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Chancen und RisikenAlle 30 Dax-Aktien im Check

Ein Ende der ganz lockeren Geldpolitik rückt näher, doch noch bieten Aktien der ersten Börsenliga Chancen. Welche Papiere ein Kauf sind, wo Gewinnmitnahmen angesagt sind. 30.12.2013 - 10:46 Uhr

Adidas - Brazuca soll’s richten

Zur Fußball-WM in Brasilien sollen Fans in die Geschäfte strömen, Adidas-Produkte wie den WM-Ball Brazuca kaufen und dem Sportartikler massive Zuwächse bescheren. Drei von vier Analysten empfehlen die Aktie laut Datendienstleister Bloomberg zum Kauf. So viel Optimismus macht es Adidas-Chef Herbert Hainer schwer, die Erwartungen zu übertreffen. Schon dieses Jahr hat Adidas die Prognosen gesenkt, bleibt langfristig aber zuversichtlich: Der Umsatz soll bis 2015 auf 17 Milliarden Euro steigen (2013 etwa 14,5 Milliarden), die Gewinnmarge elf Prozent betragen. Deutliche Umsatzsprünge schafft Adidas derzeit nur in Wachstumsmärkten wie China und Lateinamerika. Zu schaffen macht den Herzogenaurachern der steigende Euro, Absicherungen gegen Währungsrisiken werden für Adidas immer teurer. Währungseffekte, die Zurückhaltung der Käufer in Europa und Nordamerika sowie Probleme im profitablen Großhandelsgeschäft zählen für Adidas auch 2014 zu den Hauptrisiken. Das Jahr dürfte damit – trotz WM – für die Aktie eher schwierig werden. Neukäufe drängen sich derzeit, nur knapp unter dem bisherigen Allzeithoch von rund 90 Euro, nicht auf.

Allianz - Gelddruckmaschine

Allianz Der wichtigste Bereich, die Schaden- und Unfallsparte, glänzte in den ersten neun Monaten mit einer Schaden-Kosten-Quote von 95 Prozent. Übersetzt: Für jeden Euro, den die Allianz hier eingenommen hat, musste sie nur 95 Cent für die Abwicklung von Schäden ausgeben. Die Sparte trug fast die Hälfte zum operativen Ergebnis der Allianz-Gruppe bei – eine Gelddruckmaschine, die die Aktie stützt. Das zweite wichtige Standbein, die Lebens- und Krankenversicherung, leidet unter den niedrigen Zinsen; das operative Ergebnis fiel vor allem wegen niedrigerer Einnahmen aus Kapitalanlagen im dritten Quartal um knapp sechs Prozent. Legt ein Versicherer das Geld seiner Kunden rentabel an, darf er einen Teil des Überschusses behalten. In Zeiten niedriger Zinsen kann die Allianz weniger Kapital aus der Lebensversicherung schlagen. Das spricht gegen die Aktie. Auch das dritte Standbein der Vermögensanlage schwächelte zuletzt: Im dritten Quartal drückten geringere erfolgsabhängige Provisionen und negative Wechselkurseffekte auf das Ergebnis im Asset Management. Chef Michael Diekmann erwartet ein Vorsteuerergebnis von „leicht über 9,7 Milliarden Euro“. Das wäre ein Tick mehr als im Vorjahr – und spricht für eine weiter respektable Dividende (zuletzt 4,50 Euro). Und: Eine Zinswende würde der Allianz weniger schaden als anderen Aktien, sie könnte zu höheren Zinsen anlegen. Mit einstelligem KGV ist die Aktie letztlich nicht zu teuer.

WirtschaftsWoche-Redakteur Christof Schürmann betrachtet die voraussichtliche Kapitalmarktentwicklung im Jahre 2014.

BASF - Auf hohem Niveau

Eine Belebung der Weltkonjunktur wäre das ideale Rezept, um dem BASF-Aktienkurs auf die Sprünge zu helfen. Doch aus einzelnen konjunkturellen Lichtblicken könne man nicht ableiten, „dass die Post abgeht“, warnt BASF-Vorstandschef Kurt Bock vor zu viel Euphorie. In Ludwigshafen stellt man sich vorsorglich auf eine Fortsetzung der volatilen Entwicklung ein. Diese spiegelt auch der Kursverlauf. 2013 lief der Aktienkurs über weite Strecken in einer Bandbreite zwischen 65 und 76 Euro seitwärts. Als es Anfang Dezember dann so aussah, als könnte der Widerstand endlich geknackt werden, drehte der Kurs abrupt wieder nach unten ab. Dieser Fehlausbruch könnte sich in der Rückschau als Bullenfalle erweisen, in die BASF- und Konjunkturoptimisten hineintappten. Bremsen könnte den weltgrößten Chemiekonzern die Aufwertung des Euro. Jeder Cent, den der Euro gegenüber dem Dollar zulegt, bringt BASF 250 Millionen Euro weniger Umsatz. Vorstandschef Bock ärgert sich auch über die hohen Stromkosten hierzulande. Hätte BASF sein Hauptwerk in den USA, „wäre der Gewinn pro Jahr um gut 500 Millionen Euro höher“. Das ist Klagen auf hohem Niveau. Die dividendenstarke Aktie (3,6 Prozent Rendite) bleibt für Langfristanleger eine Kernanlage, nur ist sie aktuell kein Kauf. Das wäre sie wieder bei einem Rücksetzer in Richtung 50 Euro.

Bayer kann viele Erfolgsmeldungen aus seiner Pharmasparte vorweisen

Foto: dpa

Dax 9000

Oktober 2013: Der Dax überschreitet im Tagesverlauf des 18. Oktober erstmals die plakative Rekordmarke von 9000 Punkten - der höchste Stand seit der Dax-Einführung am 30. Dezember 1987. Die folgende Chronik zeigt die Meilensteine auf dem Weg dorthin.

Foto: dpa

Juli 1998: Dax hat sich binnen drei Jahren fast verdreifacht und mehr als 6000 Punkte erreicht; Asienkrise, Währungskrise in Russland und Pleite des Hedgefonds LTCM bringen die Kurse ins Trudeln. (Im Bild der rote Platz in Moskau im Jahr 2000)

Foto: AP

September 1998: US-Notenbank Fed senkt von September an in drei Schritten die Leitzinsen und läutet die Kurswende ein. Zu dieser Zeit war der Dax bereits unter die Marke von 4000 Punkten gefallen.

Foto: dapd

März 2000: New-Economy-Blase - Das Börsenfieber treibt die Kurse von Tech-Unternehmen auf Höchststände; mit Promis wie Verona Pooth werden auch Kleinanleger gelockt. Erstmals erreicht der Dax ein Niveau von 8000 Punkten - zumindest für kurze Zeit.

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11. September 2001: Terroranschläge in New York; Angst vor Vergeltungsschlägen der USA drückt die Kurse. Der Dax rauscht wieder deutlich unter 4000 Punkte. In den Folgemonaten kommt es erst zur Erholung, dann geht es in Schüben weiter abwärts.

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März 2003: Irakkrieg; die USA bombardieren Ziele in Bagdad und marschieren am 20. März in den Irak ein. Bis Anfang März war der Dax schon in den Bereich von 2500 Punkten gefallen, der Irakkrieg sorgt nur für einen weiteren Dämpfer. Danach beginnt der Börsenindex einen mehrjährigen Anstieg.

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Juli 2007: Subprime-Krise - Die deutsche IKB meldet massive Finanzprobleme wegen US-Hypothekenpapieren. Kurz zuvor hatte der Dax sein altes Rekordhoch mit 8151 Punkten übertrumpft. Nun beginnt dem Dax vorerst die Luft aus.

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Januar 2008: Angst vor einer US-Rezession; Société Générale gibt Fehlspekulationen ihres Händlers Jérôme Kerviel über 4,8 Milliarden Euro bekannt. Der Dax stürzt in kürzester Zeit in den Bereich von 6.500 Punkten.

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September 2008 Subprime-Krise - Die US-Großbank Lehman Brothers beantragt Insolvenz. Die Finanzkrise kommt in ihre heiße Phase, die Börsen gehen in den freien Fall über. Der Dax rutscht in der Folge bis auf 3666 Punkte.

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März 2009: US-Notenbank kündigt Kauf von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren für mehr als eine Billion Dollar an. Zu dieser Zeit hatte sich der Dax bereits auf etwas mehr als 4000 Punkte zurückgekämpft. Mit der Geldschwemme der US-Notenbank gewinnt die Erholung der Börsen an Fahrt.

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März 2011: Erdbeben und Tsunami führen zum Super-GAU im Atomkraftwerk Fukushima. Der Börsenindex Dax notiert da noch oberhalb von 7000 Punkten und fällt zeitweise zurück auf 6600 Punkte.

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Juli 2011: Euro-Schuldenkrise weitet sich aus; Angst vor Griechen-Pleite und Finanzproblemen in Italien. Bis dahin war der Dax bereits wieder in die Region von 7400 Punkten geklettert. Nun gehen die Börsen erneut in den Sinkflug über.

Foto: CLARK/obs

September 2011: US-Notenbank kündigt weitere Staatsanleihenkäufe an, um die Zinsen zu drücken. Dem Dax, der inzwischen nur noch knapp über der 5000er Marke notiert, bedeutet das die Trendwende

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Juni/Juli 2012: Notenbanken weltweit fluten die Märkte mit noch mehr Geld. Der entscheidende Befreiungsschlag für die Börse: Der Dax beginnt bei rund 6000 Punkten seinen neuen Anlauf auf neue Rekorde.

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März 2013: Zypernkrise - Schuldenschnitt verunsichert Euro-Anleger. Gerade hatte der Dax die 8000 Punkte überschritten, das sorgt die Mittelmeerinsel für neue Verunsicherung. Erst als sich die Rettung Zypern abzeichnet, gelingt dem Dax dann am 7. Mai 2013 eine neues Allzeithoch mit zunächst 8181 Punkten - dass in den Folgewochen weiter ausgebaut wird.

