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Geldanlage GlobalUSA und China: Eine Teilung der Welt als Risikofaktor für die Kapitalmärkte

Die Geopolitik ist zuletzt gegenüber Notenbankpolitik und Inflation in den Hintergrund getreten. Die Anzeichen mehren sich, dass sie wieder stärkeren Einfluss auf die Märkte haben könnte – mit negativem Vorzeichen.Jürgen Callies 15.03.2023 - 09:22 Uhr
Foto: imago images

Vor knapp drei Wochen war der Jahrestag des Beginns des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Er brachte unermessliches menschliches Leid und dauert noch an. In meinen Beiträgen konzentriere ich mich auf die Kapitalmarktauswirkungen und betrachte politische und geopolitische Ereignisse nur unter diesem Gesichtspunkt. Und da lässt sich konstatieren, dass der Einfluss des Krieges in der Ukraine in den vergangenen Monaten stark in den Hintergrund getreten ist. Mit Blick auf die reinen Performance-Kennzahlen stehen Aktien der Eurozone, an Indizes gemessen, zwölf Monate nach der Invasion wieder im positiven Bereich, nachdem in den ersten sechs Monaten der Invasion hohe Kursverluste zu verzeichnen waren.

Im Gegensatz dazu haben die Preise für Rohstoffe wieder spürbar nachgegeben, nachdem hier bis in den Sommer hinein deutliche Preissprünge zu verzeichnen waren. An den Anleihemärkten sind die akkumulierten Verluste der letzten 12 Monate sehr hoch. Dieses Bild zeigt, dass der Krieg zuletzt nicht mehr maßgeblicher Einflussfaktor für die Kapitalmärkte war. Trotz der Ankündigung von Offensiven und Gegenoffensiven beider Seiten dürfte das so bleiben, solange es keine erheblichen Erweiterungen der Kriegsteilnehmer gibt oder signifikante Sekundärsanktionen, die das neue Gleichgewicht, das sich an den Rohstoffmärkten etabliert hat, aushebelt.

Ist damit die Geopolitik für die Kapitalmärkte abgehakt? Nein, sie ist vielmehr dabei, sich als Einflussfaktor wieder in den Vordergrund zu schieben.

Zur Person
Dr. Jürgen Callies, Jahrgang 61, Leiter Research der MEAG. Die MEAG ist der Vermögensmanager von Munich Re und ERGO. Sie managt weltweit ein Anlagevermögen von mehr als 330 Milliarden Euro.

Zwei Flashpoints stechen aus meiner Sicht besonders ins Auge: Da ist zum einen die politische Polarisierung innerhalb der USA, mit Konsequenzen auch für die finanziellen Belange. Da ist zum anderen und prioritär das sich verschlechternde Verhältnis der USA zu China, etwas, das ich schon einmal als den „Elefant im Raum“ bezeichnet habe.

Beginnen wir mit der politischen Situation in den USA. In 20 Monaten wird ein neuer Präsident gewählt, die Primaries beginnen in weniger als einem Jahr. Donald Trump hat für die Republikaner seine Kandidatur schon angekündigt, unter den übrigen potentiellen republikanischen Bewerbern sticht in den Umfragen derzeit nur der Gouverneur von Florida, Ron de Santis hervor. In beiden Fällen wäre ein polarisierender Wahlkampf mit den Demokraten gewiss. Die neue Mehrheit der Republikaner im Repräsentantenhaus heizt das derzeitige Klima an, hat aber auch sehr kapitalmarktrelevante Auswirkungen.

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Der wichtigste Punkt dürfte dabei das sogenannte „Debt Limit“ sein, eine gesetzlich festgelegte Schuldenobergrenze, jenseits derer der Staat keine neuen Schulden aufnehmen darf. Nur mit Zustimmung beider Kammern des Kongresses ist diese zu erhöhen. Die Schuldenobergrenze wurde am 19. Januar erreicht, Treasury-Secretary Yellen hat auch bereits die „außergewöhnlichen Maßnahmen“ eingeleitet, mit deren Hilfe noch etwas Zeit gewonnen werden kann, voraussichtlich im Zeitraum Juli/August dürften dann diese und die Barmittel des Finanzministeriums aufgebraucht sein. Haben sich Republikaner und Demokraten im Kongress nicht auf eine Anhebung geeinigt, wären die USA ab diesem Zeitpunkt gezwungen, jede zu tätigende Ausgabe durch eine vorherige Einnahme zu decken. Ein „Unfall“ kann daher nicht ausgeschlossen werden, im Falle eines solchen Unfalles wären die Kapitalmarktauswirkungen aber enorm: Einzelne Staatspapiere oder im schlimmsten Fall sogar die USA als Schuldner könnten als im Default deklariert werden. Wir halten das Risiko für gering, denn die negativen Auswirkungen wären gigantisch, aber im momentanen politischen Gegeneinander in den USA kann man das leider nicht mehr vollständig ausschließen.

