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Elektroauto-Schnäppchen Heute schon günstiger als der Volks-Tesla

Die Renault ZOE ist eine Besonderheit Quelle: dpa

Elon Musk verspricht einen Tesla für 25.000 Dollar. Das günstigste E-Auto wäre das aber keineswegs. Diese neun Elektroautos gibt es heute schon für deutlich weniger Geld.

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Elon Musk geizt bei seinen Auftritten bekanntlich nicht mit großen Ankündigungen. Auch dieses Mal nicht, auf dem mit großer Spannung erwarteten Battery Day am vergangenen Dienstag, wo es vorrangig um die neuesten Entwicklungen in der Batteriezellentechnologie ging. Musk will die Kosten für die Batterie drastisch senken und ihre Kapazität bei gleichem Gewicht und Volumen nochmals steigern; und das Laden könnte, schätzen deutsche Batterieforscher, in den neusten Tesla ab 2022 sechsmal so schnell gehen wie heute. Dank günstigerer Batteriezellen sollen dann auch die Preise der E-Autos drastisch fallen: „Wir sind zuversichtlich, dass wir ein sehr überzeugendes Elektroauto für 25.000 Dollar bauen können“, sagte Musk.

Ein Tesla für 25.000 Dollar? Das stimmt zwar nicht ganz, denn Amerikaner nennen grundsätzlich Preise ohne Mehrwertsteuer, weil die in jedem US-Bundesstaat anders ist. 16 Prozent Mehrwertsteuer und zehn Prozent Zoll kämen für Teslas aus US-Produktion also für deutsche Kunden noch dazu. Eine Kampfansage ist so ein Preis trotzdem. Bisher kostet das günstigste Modell des Elektropioniers fast doppelt so viel; in Deutschland ist das Model 3 mit 55 Kilowattstunden-Akku für knapp 45.000 Euro zu haben. Etwas Geduld ist, wie immer, bei Musks Ankündigungen nötig. Der Unternehmer glaubt sie in drei Jahren umsetzen zu können.

Doch so lange muss nicht warten, wer ein günstiges Elektroauto kaufen will. Es gibt schon heute Elektroautos für deutlich weniger als 25.000 Euro ­– wenn auch sehr viel kleinere als die von Tesla oder seinen direkten Wettbewerbern Audi, BMW und Mercedes. Ob diese kleinen E-Flitzer alltagstauglich sind, hängt vom persönlichen Fahrprofil ab. Wer sie nur als Pendler- oder Zweitwagen nutzen will, findet auf jeden Fall etwas Passendes. Reale Reichweiten von bis zu 300 Kilometern schaffen sie bereits, auch im Winter und bei etwas sportlicher Fahrweise. Hilfreich ist eine Lademöglichkeit am besten zu Hause oder am Arbeitsplatz. Denn ein Teil der bisher hohen Kosten für einen Tesla erklären sich auch aus dem Zugriff auf das exklusive Schnellladenetz der Kalifornier entlang der Autobahnen. Wer das nicht hat, braucht an der einen oder anderen öffentlichen Ladesäule oft noch gute Nerven; nicht immer lassen die sich auf Anhieb problemlos freischalten.