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Am 22. Mai 2013 erreichte der Dax mit in der Spitze 8557 Punkten einen neuen Rekordstand. Im zumeist schwachen Börsenmonat Mai hatte die nachlassende Krisenangst und weit geöffneten Geldschleusen der Notenbanken - allem voran der US-Notenbank Federal Reserve - den Aktienmarkt beflügelt.

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Am 16. September 2013 erreichte der Dax einen neuen Rekordstand von zeitweise 8626 Punkten. Für die gute Börsenstimmung sorgte eine sich abzeichnende diplomatische Lösung im Syrien-Konflikt im Hinblick auf den Giftgasangriff dort einige Wochen zuvor. Regelrecht euphorisch reagierten die Börsen jedoch auf den Rückzug von Larry Summers (links) als Kandidat für die Nachfolge von US-Notenbankchef Ben Bernanke. Summers hatte in den 90er Jahren unter US-Präsident Bill Clinton als Finanzminister für die Deregulierung der Finanzmärkte gesorgt. Kritiker lasteten ihm an, für die Finanzkrise mitverantwortlich zu sein. Zudem befürchteten die Akteure an den Börsen, dass er die expansive Geldpolitik Bernankes zurücknehmen könnte. Das nährte die Hoffnung, die Geldschleusen könnten doch länger als erwartet geöffnet bleiben - was den Aktienmärkten schon in den vergangenen Jahren ordentlich Schub verliehen hatte.

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US-Notenbankchef lässt den Geldhahn offen

Am Abend des 18. September überrascht US-Notenbankchef Ben Bernanke die Börsen mit der Ankündigung, die Leitzinsen nahe der Nulllinie zu belassen und das Ankaufprogramm in Höhe von monatlich 85 Milliarden Dollar vorerst unvermindert fortzusetzen. Im Sommer hatte er hoch angekündigt, diese Form der Geldspritze für die Wirtschaft in Zukunft zu reduzieren. Dass die Liquiditätsschwemme unvermindert fortgesetzt wird, sorgte an den Börsen von New York bis Tokio für Jubel. Der Dax hatte schon zuvor den erst zwei Tage zuvor erreichten Höchststand überwunden. Am Tag nach der Entscheidung der Federal Reserve übersprang er locker die alten Marken. Im Tagesverlauf erreichte er den neuen Rekordwert von 8770 Punkten (Stand 11 Uhr).

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Oktober 2013: der Dax hat die 9000-Punkte-Marke geknackt - den Rekord aber zunächst im Tagesverlauf mehrfach wieder abgeben. Die anhaltende Geldflut der Notenbanken und der damit verbundene Aufschwung der Konjunktur gaben Anlass für steigende Kurse - zumal Aktien zu dieser Zeit zwar nicht mehr billig, aber auch noch nicht überteuert erscheinen.

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Bayer - Nur Liquidität schiebt

Abgesehen vom starken Euro, der das Jahresergebnis um schätzungsweise 250 Millionen Euro drücken könnte, läuft es operativ derzeit sehr rund bei Bayer. Gerade die Pharmasparte geizt nicht mit Erfolgsmeldungen. Allein der noch junge orale Blutgerinnungshemmer Xarelto dürfte 2013 bereits auf eine Milliarde Euro Umsatz zusteuern. Und für Nachschub sorgt eine Medikamentenpipeline, die branchenweit als eine der besten gilt. Wegen der Stärke der Teilkonzerne Gesundheit und Pflanzenschutz verliert die zyklische Kunststoffsparte zusehends ihren Schrecken, zumal sich diese zuletzt auf tiefem Niveau gefangen hat. Doch reicht das, um den gewaltigen Lauf der Aktie zu erklären? Binnen anderthalb Jahren hat sich der Bayer-Kurs nahezu verdoppelt. Als Schnäppchen lässt sich die Aktie mit Blick auf die Gewinnbewertung auch nicht mehr bezeichnen. Die herausragende Kursentwicklung weckt Erinnerungen an die Nifty-Fifty aus den frühen Siebzigerjahren. Auch damals setzten Anleger stark auf Blue Chips globaler Konzerne mit vergleichsweise defensiver Grundausrichtung, großer Preismacht, solider Bilanz und sicheren Dividenden. Die Bayer-Aktie haben viele Anleger in Zeiten zinsloser Risiken offenbar als sicheren Hafen auserkoren. Die Logik dahinter ist verständlich und richtig, aber sie schützt natürlich nicht vor großen Kursverlusten. Ein guter Teil des Kursanstiegs von Bayer dürfte allein der hohen Liquidität an den Märkten geschuldet sein. Ebbt die Marktliquidität irgendwann ab, drohen Gewinnmitnahmen. Zumal rund 50 Prozent des Aktienkapitals in den Händen nordamerikanischer Investoren liegt. Amerikaner haben den Finger bekanntlich schnell am Abzug. Die Luft wird dünn, noch aber ist der Trend intakt.

Beiersdorf - Gutes Deo nötig

Seit Stefan Heidenreich 2012 das Ruder übernommen hat, hat der Konzern einen Lauf. Schnellere Produkteinführungen bei Körperpflege rund um die Kernmarke Nivea und höhere Margen in der Klebstoffsparte Tesa brachten in zwei Jahren rund 70 Prozent Kursplus. Bislang hat Beiersdorf Kritiker immer Lügen gestraft. Dennoch ist das Rückschlagrisiko zu groß. Schon 2013 werden nach Wechselkurseffekten wohl nur knapp drei Prozent Wachstum übrig bleiben, hoch zweistellig wächst man nur in Ländern wie Brasilien und China. Weiteres Wachstum wird immer kostspieliger. Die hohe Profitabilität einzelner Bereiche – im dritten Quartal verdiente der Klebstoffbereich an jedem umgesetzten Euro 17,7 Cent – wird nicht zu halten sein. Schon jetzt ist die Aktie mit einem 27er-KGV die teuerste aus dem Sektor Körperpflege und Haushalt in Europa, die margenstärkeren Konkurrenten L’Oréal und Procter & Gamble sind günstiger. Zeichnet sich eine schwächere Umsatzentwicklung ab, brauchen Aktionäre ein Stress-Protect-Deo – von Nivea natürlich.

BMW - Zukunft im Alltagstest

Mit dem i3 steht jetzt bei BMW-Händlern die Zukunft auf dem Hof. Probefahrer steigen skeptisch ein und begeistert aus. 13 der Elektroautos mit Carbonkarosse (ab 35 000 Euro) hat ein Frankfurter Händler in vier Wochen seit dem Verkaufsstart abgesetzt. Nach der Auslieferung ab Januar können Käufer die Alltagstauglichkeit des Hoffnungsträgers testen. Im Frühjahr startet der Vertrieb in den USA, Japan und China. i3-Fahrern ist Aufmerksamkeit gewiss, zu toppen nur mit einem Tesla, der ist aber mehr als doppelt so teuer. Börsianern jedoch fehlen beim Elektroabenteuer die Profite. Der BMW-Kurs stiegt zuletzt nicht mehr, trotz überzeugender Absatzzahlen und kleiner Gewinnzuwächse. Um den Erwartungen gerecht zu werden, müssten die Kosten runter. Der im Vergleich zum Euro schwache Dollar macht die Autos im wichtigen US-Markt teuer, Währungsturbulenzen setzen dem Schwellenländergeschäft zu. Aber der Branchenprimus ist nicht teuer, hat eine solide Dividende und bleibt auf dem Radar vieler Investoren. Attraktiv für Privatanleger sind die weniger liquiden Vorzüge (DE0005190037) mit einem achtfachen Kurs-Gewinn-Verhältnis und 4,1 Prozent Dividendenrendite.

Für Continental wird die Kursluft langsam dünn

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Commerzbank - Für Mutige

Nach schmerzhaften Kapitalerhöhungen könnten Aktionäre das Schlimmste hinter sich haben. Die Bank krempelt ihr Filialgeschäft um und gewinnt neue Kunden, der Abbau von Altlasten aus Schiffs- und Immobilienkrediten geht voran. Für 2014 sind keine großen Sprünge programmiert, Bankchef Martin Blessing hat sich bis 2016 Zeit gegeben, Sanierungsziele abzuarbeiten. Bis zu nachhaltigen Gewinnen und Kurssteigerungen ist es ein langer Weg. Doch jedes Anzeichen einer Erholung, etwa Portfolioverkäufe aus der internen Bad Bank oder Neugeschäft in den Filialen, wird der Aktie schnelle Gewinne bescheren. Sollte der EZB-Stresstest 2014 Bilanzlöcher zutage fördern, droht aber erneut der Teufelskreis aus Kursabstürzen und Kapitalerhöhungen.

Continental - Teures Teil

1400 Prozent haben Anleger gewonnen, die sich zu Jahresbeginn 2009 die Aktie von Continental ins Depot legten. Dies kann ein Zeichen für eine Überhitzung sein, muss es aber nicht: Die Gewinnbewertung mit dem Faktor 12,6 für 2014 etwa ist angesichts positiver Konjunkturaussichten eher günstig. Das Verhältnis von Marktwert zum Aktionärsvermögen ist mit 3,4 dagegen enorm hoch; hoch ist auch das Kurs-Cash-Flow-Verhältnis 2014 (7,7), niedrig dagegen die Dividendenrendite von 1,7 Prozent. Zwar ist Conti schon lange kein zyklischer Reifenhersteller (Umsatzanteil nur noch 29 Prozent) mehr, sondern ein breit diversifizierter High-Tech-Autozulieferer, dennoch wird die Kursluft langsam dünn und lädt zu Gewinnmitnahmen ein. In steigende Kurse hinein verkaufen.

