Modehändler: Gerry Weber im Aufwind: Gläubiger stimmen für Konzernsanierung
Das Modeunternehmen Gerry Weber kann saniert werden.
Foto: dpaDer Weg für eine Entschuldung des angeschlagenen Damenmode-Konzerns Gerry Weber ist frei. Die Gläubiger hätten den Restrukturierungsplan am Freitag vor dem Amtsgericht Essen mit großer Mehrheit gebilligt, teilte das Unternehmen aus dem westfälischen Halle mit. Der erneut in Schieflage geratene Konzern wird im Zuge der Sanierung rund 150 Millionen Euro Schulden los.
Nur die Forderungen der Großaktionäre Robus, Whitebox und J.P. Morgan bleiben bestehen, werden aber bis 2027 gestundet. Sie stellen auch neue Kredite bereit. Das Trio, das bereits mit 93 Prozent an Gerry Weber beteiligt ist, wird mit der Sanierung über eine gemeinsame Holding in Luxemburg Alleineigentümer. Die übrigen Aktionäre gehen leer aus.
Vier Jahre nach der ersten Insolvenz hatte Gerry Weber im April ein vorinsolvenzliches Sanierungsverfahren nach dem neuen StaRUG-Gesetz beantragt, die Einzelhandels-Tochter Gerry Weber Retail und die Österreich-Tochter gingen in Insolvenz. 122 von 171 Läden in Deutschland sollen bis Ende September geschlossen werden, „um den gesunden Kern zu schützen und Gerry Weber zukunftssicher aufzustellen“, wie die Firma erklärte. 350 Stellen sind davon betroffen, 75 weitere in der Zentrale. Gerry Weber werde sich künftig wieder auf den Großhandel mit Damenmode konzentrieren. In Österreich schließen 83 Filialen.
2020 war zunächst bekannt geworden, dass das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung aufgehoben worden war. Die Effektivität der durchgeführten Umstrukturierungen und Sparmaßnahmen war vorerst deutlich anhand der Finanzdaten für das Jahr 2021. Obwohl der Umsatz im Vergleich zu 2020 um 5,5 Prozent auf 262,7 Millionen Euro gesunken war, hatte das Unternehmen damals wieder Gewinne verzeichnen können. Das Nettoergebnis hatte sich auf 23 Millionen Euro belaufen, während es im Jahr 2020 noch einen Verlust von 86 Millionen Euro gegeben hatte. Das Unternehmen hatte eigentlich die Absicht gehabt, weiterhin profitabel zu bleiben. Allerdings hatten die hohe Inflation sowie die Auswirkungen des Ukraine-Konflikts diesen Plan beeinträchtigt.
Gerry Weber verzeichnete eine bedeutende Präsenz in Russland und der Ukraine, wobei dieser geografische Bereich zeitweise etwa sechs Prozent des Gesamtumsatzes des Konzerns ausmachte.
Zusätzlich belasteten stark gestiegene Energie- und Frachtkosten die Situation. Aufgrund der wahrscheinlichen Verzögerungen bei der Seefracht war das Unternehmen gezwungen, vermehrt auf Luftfracht umzusteigen, was ebenfalls mit erheblich höheren Kosten verbunden ist.
Finanzvorstand Florian Frank betonte, dass diese Sektoren von den Sanierungsmaßnahmen unberührt blieben. Die Fähigkeit zur termingerechten Lieferung bleibe uneingeschränkt erhalten, und sämtliche Geschäftsaktivitäten würde ohne Einschränkungen fortgeführt.
Nicht nur Gerry Weber ist in Schieflage geraten. Eine Vielzahl von Modeanbietern in Deutschland kämpft derzeit mit ähnlichen Problemen, darunter auch namhafte Unternehmen. Die bekannte Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof suchte bereits Ende des vergangenen Jahres Schutz in einem Schutzschirmverfahren. Im März war der Modehändler Peek & Cloppenburg KG Düsseldorf (P&C) diesem Beispiel gefolgt. Bereits im September des vorangegangenen Jahres hatte der Schuhhändler Görtz denselben Schritt unternommen. Jüngst musste auch der Wettbewerber Reno einen Insolvenzantrag stellen.
Auch der fränkische Modeversender Madeleine kämpft ums Überleben. Die Geschäftsführerin des Unternehmens bezeichnete die aktuelle Situation als eine „explosive Mischung“ für die gesamte Branche. Sie zeigte sich jedoch optimistisch bezüglich der Möglichkeiten einer Neuausrichtung des Unternehmens.
Kürzlich hatte auch der Spielwarenhersteller Haba bekanntgegeben, dass er die Marke Jako-o einstellen wird, die insbesondere für Kinder- und Sportbekleidung bekannt ist. Haba erklärte, dass aufgrund anhaltender wirtschaftlicher Schwierigkeiten keine Perspektive mehr für diesen Geschäftsbereich bestehe.
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