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Nach Abstimmung über Aktienverkäufe Was Musk tatsächlich zum Verkauf von Tesla-Aktien treibt

Tesla-Chef Elon Musk Quelle: dpa

Elon Musk ließ bei Twitter über den Teilverkauf seiner Tesla-Aktien abstimmen und sie so abrauschen. Jetzt legt er nach. Es ist nicht das erste Mal, dass er mit seinen Tweets Kurse steigen und fallen lässt.

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Am Samstag konnten Twitter-Nutzer über die Geldanlage von Elon Musk gebieten – zumindest ein bisschen. In einer Abstimmung sollten seine rund 63 Millionen Follower entscheiden, ob der reichste Mann der Welt ein Zehntel seiner Tesla-Aktien verkaufen soll. 24 Stunden lief die Umfrage, 3,5 Millionen Menschen nahmen daran teil. Knapp 58 Prozent sprachen sich dafür aus, dass Musk die Tesla-Wertpapiere verkaufen soll.

Einfach ein Scherz des E-Auto-Pioniers, der sich auch mal während Podcast-Aufnahmen einen Joint gönnt? Nein, der Tesla-Chef ist dem Votum nachkommen. In den vorangegangenen Tagen stieß er bereits 4,5 Millionen Aktien ab. Am Freitagabend legte er nach, stellte weitere Aktien im Wert von knapp 690 Millionen Dollar auf den Markt. Die Abstimmung rückte er in den Kontext von Steuervermeidung. Auf nicht realisierte Aktiengewinne fallen nämlich keine Steuern an. Eine Regelung, von der Musk bislang gerne profitierte. Der Tesla-Chef zahlt sich selbst weder Gehalt noch Boni aus. Ein Großteil seines geschätzten Vermögens von 330 Milliarden Dollar machen Tesla-Aktien aus – vollkommen abgabefrei.

Dafür steht Musk schon seit langem in der Kritik. Die Abstimmung könnte ein PR-Schachzug sein, um sein Image aufzupolieren. Zuletzt gab es von ihm schon ähnliche Versuche: Erst vor wenigen Wochen hatte Musk angekündigt, sofort Aktien zu verkaufen, wenn ihm das UN-Welternährungsprogramm verrate, wie man mit sechs Milliarden Dollar den Hunger auf der Welt stoppen könne.

Ungemütlicher könnte es für Superreiche wie Musk ohnehin bald werden. Die US-Regierung unter Joe Biden arbeitet an einer Milliardärssteuer. Wenn es nach dem Demokraten geht, soll auch das Buchvermögen von Reichen besteuert werden, um die angekündigten Klima-, Sozial- und Infrastrukturpakete zu finanzieren.

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    Anleger reagierten besorgt auf die Pläne, war Musk doch mit einem Aktienanteil von über 20 Prozent größter Aktionär des Autobauers. Sein Aktienverkauf würde sich also im Kurs bemerkbar machen. Ja, sogar die Ankündigung reichte schon, damit die Aktie am Montag zum Handelsauftakt in Europa zwischenzeitlich sieben Prozent im Kurs verlor. Nach dem Verkauf weiterer Aktien lag Tesla im vorbörslichen US-Geschäft am Freitag 1,3 Prozent im Minus bei 1050 Dollar. Im Wochenverlauf hatten die Papiere zeitweise fast 20 Prozent an Wert verloren.

    Es ist nicht das erste Mal, dass Musk mit seinen Tweets den Tesla-Kurs beeinflusst. Mehrmals wurde er bereits bezichtigt, mit unwahren Tweets Stimmungsmache zu betreiben – und erzürnte so bereits die US-Börsenaufsicht SEC. Seit 2019 darf er zu bestimmten Themen, wie Finanzdaten und Produktionszahlen Teslas, nur noch twittern, wenn ein Anwalt diese Nachrichten zuvor geprüft hat. Die jetzige Abstimmung dürfte aber nicht unter diese Regeln gefallen sein.

    Auch jenseits des Unternehmens Tesla ist Musk mittlerweile zum Dompteur der Finanzmärkte aufgestiegen. Seine Tweets lassen die Kurse von Kryptowährungen und Hype-Aktien steigen und fallen. Teile seiner Fangemeinde interpretieren seine Meinungsäußerungen gerne als Investmententscheidung.

    Beispiel Gamestop: Als Privatanleger und Hedgefonds Anfang des Jahres einen Zockerkrieg um die Aktie des Computerspielehändlers Gamestop ausfochten, beteiligte sich auch der Tesla-Chef. Der reichweitenstarke Unternehmer postete bei Twitter den Link zum Onlineforum Wallstreetbets auf der Plattform Reddit. Dort tauschten sich die jungen Trader über den Handel der Aktie aus. Innerhalb von zehn Minuten nach Musks Tweet stieg die Gamestop-Aktie um mehr als 30 Prozent.



    Beispiel Bitcoin: Nachdem Musk ankündigte, bei Tesla bald womöglich wieder Zahlungen mit der Kryptowährung zu gestatten, zog der Kurs um fast zehn Prozent auf über 40.000 Dollar an. Vorausgesetzt, der Bitcoin werde künftig mit sauberer Energie gewonnen. Die Erschaffung neuer Coins frisst nämlich enorm viel Energie. Als Musk im Vormonat dem Bitcoin den Status als Zahlungsmittel beim E-Autobauer entzogen hatte, war der Kurs eingebrochen.

    Beispiel Dogecoin: Musk, gerne als „Dogefather“ bezeichnet, gibt bekannt, mit dem Entwickler der Spaß-Kryptowährung daran zu arbeiten, die Transaktionen effizienter zu machen. Die Folge? Der Dogecoin-Kurs explodierte um 37 Prozent auf 52 Cent. Und auch bei Dogecoin-Nachahmern Baby Doge Coin und den Floki-Kryptowährungen Floki Inu, Floko Shiba und Super Floki verursachte er Kurszuwächse von zeitweise über 100 Prozent.

    Die Bewertungen, ob Musk die Märkte manipuliert oder bloß – wenn auch exzessiv – seine Meinung äußert, gehen stark auseinander. Bei Aktien haben die Finanzaufseher Möglichkeiten, gegen Marktmanipulation vorzugehen. Schwieriger ist es beim Bitcoin, für den die US-Börsenaufsicht SEC nicht zuständig ist.
    Im Fall Tesla könnte die Behörde aber einen Umweg finden: Das Unternehmen hält Bitcoins im Wert von 2,5 Milliarden Dollar. Die Entwicklung von Tesla hängt also mit der vom Bitcoin zusammen. Noch sind die Finanzaufseher da machtlos, aber sie hoffen, demnächst eine regulatorische Waffe gegen seine Kursbeeinflussung auch für Musks Krypto-Umtriebe zu bekommen.

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    Sonderlich böse werden die Tesla-Aktionäre aber wohl nicht auf Musk sein. Auf Jahressicht liegt die Aktie immer noch mehr als 100 Prozent im Plus, trotz des aktuellen Rücksetzers.

    Mehr zum Thema: Für Elon Musk und Tesla läuft es trotz Skandalen weiter: Das Unternehmen wird 2021 in Deutschland wohl erstmals mehr Autos verkaufen als der Konkurrent Porsche. Elon Musk könnte damit ein sehr prestigeträchtiges Rennen für sich entscheiden.

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