Daimler - Rabatte runter

Mit einer Wachstumsoffensive versucht Daimler, Marktanteile zurückzugewinnen. Vor allem in Asien, wo Mercedes im Premiumsegment Audi und BMW von den Spitzenplätzen drängen will. Laut Finanzvorstand Bodo Uebber plant der Konzern, 30 neue Modelle bis 2020 auf den Markt zu bringen. In China etwa steht das Elektroauto Denza mit Kooperationspartner BYD vor der Einführung. Und zum Jahresstart kommt die neue C-Klasse. Erfolge bei neuen Modellen dürften sich zwar erst 2015 voll bemerkbar machen. Positive Signale sendet erstmals wieder der europäische Markt. Mercedes dürfte seine Rabatte hier wie auch in den USA 2014 reduzieren und mit mehr verkauften Autos für Profitabilität bei Daimler sorgen. Der Gewinn pro Aktie soll dann von 2014 auf 2015 um fast 15 Prozent anziehen – damit liegt Daimler vor BMW und sogar Volkswagen.

Deutsche Bank - Lange Schatten

Die Hausse beschert Aktionären seit Jahren das Gleiche: nichts. Der Kurs ist heute genauso hoch wie vor zwölf Monaten. Dabei war der Vorstand nicht untätig: Er hat die Bilanz um rund 400 Milliarden Euro verkleinert, zieht ein Sparprogramm durch, in der lange kriselnden Vermögensverwaltung lief es überraschend gut. Erfolge werden von Altlasten überschattet: Rund vier Milliarden Euro hatte die Bank für Rechtsstreitigkeiten zurückgestellt, vor Steuern verdiente sie deshalb 30 Prozent weniger. Bußgelder für Libor-Manipulation und eine mögliche finale Niederlage im Kirch-Prozess sind im Kurs drin, unklar sind die Folgen weiterer Zivilklagen und neuer Vorwürfe. Auch vom Regulierer droht Ungemach, die Deutsche Bank könnte zur Abtrennung des Investmentbanking verdonnert werden. Gemessen am Buchwert, ist sie eine der günstigsten europäischen Großbanken. Kaufen muss man die Aktie aber deshalb 2014 nicht.

Deutsche Börse - Zu viel Ruhe am Markt

Obwohl die Zahlen bislang schlechter sind als 2012, steht die Aktie höher als vor einem Jahr. Das Plus dürfte der Niedrigzinspolitik der Notenbanken und dem allgemeinen Aktienboom geschuldet sein. Die Nettoerlöse der Deutschen Börse verteilen sich auf die Terminbörse Eurex (45 Prozent), Zentralverwahrer Clearstream (35), die Handelsplattform Xetra und das Marktdatengeschäft (je 10). In den ersten neun Monaten schwächelte ausgerechnet das wichtigste Standbein Eurex: Die Handelsvolumina fallen, das Vorsteuerergebnis (Ebit) sank um 15 Prozent auf 287 Millionen Euro. Die ruhige Lage an den Finanzmärkten bremst die Handelsaktivitäten, Terminbörsen brauchen Turbulenzen. Xetra leidet unter dem Wettbewerb außerbörslicher Plattformen; bei Xetra und an der Eurex könnte zudem die Transaktionsteuer drücken. Das Ebit von Clearstream drittelte sich bis Oktober auf nur 88 Millionen Euro, wegen einer Strafzahlung in den USA. Hoffnung setzt Clearstream auf ein Projekt zur internen Verrechnung und Abwicklung von Wertpapieren, das Banken entlasten könnte, die künftig sehr viel mehr Eigenkapital vorhalten müssen. Aufgrund der schlechten Ergebnisse dürfte eine stabile Dividende fraglich sein, vor allem weil dann die Ausschüttungsquote über dem Zielkorridor von bis zu 60 Prozent des Ergebnisses liegen würde.

Die Aktie von Henkel hat sich in zwei Jahren fast verdoppelt

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Jeden Winter veröffentlichen die internationalen Banken ihren Kapitalmarktausblick für das kommende Jahr: Wie entwickeln sich einzelne Währungen, Staatsanleihen, die Inflation, das Wirtschaftswachstum einzelner Länder und Wirtschaftsregionen oder die Leitindizes. Als Rückversicherung geben viele Geldhäuser neben ihren Prognosen aber auch gleich noch mit an, dass natürlich alles ganz anders kommen kann. So gab beispielsweise der Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg, Uwe Burkert, zum Abschluss seines Kapitalmarktausblickes zu, dass gleich ein ganzes Bündel möglicher Gefahren die Zuversicht der Investoren ins Wanken bringen und sämtliche Aktienprognosen über den Haufen werfen könnte. So könnte die Angst vor dem Platzen von Preisblasen an den Finanzmärkten für Verunsicherung sorgen.

Im Folgenden also die Analystenprognosen - wie immer ohne Gewähr.

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Aktienprognose von Schroeders

Die Experten der britischen Vermögensverwaltung Schroeders gehen davon aus, dass europäische Aktien auch 2014 ein starkes Aufwärtspotenzial haben. "Ein verbessertes Ertrags-Momentum dürfte als nächster Impulsgeber für einen Aufschwung bei europäischen Aktien dienen", sagt Rory Bateman, Leiter britische und europäische Aktien bei Schroders. Für ihn ist im kommenden Jahr ein Stockpicking-Ansatz der Schlüssel zum Erfolg, um die Gewinner unter den europäischen Werten zu ermitteln. "Anleger sollten sich nun darauf konzentrieren, zwischen den verschiedenen Grautönen innerhalb des europäischen Marktes zu unterscheiden. Allgemeingültige Anlagestrategien für bestimmte Sektoren oder Ländern sind nämlich nicht mehr angebracht. 2014 wird für den europäischen Aktienmarkt ein Jahr der Einzeltitelauswahl", ist der europäische Aktienexperte überzeugt. Er rät beispielsweise zu Papieren von Unternehmen aus dem Lebensmittel- und Getränkesektor sowie zu Konsumgüterherstellern.

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Schroeders zur Entwicklung bei den Banken

Mit Blick auf die viel befürchtete Bankenkrise in Europa kann Bateman beruhigen: „Das Risiko einer systemischen Bankenkrise in Europa ist praktisch nicht mehr vorhanden. Die Banken in der Region haben den Fremdkapitalanteil und die Risikopositionen in ihren Bilanzen abgebaut und geben Aktien aus. Der Sektor ist also auf dem richtigen Weg, um die in Basel III festgelegte Kernkapitalquote von zehn Prozent bis Ende 2013 umzusetzen – weit vor der gesetzlich vorgesehenen Frist.“

Außerdem werde die Europäische Zentralbank (EZB) 2014 die Vermögensqualität im Bankensektor prüfen. Und auch wenn einzelne Banken vermutlich zusätzliches Kapital benötigen werden, geht der europäische Aktienexperte davon aus, dass das Vertrauen damit nicht nur wiederhergestellt, sondern auch signalisiert werde, dass die europäischen Banken kein systemisches Risiko mehr darstellen. Während spanische Banken aufgrund von Immobilienkrediten mit Schwierigkeiten zu kämpfen hätten, würden notleidende Kredite auch den italienischen Banken gewisse Unsicherheiten bescheren.

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DAX-Prognose der Targobank

Der Targobank-Chefvolkswirt Otmar Lang blickt optimistisch in das kommende Börsenjahr: „Wir sehen für den DAX ein Rückschlagpotenzial bis 8.300 Indexpunkte, erwarten ihn aber zum Jahresende 2014 bei rund 10.700 Zählern“, sagt er. Obwohl der deutsche Leitindex in den letzten zwei Jahren gut 30 Prozent zugelegt habe, sei er noch nicht überwertet. "Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt in der Nähe der langfristigen Durchschnitte", so Lang. Die große Skepsis der Vergangenheit, die sich in sehr niedrigen Bewertungen niederschlug, sei in hoffnungsvolle Erwartungen umgeschlagen.

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Rohstoffausblick der Targobank

Bei den Rohstoffmärkten werde sich auch 2014 nicht viel tun, so Lang. Jedenfalls lasse die Aufwärtsbewegung weiter auf sich warten.

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Targobank zur Inflation und Geldpolitik

Chefvolkswirt Lang geht davon aus, dass die US-Notenbank FED unter neuer Führung eine Wende in der Geldpolitik einleiten, aber sehr, sehr viel Augenmaß walten lassen wird. "Die Notenbanken werden ihre Geldpolitik nur ändern, wenn die Konjunktur anzieht." Es sei dennoch möglich, dass die FED im Laufe des zweiten Quartals 2014 ihr Anleihen-Ankauf-Programm reduziere. Und weiter: "Je lockerer die europäische Geldpolitik wird, desto fester notiert der Euro." Der Glaube an mögliche Wunderwaffen der EZB und vor allem an den "Magier" Draghi erstaune, solle aber nicht beiseite gewischt werden. "Wir sind skeptisch, ob ein Zurückfahren der lockeren Geldpolitik, womit im ersten Halbjahr 2014 gerechnet werden sollte, in den USA wirklich einen stärkeren Dollar bedingt. Das gilt umso mehr, wenn Europa sich 2014 aus der Rezession befreien kann."

Inflation spielt Lang zufolge 2014 keine Rolle. "Es ist sogar möglich, dass sich der Preisauftrieb für den gesamten Euroraum der Null-Linie nähert", prognostiziert er. "Das wird der EZB nicht gefallen." Auch die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit in den europäischen Südländern dürfte sie beunruhigen.

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Targobank zur Weltkonjunktur und den Anleihemärkten

"Die Weltkonjunktur wird sich in den kommenden sechs Monaten nur langsam erholen", sagt Lang. "Belebungseffekte gehen von den USA aus, aber weiter nur sehr verhalten von den Emerging Markets." So werde die chinesische Wirtschaft erst in der zweiten Hälfte 2014 Fahrt aufnehmen. Europa könne sich zwar aus der Rezession befreien, doch ein konjunktureller Aufwärtstrend werde sich frühestens Mitte 2014 herausbilden. "Deutschland kann mit positiven Wachstumsraten rechnen", glaubt der Experte.

