zu größeren Verwerfungen führen. So werden vermutlich größere Teile der vergleichsweise billigen Weltstahlproduktion nun auf die europäischen und damit auch auf die deutschen Märkte drängen. Der Wettbewerbsdruck für die heimischen Produzenten wird also steigen. Zudem wird die einseitige Erhebung von Straffzöllen nicht ohne Folgen in anderen Ländern bleiben. So wurde wenig überraschend in den vergangenen Tagen von Kanada, China und von der EU-Kommission Vergeltungsmaßnahmen bei weiteren Strafzöllen der US-Regierung angekündigt. Dies wird sehr wahrscheinlich die exportstarke US-Landwirtschaft betreffen. Darüber hinaus ist es fraglich, ob die derzeit noch laufende Neuverhandlung des NAFTA-Abkommens mit Kanada und Mexiko bei weiteren protektionistischen Maßnahmen durch die USA überhaupt noch weitergeführt wird.

Es ist offensichtlich: Wenn sich diese Spirale weiterdreht, wird das globale Wachstum an Stärke verlieren. Es wieder deutlich unter vier Prozent fallen. Gleichzeitig könnte die Inflation zeitweise etwas ansteigen. Die Zentralbanken werden auf die höhere Inflation jedoch nicht reagieren. Das schwächere Wachstum und der getrübte wirtschaftliche Ausblick werden sogar eher dazu führen, dass das geldpolitische Umfeld wieder lockerer wird. Die Notenbanken werden versuchen eine globale Rezession zu verhindern. Ob dies gelingt hängt von der Vernunft der Staaten hab. Wenn der Protektionismus zu stark wird, ist eine nachhaltiger Abschwung nicht zu vermeiden.

Genau dieses Szenario wird zurzeit an den Finanzmärkten eingepreist. Der zukünftige Kurs der Aktien- und Anleihemärkte hängt dabei maßgeblich vom weiteren Verlauf des Zollstreites ab. Wenn weitere Zölle und zunehmender Protektionismus sich ihren Weg bahnen, werden die globalen Aktienmärkte in eine spürbare Korrektur einschwenken und die Renditen wieder deutlich fallen. Wenn in den nächsten Wochen die Vernunft siegt und man wieder zu einer nachhaltigen Wirtschaftspolitik zurückkehrt, wird die jetzige Phase der hohen Unsicherheit schnell beendet werden und die Aktienmärkte mit einem hohen Aufwärtspotenzial in das Frühjahr gehen.

Es ist noch zu früh, das Szenario komplett zu ändern. Vielmehr sollte man davon ausgehen, dass sich die jetzigen hohen Wellen wieder glätten. Jedoch ist die Gefahr für die globale Konjunktur durch den Protektionismus deutlich gestiegen.

„Tausende Arbeitsplätze in Europa sind gefährdet“
Angela Merkel (CDU), Bundeskanzlerin Quelle: dpa
Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz Quelle: REUTERS
Sigmar Gabriel (SPD), Bundesaußenminister Quelle: dpa
Jean-Claude Juncker, EU-Kommissionspräsident Quelle: AP
Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl Quelle: dpa
Brigitte Zypries (SPD), Bundeswirtschaftsministerin Quelle: dpa
Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) Quelle: dpa

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