9 günstige E-Autos, die schon zu haben sind
1. Renault ZOE Die Renault ZOE ist eine Besonderheit: erstens legt Renault auf die staatliche Kaufprämie freiwillig noch einen Tausender drauf, zieht also statt der vorgeschriebenen 3000 gleich 4000 Euro vom eigenen Listenpreis ab. Zweitens kann man bei Renault den Akku auch mieten, statt ihn mit dem Auto zu kaufen, im Markt ein absolutes Alleinstellungsmerkmal. Vom Bruttolistenpreis ab 19.900 (Miet-Akku) bzw. 29.900 (Kauf-Akku) gehen also 10.000 Euro Umweltprämie ab; man bekommt also eine neue ZOE für ziemlich genau 10.000 Euro. Das Auto hat einen Akku mit 41 Kilowattstunden (kWh) Stromspeicherkapazität. Damit kommt man realistisch rund 260 Kilometer weit. Die Lieferzeit liegt bei überschaubaren drei Monaten. Quelle: dpa
2. Opel Corsa e Den aus der Verbrennerwelt bestens bekannten Kleinwagen aus Rüsselsheim bekommt man in der günstigsten Version und um die Kaufprämie bereinigt schon für 19.800 Euro. Dafür gibt es knapp 300 Kilometer realistische Reichweite; das Auto kann auch Schnellladen. Die Lieferzeit beträgt inzwischen aber rund acht Monate. Quelle: Presse
3. Nissan Leaf Der Japaner war eines der ersten E-Autos auf dem Markt, ist technisch fast zehn Jahre alt. Bald soll er durch eine neue Plattform von Nissan abgelöst werden. Der Leaf ist schon kein Kleinwagen mehr, sondern Kompaktklasse; fünf Menschen haben einigermaßen Platz. Wer also die gute Förderung und die um drei Punkte gesenkte Mehrwertsteuer noch bis Ende des Jahres ausnutzen kann, bekommt ein E-Auto der Golf-Größe für ab 18.300 Euro. Der Akku ist dafür mit 40 kWh nicht allzu üppig. Der etwas reichweitenstärkere Leaf mit 62 kWh , die eine reale Reichweite von gut 330 Kilometern ermöglichen, kostet 8000 Euro mehr, läge also abzüglich Fördersumme bei rund 26.000 Euro. Quelle: Presse
4. Mini Cooper SE Trotz üppiger Prämien ist der Mini noch etwas teurer als die meisten Konkurrenzmodelle seiner Größe. Nach Abzug der Kaufprämie ist er ab etwa 21.000 Euro zu haben. Dafür bekommt man eine realistische Winterreichweite von knapp 200 Kilometern. Auch nicht gerade viel. Die Wartezeit beträgt zudem rund ein Jahr.  Quelle: Presse
5. smart EQ fortwo Mehr als ein Stadtauto war der Smart noch nie; seit 2020 gibt es ihn konsequenterweise nur noch als Elektroauto. Die äußerst mäßige Reichweite von rund 140 Kilometern lässt mehr aber auch nicht zu. Abzüglich des Umweltbonus ist der EQ fortwo dafür sehr erschwinglich : ab 10.170 Euro. Allerdings ist die Produktion von 2021 derzeit komplett ausverkauft. Der Smart ist über viele Händler aktuell nicht bestellbar. Per Internet schon, wann er geliefert wird, ist aber derzeit unklar.   Quelle: Presse
6. Peugeot e-208 Der Franzose ist technisch das gleiche Auto wie der Corsa-e von Opel. Karosserie und Motor sind baugleich. Wer die 9000 Euro Kaufprämie und den reduzierten Mehrwertsteuersatz mitnehmen kann, bekommt ihn derzeit für rund 20.000 Euro. Der Akku mit 50 kWh ermöglicht eine passable Reichweite von knapp 300 Kilometern. Die Lieferfrist liegt allerdings inzwischen auch schon bei einem dreiviertel Jahr. Quelle: Presse
7. Honda e Viele Analysten bemängelten bei der Vorstellung des ersten reinen Elektroautos des japanischen Konzerns dessen hohen Listenpreis (33.000 bis 39.000 Euro). Für äußerst überschaubare 150 Kilometer reale Reichweite ist das in der Tat ein ambitionierter Preis. Wer sich trotzdem in das ungewöhnliche Design des Autos verguckt hat, bekommt es abzüglich der Kaufprämie derzeit binnen fünf bis sechs Monaten geliefert – für knapp 24.000 Euro. Quelle: imago images

Kleine E-Autos dank staatlicher Förderung ab 10.000 Euro

Aber dass die Bundesregierung im Rahmen ihrer Anti-Corona-Maßnahmen zum 1. September 2020 die staatliche Kaufprämie für die E-Autos (und für Plugin-Hybride sowie für Brennstoffzellen-Pkw) glatt verdoppelt hat, macht die kleinen Stromer auch im Vergleich zu Benzinern und Dieseln wirklich attraktiv. Die Zeiten, da man für ein reines Elektroauto fast das Doppelte bezahlen musste wie für einen vergleichbaren Verbrenner, sind damit vorbei. 

Die Prämie beträgt für E-Autos mit einem Bruttolistenpreis von bis zu 40.000 Euro nun insgesamt 9000 Euro; 6000 steuert der Staat bei, 3000 müssen die Hersteller selber drauflegen. Für etwas teurere Modelle gibt es vom Staat immerhin noch 5000 Euro; der Hersteller gibt 2.500 Euro dazu. Bei einem Neupreis von 65.000 Euro ist dann aber Schluss mit der Förderung.