An den Rentenmärkten haben "Südeuropäische Anleihen Kurspotenzial, weil es der Politik gelingen sollte, die Euro-Krise weiter einzudämmen", sagt Lang. "Die jüngsten, wenn auch nur marginalen Rating-Verbesserungen für Griechenland und Spanien, sind Vorboten einer Stabilisierung in der Eurokrise." Das Schwerpunktinvestment der Targobank blieben aber dennoch Unternehmensanleihen mit kürzeren Laufzeiten.

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Fidelity Investments zur Entwicklung am Aktienmarkt

Der aktuelle Optimismus an den Börsen sollte Anleger 2014 nicht unvorsichtig werden lassen. "Verbesserte Konjunkturaussichten bedeuten nicht automatisch höhere Erträge am Aktienmarkt", warnt Dan Roberts, Fondsmanager des Fidelity Global Dividend Fund. Er rechnet für 2014 mit weniger ausgeprägten Kurszuwächsen am Aktienmarkt. "Die Unternehmen müssen nun erst einmal den in den Kursen eingepreisten Erwartungen gerecht werden. Eine Strategie, die sich auf solide und ertragsstarke Aktien konzentriert, beinhaltet meines Erachtens im kommenden Jahr und langfristig die beste Aussicht auf gute Erträge."

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Fidelity zur Entwicklung in den USA und Japan

Nach Ansicht von Adrian Brass, Fondsmanager des Fidelity America Fund, werden das Vertrauen in die US-Wirtschaft zurückkehren und die Lage am Arbeits- und am Häusermarkt wird sich entspannen. "So steigt das Konsumklima auch trotz der jüngsten Steuererhöhungen", so Brass. Die Erholung werde jedoch noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Sein Kollege Alex Treves, Leiter Aktien Japan bei Fidelity, warnt außerdem davor, Japan zu unterschätzen oder gar zu ignorieren. "Der japanische Markt tritt seit Monaten auf der Stelle", sagt er. Allerdings erkenne der geduldige Beobachter, dass die Gewinne steigen und die gesamtwirtschaftlichen Daten sich kontinuierlich bessern. "Auch wenn der Wandel nicht plötzlich kommt, langfristig sind die Aussichten für eine Rehabilitation der nach wie vor drittgrößten Volkswirtschaft der Welt wirklich gut. Es empfiehlt sich daher jetzt eine Strategie, die auf eine fundierte Titelauswahl setzt. Denn die Gewinner von morgen sind in der Regel andere als die Giganten von heute."

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Fidelity zur Entwicklung in den Schwellenländern

Die Fidelity-Analysten werfen auch einen Blick nach Fernost. So sagt Nick Price, Leiter des Bereichs Schwellenländeraktien bei Fidelity, dass viele die geschwächten Schwellenländerwährungen für ein Problem halten, er jedoch davon ausgeht, dass die Währungsschwäche die Leistungsbilanzdefizite der Länder ausgleicht. "Zudem muss man sich um den Konsum in den Schwellenländern nicht sorgen: In vielen Konsumgüterbereichen steigen die Absatzzahlen weiterhin im zweistelligen Prozentbereich", glaubt Price. Seine Kollegin Polly Kwan, Fondsmanagerin des Fidelity Asia Pacific Dividend Fund, geht davon aus, dass 2014 exportorientierte Unternehmen aus ganz Asien von der anziehenden Konjunktur in den Industrieländern profitieren werden. "Das erwartete Wachstum des Bruttoinlandprodukts der Region liegt bei rund sechs Prozent aufs Jahr gerechnet." Besonders koreanische Autoherstellern, taiwanesische Technologieunternehmen und chinesische Baufirmen könnten sich lohnen.

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Julius Bär zur Anlagestrategie 2014

Die Schweizer Privatbank Julius Bär hat bereits am 20. November einen Blick in die Zukunft der Finanzmärkte gewagt. "Die Risikoprämien auf Aktien dürften sich weiter zu Gunsten risikoreicherer Anlageklasse und auf Kosten von festverzinslichen Anlagen abbauen“, meint Christian Gattiker, Chefstratege und Head Research bei Julius Bär. Auch bei den Schwellenländer- und Rohstoffanlagen als Allheilmittel zeigen sich auf makroökonomischer Ebene deutliche Ermüdungserscheinungen: Viele Schwellenländer haben zu lange zu günstiges Kapital aus den reifen Märkten erhalten und sich an diesen Geldsegen gewöhnt. Das Resultat sind überzogene Konsumraten und Überinvestitionen.

Für 2014 rufen die Anlagespezialisten der Bank Julius Bär das Motto "Mut zum Risiko" aus - andernfalls ist das investierte Geld nämlich futsch. So paradox es klingen mag. Denn noch setzen die Anleger auf die trügerische Sicherheit bewährter Anlagestrategie und verlieren ihr Geld mit festverzinslichen Anlagen, Gold oder Schwellenländeraktien oder lassen ihre Barmittel über die Konsumentenpreise entwerten. Und zu viel Überwindung kostet es im Gegenzug, in Anlagen wie US-Aktien zu investieren, die auf einem Allzeithoch notieren. Oder in europäische Aktien, von denen einige Märkte fast um die Hälfte höher notieren als noch Mitte 2012. Wer 2014 eine Rendite erzielen will, muss aber in genau diese Papiere investieren und damit seine kuschelige, geldfressende Komfortzone verlassen. „Das Jahr 2014 wird wie jedes andere auch seine Krisen und Schwierigkeiten bereithalten. Dennoch stehen die Chancen gut, dass eine solide Rendite auf Risikoanlagen erzielt werden kann und sich somit das Verlassen der Komfortzone lohnt“, so Gattiker. Potenzial sieht er in der Wiederankoppelung der europäischen peripheren Kapitalmärkte an das steigende deutsche Zinsniveau, bei Wandelanleihen, im globalen Markt für Fusionen und Übernahmen, bei der Etablierung der chinesischen Währung als neue globale Reservewährung und bei thematischen Anlagen im Gesundheitswesen.

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Julius Bär zur expansiven Geldpolitik

Anders als die deutschen Analysten geht Julius Bär davon aus, dass die US-Notenbank Fed 2014 einen Teil ihrer geldpolitischen Maßnahmen zurückfahren oder sogar ganz beenden wird. Mit der ersten US-Leitzinserhöhung sei gemäß Bär-Experten frühestens Ende 2015 oder sogar erst 2016 zu rechnen, wenn sich die Arbeitslosenquote der 6.5 Prozent-Marke genähert hat. Auch die Notenbanken in Europa, Japan, Großbritannien und in der Schweiz werden ihre Leitzinsen 2014 nahe bei der Nullgrenze belassen, um so die noch schwache Konjunktur nicht zu gefährden. Dagegen mussten verschiedene Schwellenländer wie Brasilien, Indien und Indonesien bereits 2013 ihre Leitzinsen erhöhen, um sowohl gegen die Teuerung als auch schwache Lokalwährung anzukämpfen. Insgesamt gesehen werden die wichtigen Notenbanken alles tun, um ihre Politikänderungen für die Finanzmärkte möglichst verträglich umzusetzen.

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Julius Bär zur Eurozone

Der Eurozone prophezeit die Schweizer Bank für das kommende Jahr eine Inflationsrate von einem Prozent und ein mäßiges Wachstum. Nach wie vor bremsen Strukturanpassungen und Schuldenabbau die Nachfrage. „Dieses verhaltene Wirtschaftswachstum reicht nicht aus, die immer noch hohe Arbeitslosigkeit zu drücken. Auch könnte sich die anhaltende Kreditklemme der Banken in der Europeripherie mittelfristig zu einem erheblichen Konjunkturrisiko ausweiten, sollte sie 2014 nicht gelöst werden“, sagt Janwillem Acket, Chefökonom von Julius Bär. „Gegenüber den USA und Großbritannien, deren Wachstumsdynamik nächstes Jahr zwei bis drei Prozent erreichen wird, sind die Euroländer bei der Reduktion der privaten Schuldenlast mindestens zwei Jahre in Verzug.“

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Prognose der DZ Bank

Die DZ Bank blickt positiv ins kommende Jahr: „2014 zeichnet sich für die deutsche Wirtschaft eine deutliche Konjunkturbeschleunigung ab. Vor allem die DAX-Unternehmen werden dank ihrer Exportorientierung in hohem Maße von der Erholung der Eurozone und der stärkeren Weltkonjunktur profitieren. Dementsprechend rechnen wir mit einer Reihe positiver Impulse für die Aktienmärkte, insbesondere in Deutschland“, sagt Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research & Volkswirtschaft der DZ BANK.

Für die Wirtschaft in Deutschland erwartet das DZ BANK Research im Jahr 2014 ein Wachstum von 2,3 Prozent. Den Stand des Deutschen Aktienindex (DAX) schätzen die Experten der DZ BANK zum Jahresende 2014 auf 10.200 Punkte. Die Inflationsrate werde indes in Deutschland moderat auf 2,1 Prozent im kommenden Jahr steigen und damit über dem Durchschnitt der Eurozone von 1,8 Prozent liegen. „Wie sich Wirtschaftswachstum, Inflation und Aktienmärkte danach weiter entwickeln, hängt wesentlich vom Agieren der Notenbanken ab. Mit der Ausweitung ihrer Bilanzen hat sich ihr Einfluss stetig vergrößert. Wir glauben aber nicht an ein baldiges Ende der expansiven Geldpolitik“, sagt Bielmeier.

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DZ Bank zur allgemeinen Wirtschaftsentwicklung

Auch für das deutsche Wirtschaftswachstum fallen die Prognosen der DZ Bank gut aus: „Die deutsche Wirtschaft kommt bereits aus einer Position der relativen Stärke. Das sich aufhellende internationale Umfeld wird 2014 für weiteres Wachstum sorgen“, sagt Michael Holstein, Leiter Volkswirtschaft der DZ BANK. Für die Weltwirtschaft erwarte man eine tiefgreifende Erholung mit einem Wachstum von 3,75 Prozent. Die Wirtschaft der Eurozone soll nach eineinhalb Jahren der Rezession voraussichtlich um 1,2 Prozent wachsen. Die expansive Geldpolitik der Notenbanken und das niedrige Zinsniveau sorgen außerdem für steigende Investitionsausgaben.