Nun sind die beiden politischen Lager in den USA verfeindeter denn je, aber in einem Punkt herrscht parteiübergreifende Einigkeit, mehr noch ein Wettlauf, um zu zeigen, wer noch entschlossener, härter agiert: China ist der „Adversary“, der Feind, der „contained“ werden muss.

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Die Hoffnungen, dass nach der Abwahl von Donald Trump die chinesisch-amerikanischen Beziehungen verbessert werden könnten, erwiesen sich als trügerisch. Schon Trump hatte China zunächst mit Zöllen, dann mit massiven Technologiesanktionen überzogen und Huawei als Firma gezielt und breit sanktioniert und damit praktisch in die zweite Liga der Tech-Unternehmen geschickt. Seit Amtsantritt Bidens sind kontinuierlich neue Restriktionen im Technologiebereich eingeführt worden, hauptsächlich beim Export von Maschinen zur Herstellung fortgeschrittener Halbleiter, aber auch bei Chips, die besonders wichtig im Feld der künstlichen Intelligenz sind. Auch bei Huawei und anderen Einzelfirmen gab es weitere Beschränkungen. Zuletzt haben die USA auch die Japaner, Südkoreaner und Niederländer für ihre Politik an Bord geholt, um sicherzustellen, dass es China schwerfallen dürfte, technologisch aufzuholen.

Daneben wird das Sentiment weiter zum Negativen angefacht. Hatte es kurz nach dem Treffen von Biden und Xi auf dem G20-Gipfel in Bali ausgesehen, als ob es Anzeichen und Chancen für eine Entspannung gäbe, sind diese im Wesentlichen mit der „Ballon“-Affäre beendet worden – für die chinesische Seite ein fehlgeleiteter Wetterballon, für die US-Seite ein Akt der Souveränitätsverletzung mit dem Ziel der Spionage. Gleichzeitig gewinnt die Dämonisierung Chinas in den Medien an Fahrt. Jetzt soll Corona doch aus einem chinesischen Bio-Labor gekommen sein. Es werden öffentlich China rote Linien für noch nicht erfolgte Waffenlieferungen an Russland gesetzt und Sekundärsanktionen gegen China verhängt, während der indische Ölhandel mit Moskau ignoriert wird. Ganz zu schweigen von dem Thema Taiwan, das die roteste Linie ist, die China hat.

Ich habe bei der Diskussion der Ukraine darauf hingewiesen, dass Kapitalmärkte sich auf das Bepreisen von Vermögenswerten konzentrieren. Und für die Kapitalmärkte wäre ein Konflikt zwischen den USA und China, ein neuer kalter Krieg, eine ökonomische Zweiteilung der Welt, wie auch immer man es titulieren mag, das noch größere Risiko als der Krieg in der Ukraine. Ein Taiwan-Konflikt würde das ganze nur noch eskalieren, die ökonomischen Risiken bestehen aber auch ohne militärischen Konflikt.

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Mit dem ökonomischen Erstarken Chinas wird die Welt multipolarer. Es gibt jetzt drei dominante wirtschaftliche Kraftzentren in der Welt: die USA, die Eurozone und China. Russland lebt als internationaler Akteur von seinen Rohstoffen und Atomwaffen, China hingegen ist schon jetzt einer der großen ökonomischen Spieler. Das chinesische BIP ist höher als das der Eurozone. An der Marktkapitalisierung globaler Rentenmärkte kommt China auf über fünf Prozent, bei den Aktienmärkten über zehn Prozent. Als Produktionsstandort hat China die USA und Europa in der Summe überflügelt. Die Corona-Krise hat gezeigt, wie sehr China in die globalen Lieferketten eingebunden ist. Das soll und wird geändert werden, aber es geht nur langsam. Und es wird nicht gehen ohne höhere Inflation und damit dauerhaft auch höhere Zinsen.

Wenn aber ein Sanktionszyklus eintreten sollte, mit welchem die Beziehungen komplett oder signifikant zerschnitten werden, dürfte es ein Event sein, der im Negativen noch weit über die Kapitalmarkteinflüsse des Krieges in der Ukraine hinausgeht. Die ersten Kapitalmarktgrößen, die das reflektieren sollten, dürften die Wechselkurse sein. Denn nach dem Einfrieren der russischen Notenbankkonten dürfte China seine Abrechnungswährungen weg von den westlichen Währungen diversifizieren, Deals in lokalen Emerging Markets Währungen und in Yuan dürften zunehmen. Ob der „Globale Süden“ sich im Falle einer ökonomischen Auseinandersetzung so mehrheitsmäßig hinter die westliche Position stellen würde, wie er es zumindest in den UN bislang gegen Russlands Krieg getan hat, bezweifele ich. Eine Zweiteilung der Weltökonomie, der Weltkapitalmärkte, der Weltzahlungssysteme wäre wohl der „Worst-Case“, der aus einem andauernden Konflikt Chinas mit den USA resultieren würde. Die Währungen werden Gradmesser dafür sein.

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