Wichtig: Die hohe Förderung ist begrenzt, und zwar sowohl zeitlich, als auch im Volumen. Die üppigen 9000 Euro (bzw. 7500 jenseits der 40.000-Euro Neupreis) gibt es noch bis Ende des kommenden Jahres. „Danach geht die Förderung automatisch zurück auf die Regelung von vor dem Corona-Konjunkturpaket“, sagt Sebastian Schmitt, Referent im Bundeswirtschaftsministerium. Das Volumen des Fördertopfes hat die Regierung um zwei Milliarden Euro von zuvor 2,09 auf 4,09 Milliarden Euro ausgedehnt. Was die Politik wirklich machen würde, wenn der Topf vor dem Stichtag 31.12.2021 leer wäre, ist aber unklar. Gut denkbar ist auch, dass im Wahljahr 2021 dann nochmals aufgestockt wird.

Auf jeden Fall haben Interessierte nicht mehr ewig Zeit. 31.12.2021 klingt zwar lang, doch gerade auf viele E-Autos im so genannten Kleinstwagensegment hat die üppige neue Kaufprämie einen regelrechten Run ausgelöst; die Hersteller kommen mit der Produktion kaum hinterher, es gibt Lieferzeiten von bis zu 12 Monaten, bei einigen Modellen sogar einen Bestellstopp. Das ist relevant, denn für die staatliche Förderung ist das der Zeitpunkt der Zulassung relevant. „Entscheidend ist der Tag der Erst-Zulassung auf den privaten Käufer selbst“, sagt Referent Schmitt. Also auch frühere Tageszulassungen auf Händler oder Hersteller helfen nicht beim Aushebeln der Frist.

Viele Modelle sind vergriffen

„Speziell die deutschen Hersteller wurden vom Run ab dem Frühsommer auf die reinen E-Autos völlig auf dem falschen Fuß erwischt“, beobachtet Philipp Sayler von Amende, Chef und Co-Gründer von Carwow. Das Münchner Startup vermittelt privaten Käufern Neuwagenrabatte von zahlreichen Herstellern. „Vor der Anhebung der Kaufprämie lag der Anteil der reinen E-Autos an den Neuzulassungen immer bei rund einem Prozent, inzwischen beträgt er fünf bis sechs“, sagt von Amende, „bei uns ist er binnen weniger Wochen auf 55 Prozent der vermittelten Neuwagen hochgeschnellt und hat sich nun bei rund einem Drittel stabilisiert.“


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Weil die meisten Hersteller ihre e-Autos (Ausnahme ist neben Tesla etwa der BMW i3) auf den selben Fertigungsstraßen wie ihre Verbrennermodelle bauen, wo es nur ein begrenzte Anzahl von Produktionsslots für die E-Autos gibt, können sie deren Produktion schlecht skalieren. Auch Engpässe bei den Batteriezellen sollen Insidern zufolge immer wieder für Produktionsstopps verantwortlich sein. „Das ändert sich aber, wenn mehr von vorn herein als reines E-Auto konstruierte Fahrzeuge wie der VW ID3 auf den Markt kommen“, so von Amende. Und wenn die vielen neuen Gigafactories für Batteriezellen, die zur Zeit in Bau und Planung sind, anfangen zu produzieren.

Definitiv ausverkauft sind derzeit aber die baugleichen Modelle der Volkswagen-Marken Skoda Citago e, VW eUp und Seat Mii electric, ebenso der Citroen C-Zero und der Peugeot iOn. Smart liefert derzeit ebenfalls keine e-Autos mehr aus. In der etwas teureren Klasse haben inzwischen der elektrische Mini Cooper von BMW, der Opel Corsa e und der Peugeot 208 e 8 bis 12 Monate Lieferzeit. Die theoretisch gute Auswahl an kleinen E-Autos für 20.000 Euro oder weniger wird dadurch de facto ziemlich eingeschränkt. „Wer aber nicht auf ein bestimmtes Modell festgelegt ist, findet etwas“, meint von Amende.

Mehr zum Thema: Elon Musks Versprechen: Ein Tesla zum Kampfpreis

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