Das DZ BANK Research erwartet, dass die Arbeitslosenquote auf 6,8 Prozent im Jahr 2014 und dann auf 6,3 Prozent im Jahr 2015 sinkt. Als Ergebnis dieser Vielzahl positiver Impulse erwarten die Experten der DZ BANK eine weitere Beschleunigung des deutschen BIP-Wachstums von 2,3 Prozent im Jahr 2014 auf 2,6 Prozent im Jahr 2015.

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Das empfiehlt die DZ Bank Anlegern

Die positiven wirtschaftlichen Aussichten, die zunächst ausbleibende Zinswende und das Fehlen echter Anlagealternativen sprechen nach Ansicht von Christian Kahler, Chefanlagestratege der DZ BANK, weiter für ein Investment in Aktien. „Jedem Anleger sollte inzwischen klar sein, dass ein Großteil der bisherigen Performance am Aktienmarkt auf das Konto von Aktienrückkäufen und verbesserten Refinanzierungskonditionen der Unternehmen geht und nicht auf eine dynamische Gewinnentwicklung der Unternehmen“, so Kahler. „Das ändert sich mit der Konjunkturbelebung.“

Insbesondere deutsche und europäische Aktien seien im Vergleich zu den überteuerten Anleihemärkten immer noch günstig bewertet. „Deutschland ist ein klarer Profiteur in unserem Konjunkturszenario, weil hier der „Joker“ eines überdurchschnittlich starken Exportgeschäfts greift. Auf Basis der erwarteten Steigerung der Unternehmensgewinne sehen wir den DAX Ende nächsten Jahres bei 10.200 Punkten. Wir gehen davon aus, dass die Gewinne der DAX-Unternehmen 2014 nominal um rund 10 Prozent steigen werden“, sagt Kahler.

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Deutsche Bank zum Wirtschaftswachstum

Auch die Experten von Deutschlands größter Bank haben einen Blick in ihre Glaskugel geworfen. Wie die Kollegen von der DZ Bank gehen sie in ihrem Konjunkturausblick 2014 von einer weltweiten Beschleunigung des Wachstums aus. "Wir erwarten für 2014 ein Wachstum der Weltwirtschaft von rund drei Prozent, das damit deutlich höher ausfällt als im laufenden Jahr", sagte Stefan Schneider, Chef-Volkswirt der Deutschen Bank für Deutschland. Als Haupttreiber der Weltkonjunktur sieht Schneider die USA. Dort werden vom Immobilien- und vom Arbeitsmarkt deutliche Konjunkturimpulse erwartet. Damit sei der Weg frei für robustere Konsum- und steigende Investitionsausgaben des Unternehmenssektors.

Für Deutschland rechnet die Deutsche Bank 2014 mit einem Plus von 1,5 Prozent. Aber auch die Eurozone sollte 2014 nach zwei Jahren der Schrumpfung um gut ein Prozent zulegen. Aufgrund des robusten Arbeitsmarktes, steigender Realeinkommen und mehr Investitionen wird die Binnenkonjunktur kräftig zum deutschen Wachstum beitragen. Die zunehmende globale Nachfrage wird auch dem zuletzt schwächelnden Export wieder neue Impulse verleihen.

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Deutsche Bank zur Entwicklung an den Börsen

Wegen dieser prognostizierten Entwicklung ist die Deutsche Bank auch für die weitere Entwicklung an den Börsen optimistisch. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, sagte: "Die kurzfristigen Zinsen werden auch 2014 auf einem niedrigen Niveau bleiben." In diesem Umfeld kann der DAX nach Ansicht der Deutschen Bank neue Höchststände erreichen und bis Ende 2014 auf 9.800 Punkte zulegen. In einem optimistischen Szenario sind sogar höhere Indexstände denkbar. "Aufgrund des höheren Wachstums und steigender Unternehmensgewinne spricht auch 2014 vieles für die Aktie", so Stephan.

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Deutsche Bank zu Währungen und Anleihen

Da die Geldpolitik der Notenbanken in unterschiedliche Richtungen verläuft, sieht Experte Ulrich Stephan den Euro im Nachteil und rechnet mittelfristig mit einer Aufwertung des US-Dollars. Für die Anlageexperten der Deutschen Bank ist die sich abzeichnende Dollar-Stärke langfristig ein Leitmotiv der Vermögensstrukturierung: "Privatanleger sollten ihr ausgewogenes Portfolio stärker auf Aktien ausrichten mit Schwerpunkt auf Industrieländeraktien und US-Dollar", rät Stephan. Dazu empfiehlt er auch die Beimischung von Anleihen aus der Peripherie sowie Immobilien. Liquidität und Rohstoffe spielen in diesem Anlageuniversum mittelfristig eine eher untergeordnete Rolle.

Bei den Anleihen sieht es auch 2014 nicht gut aus. Laut Prognosen der Deutschen Bank werden sie auch 2014 kaum verzinst. Nach der jüngsten Leitzinssenkung ist eine deutliche Renditesteigerung nicht zu erwarten. Im defensiven Rentensegment bieten Staatsanleihen und Pfandbriefe (Covered Bonds) der europäischen Peripherieländer Chancen auf positive Realrenditen. Bei den 5-jährigen Staatsanleihen Italiens und Spaniens beträgt die Rendite jeweils 2,8 Prozent, bei Covered Bonds 3,5 Prozent bzw. 3,3 Prozent (deutsche Pfandbriefe: 1,1 Prozent). Staatsanleihen aus Schwellenländern sowie Unternehmensanleihen ohne Investment-Grade bieten laut Anlagestratege Stephan zwar mehr Zinsen, seien aber auch entsprechend risikoreicher, da sie von der Zinsentwicklung in den USA abhingen und damit schwankungsanfällig seien.

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Deutsche Bank zu Aktien und Anlagestrategien

Für konservative Anleger werde es voraussichtlich schwer, positive Erträge zu erwirtschaften, zumindest nach Bereinigung um die Inflationsrate. Diese sei zwar mit 1,6 Prozent niedrig, führe jedoch zu einem schleichenden Wertverlust bei Sparbüchern und Tagesgeldkonten.

Aktien seien deshalb die einzig sinnvolle Alternative. Für Anleger, die auf laufendes Einkommen Wert legen, empfiehlt Ulrich Stephan dividendenstarke Aktientitel. Der Anlageexperte sieht die Dividendenrenditen vieler Aktienindizes weltweit über der für 2014 prognostizierten Inflationsrate für den Euroraum. So könne die Dividendenrendite in Europa 2014 über drei Prozent betragen. Das höhere Wirtschaftswachstum sowie eine robuste Gewinnentwicklung erhöhen zudem die Stabilität der Dividenden. Die Rahmenbedingungen für weitere Kursgewinne auch am deutschen Aktienmarkt sind weiterhin gut. Steigende Gewinne trauen die Anlageexperten auch amerikanischen Firmen zu, bei denen es bereits 2013 positive Entwicklungen gegeben hat. Die Unternehmensgewinne und damit auch die Kurse dürften im Schnitt weiter steigen. Für die Experten der Deutschen Bank sind US-Aktien im Jahr 2014 ein Kerninvestment. "US-Aktien sollten 2014 ein sicherer Hafen am Aktienmarkt sein", betonte Stephan. "Wenn sich Bewertungen und Gewinnwachstum auf normalem Niveau entwickeln, ist in den USA eine Jahresperformance im hohen einstelligen Bereich möglich." Der Chef-Anlagestratege hält in einem ausgewogenen Aktiendepot eine Allokation von jeweils einem Drittel USA, Europa sowie Asien für sinnvoll. In Asien bietet sich eine Aufteilung von etwa einem Drittel Japan und zwei Drittel Emerging Asia an.

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Deka-Bank zur Wirtschaftsentwicklung

Auch die Deka-Gruppe sieht die Finanzmärkte und die globale Wirtschaft in den nächsten beiden Jahren auf Erholungskurs. Für die meisten Regionen der Weltwirtschaft und in Europa prognostizieren die Experten der Dekafür 2014 und 2015 erfreuliche Wachstumsraten. „Die Kombination aus finanzieller Repression mit ultraniedrigen Zinssätzen und Aufkäufen von Staatsanleihen hat das Vertrauen in das Funktionieren der Finanzmärkte gestärkt“, resümiert Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank. Die globale Wirtschaft soll nach den Prognosen der Deka-Gruppe in den kommenden beiden Jahren um mehr als drei Prozent (3,3 Prozent für 2014 und 3,6 Prozent in 2015) wachsen.

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Dekabank-Prognose zu den Schwellenländern

Weniger optimistisch sind die Einschätzungen in Teilen der Schwellenländer wie beispielsweise Indien, Brasilien oder China. Die in diesen Ländern bereits seit 2012 abgeschwächte Wirtschaftsdynamik wird in den kommenden beiden Jahren voraussichtlich weiter an Kraft verlieren.

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Deka-Prognose für das Euroland

Für die Eurozone unterbieten die Deka-Analysten die Inflationsprognosen der Kollegen aus anderen Häusern. Sie rechnen mit einer Teuerungsrate von 1,2 Prozent für 2014 und 1,5 Prozent in 2015. In Deutschland sei mit leicht erhöhten Raten von 1,6 Prozent im kommenden Jahr und 2,1 Prozent in 2015 zu rechnen. Die Experten der Deka-Gruppe gehen von einer Weiterführung der expansiven Geldpolitik und einem anhaltenden Niedrigzinsumfeld in den nächsten Jahren aus. Eine Fortsetzung dieser Geldpolitik, warnt der DekaBank-Chefvolkswirt Ulrich Kater, ziehe jedoch Kollateralschäden nach sich. „Im Ergebnis steigen die Belastungen für die deutschen Sparer, denn immer größere Teile ihres Geldvermögens werden zu Phantomersparnissen“, betont Kater.

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Dekabank zur Entwicklung an den Aktienmärkten

Aus Sicht von Frank Hagenstein, Chefanlagestratege der Deka, stellen Kursrückgänge an den entwickelten Aktienmärkten weiterhin Einstiegsgelegenheiten dar. Angesichts attraktiver Dividendenrenditen bleiben Aktien das attraktivste Investment. Allerdings sind die Prognosen nicht mehr ganz so positiv wie zu Beginn des Jahres 2013. Hagenstein weist darauf hin, dass die jüngsten Kurssteigerungen primär liquiditätsgetrieben waren. Das erhöhe die Gefahr von Kursrücksetzern. „Weitere Zuwächse an den Aktienmärkten bedürfen daher deutlicher Gewinnsteigerungen der Unternehmen“, so Hagenstein.

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Dekabank zur Entwicklung an den Rentenmärkten

Auf der Rentenseite rechnet der Chefanlagestratege der Deka mit moderaten Zinssteigerungen bei Staatsanleihen der Kernmärkte. High-Yield-Anleihen sollten im Jahr 2014 dagegen zu den begünstigten Rentensegmenten gehören. Sie bieten Renditepuffer für den Fall steigender Zinsen und profitieren von der anhaltenden Rotation innerhalb dieser Anlageklasse. Potenzielle Risiken sieht Frank Hagenstein in einem stärkeren Renditeanstieg bei länger laufenden Staatsanleihen der Kernländer.

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Dax-Prognose der Landesbank Baden-Württemberg

Die Analysten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sind besonders euphorisch, was die Entwicklung des DAX anbelangt: "Nachdem der DAX in diesem Jahr rund 1500 Punkte gewonnen hat, erscheint bis Ende 2014 ein Anstieg auf 9800 Zähler realistisch", sagte Aktienstratege Berndt Fernow. "Selbst ein zeitweises Allzeithoch von 10000 Punkten liegt im Bereich des Möglichen." Für Fernow werden im kommenden Jahr Gewinnsteigerungen die Kurse treiben: "Ertragszusätze um knapp zehn Prozent erscheinen realistisch."

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LBBW zur Entwicklung der deutschen Wirtschaft 2014

Die LBBW ist sich sicher: 2014 wird das Jahr der deutschen Wirtschaft. Erstmals seit rund 15 Jahren soll die Bundesrepublik wieder eine lebhaftere Binnennachfrage vorweisen. "Nicht mehr die Exporte werden das Wachstum treiben, sondern die Binnennachfrage", sagt LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert. Er verwies nicht nur auf die verlangsamte Importneigung der Schwellenländer und die Fortschritte der europäischen Krisenstaaten bei den Lohnstückkosten. Erstmals seit Ende der Neunzigerjahre rechnet er 2014 wieder mit Konsumzuwächsen von rund zwei Prozent: "Die Neigung zum Kauf langlebiger Konsumgüter – und in der Folge die lang erwartete Belebung der privaten Konsumnachfrage – ist so hoch wie seit langem nicht mehr." Eine weitere Schlüsselgröße für die erwartete Konjunkturerholung seien die Ausrüstungsinvestitionen, die angesichts rekordtiefer Zinsen und mehr politischer Sicherheit wieder anziehen sollten. Die deutsche Wirtschaft sieht er im kommenden Jahr um 2,0 Prozent wachsen.

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LBBW zu Rohstoffpreisen

Bei der Entwicklung des Goldpreises malen die LBBW-Experten allerdings kein rosiges Bild: "Beim Goldpreis gehen wir von leicht nachgebenden Notierungen 2014 aus", sagte Rohstoffanalyst Frank Schallenberger voraus. In der westlichen Welt sei angesichts des freundlicheren Konjunkturumfelds kaum mit einer Zunahme der Anlegernachfrage zu rechnen. In Asien dürften zudem geringere Goldimporte Indiens nur unvollständig durch eine steigende Nachfrage aus China ausgeglichen werden, begründete er seine Prognose. Für Ende 2014 sieht Schallenberger die Feinunze Gold bei 1200 US-Dollar.

Bei den sogenannten Basismetallen sowie Silber, Platin und Palladium sollen die Notierungen im kommenden Jahr dagegen wieder steigen. Grund seien die verbesserten Konjunkturaussichten.

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Entwicklung des Euro aus Sicht der LBBW

Die Analysten der LBBW sind, wie auch ihre Kollegen aus anderen Banken, davon überzeugt, dass die US-Notenbank Fed das Bild der Devisenmärkte weiter prägen wird. Den Kurs des Euro sieht Chefvolkswirt Burkert deshalb bis Ende 2014 auf 1,30 Dollar sinken. "Erstens wird die Federal Reserve ihre Leitzinsen früher anheben als die EZB. Zudem sollte die US-Wirtschaft mit drei Prozent Wachstum den Euroraum weit hinter sich lassen", betont er. Drittens zeigen LBBW-Berechnungen den Euro zum US-Dollar überbewertet.

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Deutsche Post - Express-Wachstum

Wird die Post 2014 den Versand revolutionieren? Zuletzt testete sie Drohnen für Paketlieferungen. Das Projekt ist noch Spielerei, Drohnen sind nicht einmal für den Luftraum zugelassen. Für Express-Lieferungen wie Medikamente könnte es trotzdem funktionieren, aber noch nicht 2014. Der reguläre Express-Versand boomt, brachte 2012 erstmals die größten Beiträge zum Konzernergebnis vor Steuern. Deshalb vergrößern die Bonner jetzt ihr Drehkreuz in Leipzig, Ende 2014 soll eine neue Sortieranlage in Betrieb gehen. Mit dem neuen Briefporto, das ab Januar um zwei Cent auf 60 Cent steigt, läuft das Jahr vielversprechend an. Manko: Unternehmenskunden suchen nach günstigeren Alternativen für den Briefversand.

Deutsche Telekom - Investitionsdruck

Die Aktie ist eines der Gewinner-Papiere 2013, sie legte rund ein Drittel zu. Vor allem die starke US-Tochter T-Mobile trägt das Wachstum. Auf dem Heimatmarkt war es ein hartes Jahr – und auch 2014 hält Härten bereit: Nach einem Rechtsstreit muss die Telekom ihre unbegrenzten Flatrate-Tarife beibehalten. Um die Kosten der steigenden Internet-Nutzung abzufedern, bietet sie künftig volumenbeschränkte Tarife an. Der Netzausbau steht weiter ganz oben auf der Agenda. Schnellere Verbindungen und bessere Anbindung von Randregionen könnten die Telekom langfristig bis zu 80 Milliarden Euro kosten. Zu viel für kleinere Konkurrenten: E-Plus und Telefónica wollen fusionieren, um die kostenintensiven Herausforderungen anzugehen. Für die Deutsche Telekom und ihren neuen Chef Timotheus Höttges sinkt damit der Wettbewerbsdruck etwas. Aktionäre müssen sich aber auf geringere Dividenden einstellen, nach 70 Cent 2012 sind jetzt 50 Cent wahrscheinlich.

Fresenius Medical Care - Schulden-Opfer

Dass in den USA Kassenvergütungen für Nierenwäschebehandlungen ab 2014 nun doch nicht so stark gekürzt werden wie befürchtet, hat FMC-Aktien wieder deutlich steigen lassen. Allerdings: Die Risiken im US-Geschäft, das zwei Drittel zu den für 2014 erwarteten gut 15 Milliarden Dollar Konzernumsatz des Dialyse-Weltmarktführers beiträgt, sind nur vertagt. Angesichts überbordender Staatsschulden sind Einschnitte im US-Gesundheitswesen nur eine Frage der Zeit. Hohe Kosten für Personal und Energie drücken die Marge zusätzlich. Kein Wunder, dass FMC deshalb das Dialyse-Geschäft in den Schwellenländern ausbaut. Angesichts steigenden Wohlstands können sich immer mehr Nierenkranke behandeln lassen – für FMC langfristig die entscheidende Wachstumsgeschichte. Kurzfristig dürfte der Zuwachs etwas schwächer ausfallen. Daran gemessen ist die teure Aktie nur eine Halteposition.

Fresenius - Gesund mit Risiko

Dank der geburtenstarken Jahrgänge der Sechzigerjahre wird es in den Industrieländern in den nächsten Jahrzehnten so viele ältere Menschen geben wie nie zuvor. Der Bedarf an Pflege, Versorgung und medizinischer Betreuung – vom Herzkatheter bis zur Dialyse – wird enorm steigen. Als integrierter Gesundheitskonzern mit den Geschäftsschwerpunkten Blutwäsche (FMC, siehe dort), Infusionslösungen, intravenös zu verabreichende Medikamente, Flüssignahrung (Kabi) und Kliniken (Helios) hat Fresenius eine starke Position in diesem Megatrend. Gelingt 2014 zudem wie geplant die Integration von 43 durchaus rentablen Krankenhäusern der Rhönklinik, würde der Umsatz von gut 20 Milliarden Euro auf deutlich über 22 Milliarden klettern. Kehrseite der Expansion: Fresenius hat 10,2 Milliarden Euro Nettoschulden, Standard & Poor’s betrachtet das Unternehmen als spekulative Anlage. Das gilt auch für die Aktie: Sie bleibt ein risikoreiches Trend-Investment.

E.On - Dreifacher Kraftakt

Für den Versorger zeichnet sich etwas Hoffnung ab: Geht es nach dem Willen der großen Koalition, wird Ökostrom zwar ausgebaut (bis 2025 auf 40 bis 45 Prozent), doch konventionelle Kraftwerke (auch von E.On) bleiben Schwerpunkt der Energieerzeugung. Wenn sich dazu noch die Stabilisierung der Strompreise fortsetzt, sollte E.On den Nettogewinn von 2013 (rund 2,3 Milliarden Euro) 2014 halten. Einen immer größeren Anteil holt der Konzern aus dem Ausland. In der Türkei etwa hat E.On über ein Gemeinschaftsabkommen neun Millionen Kunden (in Deutschland sechs Millionen). In den USA floriert die Windenergie – weltweit ist E.On der achtgrößte Betreiber von Windkraftanlagen und drittgrößter Betreiber von Offshore-Windparks. Zurückziehen könnte sich E.On aus Italien; der Verkaufserlös würde helfen, die klammen Kassen zu füllen. Energiegeschäft stabilisieren, durch internationale Expansion unabhängiger vom deutschen Markt werden und Finanzen sanieren – wenn der dreifache Kraftakt gelingt, werden E.On-Aktien deutlich höher notieren als heute. Wenn nicht, wird es düster in der Schaltzentrale am E.On-Platz 1 in Düsseldorf.

HeidelbergerCement - Deckel bei 60 Euro

Die Erholung der Baustoffnachfrage in Europa und Nordamerika sowie Wachstum in Asien und Afrika bescherten dem drittgrößten Zementkonzern zuletzt steigenden Absatz. In wichtigen Regionen konnten die Heidelberger zudem Preise anheben. Doch höhere Mengen und Preise spiegeln sich nicht zwingend in höheren Erlösen, wenn sie von Währungseffekten ausgehebelt werden. Abzulesen ist dieser Effekt auch am Kurs der indonesischen Mehrheitsbeteiligung Indocement (51 Prozent). Deren Aktien notieren in Jakarta ein Drittel unter ihrem Hoch vom Mai, in Euro gerechnet aber knapp die Hälfte darunter. Latente Risiken im energie- und kapitalintensiven Zementgeschäft sind steigende Energiepreise und Zinsen. HeidelbergCement hat noch acht Milliarden Euro Nettofinanzschulden. Nach fünf gescheiterten Anläufen auf die Marke von 60 Euro führt der Weg des geringsten Widerstandes nach unten.

Henkel - Kurskleber gefragt

Die Aktie hat sich in zwei Jahren fast verdoppelt, ist im Vergleich zu Procter & Gamble, Colgate, L’Oréal nicht mehr günstig – ein altes Kaufargument der Henkel-Fürsprecher fällt so weg. Die Dividende ist wenig aktionärsfreundlich, mit 1,3 Prozent gehört die Rendite zu den kümmerlichsten im Dax. Henkel konnte 2013 Profitabilität und Kapitalrendite leicht verbessern; dabei halfen auch rückläufige Rohstoffkosten. Doch der Umsatz lässt zu wünschen übrig. Wachsen können die Düsseldorfer nur in Schwellenländern (im dritten Quartal 9,1 Prozent gegenüber Vorjahr), während das Geschäft in Industrieländern stagniert: 0,6 Prozent Umsatzwachstum sind wenig, vor allem angesichts der brummenden deutschen und anziehenden US-Konjunktur. Hoffnung macht die Klebstoffsparte. Henkel ist Weltmarktführer, kleben von Bauteilen (statt schweißen oder schrauben) ist ein Megatrend. In China eröffnete Henkel vor Kurzem das größte Klebstoffwerk der Welt. Trotzdem scheint die Aktie vorerst ausgereizt.

Infineon - Kräftig geschrumpft

Infineon ist nach der Abtrennung der Speicherchips (Qimonda) und dem Verkauf der Handychips an Intel nur noch die Nummer 14 unter den Halbleiterherstellern der Welt; der Umsatz schrumpfte von in der Spitze fast acht Milliarden Euro (2005/06) auf 3,8 Milliarden 2012/13. Dafür ist der Konzern den Großteil der früher lebensbedrohlich hohen Fixkosten los. Gewinnmarge und Cash-Flow haben sich verbessert. Geld für Investitionen, um in der schnelllebigen Branche zukunftsfähig zu bleiben, verdient Infineon jetzt genug. Was der Rentabilität guttat, ist langfristig gefährlich: Die Autobranche macht mit 1,7 Milliarden Euro fast die Hälfte des Infineon-Umsatzes aus. Und zuletzt hat der Konzern relativ wenig in Forschung und Entwicklung investiert. So stieg der Gewinn zwar 2012/13 schneller als der Umsatz. Doch der Sparkurs könnte sich rächen, wenn künftig neue Produkte fehlen. Wegen der Insolvenz Qimondas drohen zudem noch immer Zahlungen von bis zu 3,3 Milliarden Euro – fast ein Jahresumsatz.

K+S - Keine Trendwende

Als im Sommer der Kalikonzern Uralkali aus Russland den Ausstieg aus dem mit der weißrussischen Belaruskali gebildeten Exportkonsortium ankündigte, löste das eine Verkaufslawine in den Aktien von K+S aus. Uralkali hatte angekündigt, seine Kapazitäten in Zukunft voll auszulasten und mehr Kali auf den Weltmarkt zu bringen. Folge eines steigenden Angebots: ein heftiger Einbruch des Kalipreises, der die Profitabilität vieler Minen von K+S bedrohte. Gefährdet wäre zudem die Rentabilität des Minenprojekts Legacy in der kanadischen Provinz Saskatchewan. Nach dem Ende des Kalikartells wird der weltweite Kalimarkt ähnlichen Regeln folgen wie andere globale Rohstoffmärkte mit vielen Anbietern und Überkapazitäten. Bei falscher Strategie könnten auch große Anbieter auf der Strecke bleiben. K+S hat nicht viel Handlungsspielraum. Die Investitionen müssen runter, die Konzentration muss auf Kosteneffizienz und intelligente Steuerung von Preisen und Kapazitätsauslastung gerichtet sein. Vor diesem Hintergrund sind Anleger gut beraten, weiter einen Bogen um die K+S-Aktie zu machen. Gerüchte, wonach Uralkali und Belaruskali wieder auf Tuchfühlung gehen sollen, mögen den K+S-Kurs kurzzeitig beflügeln, werden aber keine Trendwende auslösen.

Lanxess - Hängt am Reifen

Der Chemiekonzern leidet unter der derzeit schwachen Kautschuknachfrage. Vor allem die Reifenhersteller kaufen weniger, weil die Autoindustrie in einem Konjunkturtal hängt. Zusätzlich machen dem ehemaligen Bayer-Ableger Konkurrenten aus China zu schaffen, die ihre Kapazitäten ausgebaut haben. Preise und Margen sind unter Druck. Etwa 54 Prozent des Konzernumsatzes hängen am Segment Performance Polymers, zu denen auch die Reifenvorprodukte gehören. Wichtigster Abnehmer für diese Kunststoffe ist die Autoindustrie. Wer als Anleger Lanxess kauft, spekuliert daher auf ein Comeback der Autobauer. Zwar melden die Lobbyisten der Autoindustrie auch in Europa wieder steigende Absatzzahlen, aber es bleibt abzuwarten, wie nachhaltig die Erholung ist. Wirklich attraktiv wäre Lanxess, wenn es dem Management gelänge, sich aus der Abhängigkeit von der Kautschukproduktion zu befreien. Denkbar wäre ein Zukauf bei Pflanzenschutzmitteln, ein Chemiesektor, der derzeit brummt. Bisher sind überzeugende Akquisitionen Fehlanzeige.

Linde - Wachablösung

Den Börsenwert rund versechsfacht, den Unternehmenswert fast verfünffacht, den Umsatz verdoppelt und den Gewinn seit Jahren dauerhaft über die Milliardengrenze gehoben – so liest sich die Erfolgsgeschichte von Wolfgang Reitzle. Der Chef der Münchner Linde wird im Mai 2014 nach gut elf Jahren seinen Posten räumen, zugunsten von Wolfgang Büchele, der seit April 2012 Vorsitzender des Vorstands des eher unbekannten finnischen Chemieunternehmens Kemira ist. Seit der Bekanntgabe des Wechsels konnte die Linde-Aktie nicht mehr zulegen, während der Dax sechs Prozent gewann. Vorschusslorbeeren sehen anders aus. Allzu große Skepsis ist aber nicht angebracht. Linde steht vor allem mit seinem Gasegeschäft (84 Prozent des Umsatzes) auf breiten Füßen. Reitzle hat auch mit geschickten Übernahmen den Konzern hervorragend aufgestellt. Europa macht 42 Prozent der Erlöse aus, Asien 30 und Nordamerika 17 Prozent, den Rest steuern Afrika und Südamerika bei. Linde ist relativ konjunkturunempfindlich, die Cash-Flows sind gut kalkulierbar. Dass der Kurs jetzt durchatmet, liegt weniger am Chefwechsel als an der insgesamt knackigen Bewertung.

Lufthansa - Zu hohe Erwartungen

Die Luftverkehrsteuer bleibt und kostet die Branche jährlich eine Milliarde Euro. Der Ausbau des Frankfurter Flughafens ist fraglich. Das größte Problem aber sind staatlich subventionierte Konkurrenten, wie Etihad, die die Preise drücken. Zwar hat die Lufthansa ein Sparprogramm aufgelegt, das zu greifen scheint; geholfen hat 2013 auch der moderate Kerosinpreis. Der könnte 2014 aber wieder steigen. Und da alle anderen Kosten schon gedrosselt werden, schlügen die Spritpreise mehr auf die Gewinne durch. Und die Erwartungen der Anleger sind im Steigflug, was sich an jüngsten Kursgewinnen und den Analystenschätzungen ablesen lässt: Die erwarten 2014 eine Verdopplung des Gewinns. Ambitioniert.

Merck - Pipeline ist trocken

Kurz vor Jahresende zündete der Pharmakonzern den Kursturbo. Die Ankündigung, den britischen Spezialchemiehersteller AZ Electronic Materials zu übernehmen, ließ die Aktie um sechs Prozent nach oben schnellen. AZ stellt Chemikalien für integrierte Schaltkreise her, die in Tablet-Computern, Smartphones oder Spielkonsolen gebraucht werden. Der AZ-Deal ist konsequent, weil die Pharmasparte auf der Stelle tritt und mögliche Biotech-Übernahmen zu teuer erscheinen. Schon jetzt ist Merck weltweit Marktführer bei Kristallen, die in Flachbildschirmen, Laptops und Handydisplays eingesetzt werden. AZ produziert unter anderem auch LEDs, die Mercks Kristalltechnologie künftig ersetzen könnten. Derzeit macht Merck mit Spezialchemie zwar nur 15 Prozent des Umsatzes, die Marge aufs Ergebnis vor Zinsen und Steuern ist mit zuletzt 43,5 Prozent jedoch mehr als doppelt so hoch wie in den übrigen drei Sparten. Merck dürfte die Übernahme von AZ vor keine finanziellen Probleme stellen, da die Kriegskasse gut gefüllt ist. Mittelfristig fehlt der Aktie vor allem im Pharmageschäft die Fantasie. Das Kostensparprogramm läuft im kommenden Jahr zum großen Teil aus. 1100 Stellen fallen bis Ende 2015 in Deutschland weg. Die Kosten werden zwar reduziert, es fehlt jedoch an Erfolg versprechenden Neuentwicklungen. Die Kooperationen mit Pharmaentwicklern werden wahrscheinlich frühestens 2017 Früchte tragen und sind zu klein, um Merck insgesamt spürbar wachsen lassen. Bis dahin steht der Pharmasparte, die etwa 60 Prozent des Umsatzes ausmacht, eine lange Durststrecke bevor. Da die Aktie in den vergangenen Monaten gut gelaufen ist, sollten Anleger erst nach einem Rücksetzer wieder einsteigen. Wer hohe Gewinne auf Merck hat, sollte sie mitnehmen.

Münchener Rück - Nur ein dunkler Fleck

Natürlich spürt auch der weltweit größte Rückversicherer den Druck der niedrigen Zinsen. Doch schafft es die Munich Re durch geschickte Diversifizierung bisher, ihr Kapitalanlageergebnis kräftig zu steigern, zuletzt sogar um 25 Prozent. Doch es ist vor allem das ungebrochene Wachstum im Rückversicherungsgeschäft, das dem Konzern Dynamik verleiht. Jetzt zahlt sich aus, dass Munich Re schon früh in Asien und Südamerika auf Expansion gesetzt hat. Der Lohn sind zweistellige Wachstumsraten. Positiv auch: Nach dem Katastrophenjahr 2011 waren 2012 und 2013 verhältnismäßig arm an Großschäden. „Der gerade begonnene Aktienrückkauf im Umfang von einer Milliarde Euro sorgt für zusätzliche Unterstützung“, sagt Analyst Michael Huttner von JP Morgan. Der dunkle Fleck auf der Weste der Münchner ist die skandalgeplagte Erstversicherungstochter Ergo aus Düsseldorf. Für deren Umbau sind Restrukturierungskosten in dreistelliger Millionenhöhe angefallen, und das dürfte noch nicht das Ende gewesen sein. Einen Verkauf der Ergo lehnt Vorstandschef Nikolaus von Bomhard ab.

RWE - Energische Probleme

Auch wenn sich die Strompreise auf niedrigem Niveau etwas stabilisieren, bleibt das deutsche Energiegeschäft wegen der hohen Betreibungskosten für Kraftwerke schwierig. Alternativen (Ausbau erneuerbarer und dezentraler Energieerzeugung) bringen zunächst wenig ein. Bei 31 Milliarden Euro Schulden und nur 18 Prozent Eigenkapitalquote besteht ohnehin kaum Expansionsspielraum. Ob RWE milliardenhohe Steuern für Brennelemente zurückfordern kann, wird wahrscheinlich erst in einem Jahr vor Gericht entschieden. Dass RWE in Deutschland 40 000 Beschäftigte hat und 100 Kommunen Anteile besitzen, ist in Zeiten einer großen Koalition kein Nachteil und sollte das Umfeld zumindest nicht weiter eintrüben.

SAP - Vom niedrigen Niveau

Strategieschwenk um 180 Grad: In Walldorf war es immer verpönt, durch große Zukäufe zu wachsen. Dann kam die zweite IT-Revolution mit dem Trend zum mobilen Computing und zur Cloud (Mietsoftware und Datenkapazität in der Wolke statt eigener Speicher, Server, Software). SAP erkannte, dass es nicht die gesamte Technik dafür schnell genug entwickeln könnte, und übernahm Cloud-Spezialisten. Die Wachstumschancen in der Cloud sollen nun unbedingt genutzt werden. Marktanteile und Umsätze müssen her, auch um den Preis zeitweise schwächerer Gewinnmargen. Die Aktie ist zwar nicht billig, der Bewertungsabstand zur Konkurrenz ist groß: Das KGV liegt bei 17,6 (2014); Erzrivale Oracle hat eines von 11,5. Die teuren Cloud-Übernahmen Success Factors und Ariba haben zudem viel Abwertungspotenzial (Goodwill) in der Bilanz geschaffen, das Risiko von Rückschlägen steigt. Doch das Stammgeschäft ist stabil und bringt hohe Cash-Flows und Gewinne, auch in Konjunkturdellen. Hana, die Technik zum Management riesiger Datenmengen (Big Data), hat sich als technisch überlegen entpuppt und könnte der neue Verkaufsschlager werden, die Verkaufszahlen wachsen (vom niedrigen Niveau aus) rasant.

Siemens - Option auf den Dax

Die Aktie hat 2013 18 Prozent zugelegt, fast exakt so viel wie der Dax. Seit der neue Chef am Ruder ist, legte die Aktie zwar deutlich schneller zu als unter dem Vorgänger Peter Löscher, doch Joe Kaeser muss liefern: Anleger erwarten nicht weniger als die Abspaltung schwach rentabler Bereiche. Einen teuren Klotz wurde Siemens mit Osram 2013 los, doch die Gesamtrentabilität lässt noch zu wünschen übrig. Konkurrenten wie GE, ABB und Schneider Electric schaffen deutlich mehr Gewinn aus dem Umsatz. Aber nicht für alles findet sich ein solventer Käufer, und nicht immer ergibt eine Abspaltung Sinn. So erwirtschaftet etwa die Abteilung Power Grid Solutions zwar nur eine karge Gewinnmarge von sechs Prozent. Doch der Bereich hat auch Zukunftspotenzial und benötigt dafür Investitionen. Auf Dauer sinnvoll oder nicht – die Aktie bekäme kurzfristig wohl einen Schub durch weitere Abspaltungen. Strategisch ist die Sache schwieriger. Schon einmal, 1998 bis 2001, forderten Analysten die Zerschlagung; Siemens sollte nur noch IT und Telefon machen. Exakt diese Bereiche sind inzwischen tot – gut, dass das damalige Management nicht auf die Excel-Akrobaten hörte. Auch ohne weitere Spinoffs muss die Aktie kein Underperformer bleiben: Zöge die Konjunktur noch mehr an, vor allem in China, dann wäre Siemens eine Kaufoption auf den Dax. Bewertung und Rationalisierungserlöse haben Luft nach oben. Schlecht wäre ein Abschwung: Wegen seiner finanziellen Trägheit (hohe Fixkosten, dünne Margen) schlüge der bei Siemens voll ins Kontor.

ThyssenKrupp - Stahlharte Wette

Auf elf Prozent hat der schwedische Finanzinvestor Cevian mittlerweile seinen Anteil an ThyssenKrupp hochgeschraubt. Damit dürfte er einen Sitz im Aufsichtsrat bekommen und wird seine Macht bei dem Stahlkonzern weiter ausbauen – auch auf Kosten der Krupp-Stiftung, die mit 23 Prozent mittlerweile nicht mehr über die Sperrminorität verfügt. Cevian spekuliert darauf, dass sich aus dem Industrieriesen (mit wahrscheinlich 40 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2014) mehr herausholen lässt als der aktuell gedrückte Börsenwert (knapp zehn Milliarden Euro). Immerhin, eine weltweite Konjunkturerholung käme Thyssen mit seinen Geschäftsschwerpunkten Stahl, Autozulieferung, Anlagen und Aufzüge zugute und könnte 2014 erstmals wieder zu einem kleinen Nettogewinn führen. Allerdings drücken fünf Milliarden Euro Schulden, drohende Unsicherheiten wegen Kartellbelastungen und eine mögliche Zahlung in dreistelliger Millionenhöhe, wenn Thyssen nach dem Willen der EU-Kommission die Befreiung von der Ökostromumlage wieder zurückgeben müsste. Für schwache Nerven ist die Aktie nichts, doch wer wie Cevian mehrere Jahre Durchhaltevermögen hat, kann eine Spekulation wagen.

Volkswagen - Sparen bringt Gewinn

Nach der Einführung des modularen Querbaukastens, mit dem für verschiedene Marken des VW-Konzerns gleiche Teile verbaut werden, erwarten Analysten weiter steigende Gewinne durch Einsparungen. VW selbst spricht von einem Einsparpotenzial bis zu 20 Prozent – 2014 dürfte es voll zum Tragen kommen. Zuletzt zeigte sich aber das Risiko dieser effizienten Produktionsstrategie: Die Wolfsburger mussten weltweit 2,6 Millionen Autos zurückrufen – wegen technischer Probleme, die gleich mehrere Marken wie Skoda, Volkswagen, Seat und sogar Audi betrafen; 260 Millionen Euro dürfte die Aktion kosten. Überragend sind die Aussichten für 2014 nicht mehr: Die Marktlage in Europa ist zwar vielversprechend. Das Highlight des Jahres, der neue Passat, kommt aber erst im November auf den Markt. Genau beobachten sollten Anleger, was bei Audi passiert, die im Novemberabsatz hinter BMW und Mercedes zurückfielen. Der US-Markt erholt sich, allerdings sind die VW-Modelle in Nordamerika schon etwas angestaubt. Gegen Produktoffensiven wie von Daimler könnte VW etwas zurückfallen. Hoffen lassen weitere Synergien aus der Porsche-Übernahme, Ertragssteigerungen der Finanzsparte und die immer noch sehr niedrige KGV-Bewertung des drittgrößten Autobauers der Welt.

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